Der typische Ingenieur auf Kriegsfuß mit dem Digitalen Zeitalter?

Projektmanagement

Der VDI lädt zu #nwing leitende Ingenieure und Jungingenieure ein um sich zur Digitalisierung,  Digital Leadership, neuen Arbeitsmethoden zur digitalen Transformation und dem daraus häufig resultierenden Kulturwandel zu informieren und auszutauschen. Wie sich der typische Ingenieur aktuell in der digitalen Welt schlägt, ist sehr vom gängigen Bild geprägt. Die landläufige Meinung besagt, er geht systematisch und analytisch vor, er geht den Dingen auf den Grund. Problemfelder grenzt er ein und erstellt darauf basierend Entscheidungsvorlagen. Er trennt das Wesentliche vom Unwesentlichen, zeigt Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Kausalitäten auf. Er ist somit ein gut ausgebildetes, wertvolles Mitglied der arbeitenden Gesellschaft. Ist er damit gut gerüstet für das digitale Zeitalter?

Herausforderungen eines Ingenieurs

Arbeiten zwei oder mehr Ingenieure an ein und demselben Thema innerhalb einer Firma, kommt es vor, dass der eine vom anderen nichts weiß. Ein Beispiel: Drei verschiedene Teams arbeiten am Thema der papierlosen Fertigung. Jede Gruppe für sich mit tollen, sehr unterschiedlichen Herangehensweisen und Lösungen zur Reduzierung der Begleitscheine beim Herstellungsprozess. Trotzdem Doppelarbeit und damit nicht der Idealzustand.

Idealerweise würden die Gruppen im oben genannten Beispiel wissen, dass sie am gleichen Thema arbeiten. Sie würden ihr Wissen zusammenbringen, sich austauschen und für die Umsetzung der papierlosen Fertigung  gemeinsame Lösungen finden. Diese wären multiplizierbar und die Bereiche, die sich bis dato hiermit noch nicht beschäftigt haben, könnten eine „plug-and-play“ Lösung übernehmen. Das steigert das Unternehmensergebnis und ist manchmal auch ein Zusatznutzen für die Kunden. Ein tolles Bild für die Zukunft. Wie das Beispiel jedoch zeigt, sieht die Realität meist anders aus.

Liegt es daran, dass der typische Ingenieur zu sehr Fachmann auf seinem (Spezial)Gebiet ist? Schaut er deshalb nicht über den Tellerrand hinaus? Das kann nicht sein. Der moderne Naturwissenschaftler arbeitet mittlerweile eng vernetzt in internationalen Teams. Woran liegt es also?

These und Lösungsansätze

Eine Herausforderung liegt darin, dass die eigene Entwicklungsarbeit mehr geschätzt wird als ein Übernehmen von Ansätzen oder sogar Lösungen einer anderen Person oder Gruppe. Um dieser Situation zu begegnen, geht es im ersten Schritt darum, dass sich die Mitarbeiter aus den Gruppen finden. Dies sollte im digitalen „world wide web“ Zeitalter (www) oder über die Firmennetze nicht schwierig sein. Privat werden häufig die gängigen Anbieter wie Twitter, Facebook, Linkedin, … genutzt. Geschäftlich ist das ein anderes Thema. Googeln sie einfach mal einen Kollegen oder Ihren Chef. Ist dieser nicht von Berufs wegen im www unterwegs, wird es oft schwierig, ein klares Bild über die Expertise ihrer gesuchten Person zu gewinnen. Dies liegt daran, dass das berufliche Know-how und die Talente nicht immer sichtbar sind.

Zum Zweiten wird es immer wichtiger, gezielt Netzwerke aufzubauen und zu pflegen. Dies ist nicht nur sinnvoll in Bezug auf die eigene Karriere, sondern auch beim Auftauchen von Problemen in Projekten sehr nützlich. Betrachten wir das Beispiel der papierlosen Fertigung noch einmal aus einem anderen Blickwinkel. Eine der Gruppen hat keine pfiffige Idee für die Umsetzung einer Schnittstelle zwischen einer Maschine und SAP. Eine andere Gruppe ist schon weiter und könnte hierzu etwas anbieten. Dabei geht es nicht ausschließlich um das Übernehmen einer guten Lösung, sondern auch um eine neue Perspektive auf ein Problem, die neue Ansatzpunkte liefert.“

Methode zur Selbstbefähigung

Bosch begegnet diesem Sachverhalt mehrgleisig. Neben agilen Methoden wie z. B. Scrum oder Design Thinking wird die „grass-root“ Initiative  Working Out Loud (WOL) unterstützt.

WOL ist eine angeleitete Selbstlern-Methode für das digitale Netzwerken. In einer kleinen interdisziplinären Gruppe von vier bis fünf Personen, so genannten Zirkeln, verfolgt jeder Teilnehmer ein persönliches Ziel über zwölf Wochen (1h pro Woche). Während dieses Zeitraums baut sich jeder zielgerichtet ein virtuelles Experten-Netzwerk mit stabilen Beziehungen auf. In kleinen Schritten werden dazu die digitalen Medien genutzt und neue Möglichkeiten entdeckt. Die Teilnehmer tauschen Wissen aus und geben sich Feedback. Vernetzte, virtuelle Zusammenarbeit über die digitalen Medien wird erlebbar und Silos werden abgebaut. Das zwölf Wochen Programm hilft bei der Verinnerlichung der neuen Herangehensweise. Damit wird ein lebenslanges Lernens unterstützt, das in unserer schnelllebigen Zeit immer wichtiger wird.

Dieses Jahr steht bei WOL@Bosch die Skalierung im Vordergrund. Neben großen Kampagnen in Asien und in der zentralen Informationsverarbeitung, gibt es viele Aktivitäten, die von ehemaligen WOL-Teilnehmern getrieben werden, wie z. B. in Brasilien. Des Weiteren wurde WOL als Angebot beim Mitarbeiter Onboarding integriert. Das Management mit Personalchef Christopher Kübel unterstützt die Initiative, die  unter anderem auf Veranstaltungen für Führungskräfte vorgestellt wird.

Fazit

Für einen typischen Ingenieur wird es immer wichtiger gezielt zu netzwerken. Dabei kann der Blick über den Tellerrand hinaus sehr wertvoll sein, um von Ansätzen und Ideen anderer zu profitieren oder an neuen Entwicklungen teilzuhaben. Wissen im kleinsten Detail ist nicht immer notwendig oder ein Streben nach der perfekten Lösung hilfreich. In der digitalen Welt kann eine interdisziplinäre Zusammenarbeit über Grenzen hinweg für den Erfolg ausschlaggebend sein. WOL als Methode unterstützt den Aufbau der dafür erforderlichen Fähigkeiten. Neben der Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams und dem gezielten Aufbau eines Netzwerkes, werden Softskills, wie z. B. Feedback geben, trainiert. Dies kann jeder, auch der typische Ingenieur für sich nutzen, um mit den schnelllebigen Veränderungen einer digitalisierten Welt Schritt zu halten. Damit werden unsere Ingenieure auch weiterhin ein Aushängeschild für Deutschland bleiben.

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