Exzellentes Teamleadership - Schon wieder was Neues oder entscheidender Erfolgsfaktor?

Projektmanagement

Die ökonomischen Rahmenbedingungen der meisten technisch orientierten Unternehmen sind weiterhin gut und zugleich herausfordernd wie nie zuvor. Das von Wirtschaftsexperten beschriebene VUCA-Wirtschaftsumfeld bringt es auf den Punkt: Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity beschreibt das Verhalten von Märkten, Auftraggebern und Lieferanten. Darauf müssen sich Unternehmen insgesamt einstellen. Stark betroffen sind besonders technische Bereiche. Gerade für Entwicklung und Projektierung aber auch in der  Fertigung und Implementierung sind schnelles Handeln, Eigenverantwortlichkeit, Kreativität und hoher persönlicher Einsatz gefragt.

Hier kommt das Thema Leadership ins Spiel. Unternehmenslenker erkennen in der aktuellen Situation, dass  Themen wie fachliches Know-How und Mitarbeiterkapazitäten von den Top-Plätzen der Challenge-List durch „Leadership“ verdrängt werden.  Exzellentes  Leadership entwickelt sich zum Top-Erfolgsfaktor.

In technischen Bereichen ist die Bedeutung klar erkannt. Hohe Komplexität von Produkten und Prozessen erfordert übergreifende Teamarbeit mit engem Vernetzungsgrad und  wechselnden Ansprechpartnern. Kollaborationsprobleme im Team und Konflikte sind da keine Seltenheit. Hierdurch entstehende Ineffizienzen  machen das beste fachliche Know-How und ausreichend dimensionierte  Mitarbeiterkapazität zunichte.  Die Lösung kann nur sein: Exzellentes Teamleadership!

Exzellentes Teamleadership – Was beinhaltet das genau?

Exzellente Teamführung setzt ganz vorne an: Gibt es klare Unternehmenswerte, die in das aktuelle Umfeld des Unternehmens passen? Stellen die Unternehmenswerte  die passende Antwort auf die aktuellen Herausforderungen des Unternehmens dar?  Beide Fragen müssen mit „ja“ beantwortet sein.  Die Unternehmenswerte beschreiben, wie Führungskräfte führen müssen und woran sich  Mitarbeiter in ihrem Tagesgeschäft orientieren sollen. Unternehmenswerte stellen damit auch die Guideline für Feedback und Performance-Beurteilungen dar.  Halten wir fest: Exzellentes Teamleadership benötigt als Grundlage passende Unternehmenswerte. Schließlich stellen sie für Führungskräfte die  Ausrichtung ihrer Führungsarbeit dar.

Stellt man Führungskräften die Frage, woran es bei Produktentwicklungen fehlt, warum Innovationsprozesse nur schleppend laufen und warum die Motivation und Eigeninitiative der Mitarbeiter zu wünschen übrig lässt, so werden kaum „Fehlendes Know-How“ oder „Kapazitätsengpass“ genannt. „Mangelnde Zusammenarbeit“ steht auf der Rangliste ganz oben. Hier ist die Leadership-Kompetenz „Kollaborations-Know-How“ gefragt.  Die Teammitglieder nach ihren Verhaltens- und Arbeitspräferenzen einzuschätzen und zu typisieren ist hier die Aufgabe. Welche Konstellationen von Mitarbeitertypen gut kooperieren und welche weniger gehört hier zum Leadership-Know-How. Die Kooperation dennoch auf ein vernünftiges Niveau zu bewegen, ist Erfahrungssache und lässt sich trainieren.

Bei einer Teamzusammenstellung oder bei einzelnen Neuzugängen oder Abgängen sowie bei neuen Aufgabenstellungen formiert sich das Team neu. Erfahrene Teamleader führen das Team souverän und zügig durch die Phasen der Neuformierung.

Selbst scheinbare Kleinigkeiten wie die Day-by-Day-Kommunikation  erfordert Routine und Souveränität  damit sie Klarheit schafft und impact-orientiert ist. Motivierende und konfliktfreie Aufgabenzuteilung, wertschätzender Ergebnis-Check und überzeugende Argumentation im Gespräch nicht nur mit Mitgliedern des eigenen Teams sondern auch mit Kollegen und Chefs  muss passen und will trainiert sein.  Dazu gehört auch das souveräne Leiten von Meetings und Gespräche mit  Kunden, Lieferanten und Stakeholder.

Performance-orientierte Gespräche vom spontanen Feedback bis zum jährlichen Performance-Dialog so zu führen, dass sie Wirkung zeigen, motivierend wirken und persönliche Entwicklungs- oder Veränderungsprozesse anstoßen,  ist eine Top-Kompetenz des Teamleadership. Besonders herausfordernd sind substanzielle Kritikgespräche und die Mitteilung von emotionsauslösenden Veränderungen.

Für die Weiterentwicklung eines Teams und deren Mitglieder ist der Umgang mit einer Teamperformance-Matrix ein nützliches Tool. Hier wird für jedes Mitglied des Teams sowohl die aktuelle Performance als auch das Weiterentwicklungspotenzial dargestellt.

Agilität hat in der modernen Teamführung eine große Bedeutung erlangt. Teams mit geeigneten Aufgabenstellungen und in passenden Konstellationen sind mit agilen Methoden sehr erfolgreich.

Agilität bedeutet nicht entweder/oder und es muss nicht gleich die Top-Variante SCRUM sein.  Bereits einige  Elemente wie die Daily-Stand-Ups, die Retrospektive und Feedback-Sessions fördern die Selbststeuerung des Teams und erwecken das Bewusstsein der Eigenverantwortung auf elegante Weise. Wieviel Agilität im Team möglich und nötig ist, hat der Teamleader zu entscheiden. Agile Elemente in der Teamarbeit zu implementieren und sie weiterzuentwickeln ist eine notwendige Teamleadership-Kompetenz.

Motivierte und performante Teams insbesondere mit agilen Arbeitsmethoden neigen zu hoher Konfliktanfälligkeit. Wo ehrgeizige Menschen zusammenarbeiten, ist das nicht auszuschließen. Dennoch sind Konflikte störend und effizienzmindernd. Konflikt-Kompetenz ist damit eine notwendige Teamleadership-Kompetenz.

Konflikt-Kompetenz setzt optimal präventiv an. Konfliktpotenziale zu erkennen und sie gekonnt zu entschärfen gehört zu den Aufgaben eines Teamleaders. Die Prävention gelingt nicht immer. Kleinere Konflikte wahrzunehmen und sie umgehend beseitigen zu können ist ebenfalls eine Führungsaufgabe.

Möglicherweise das Wichtigste und daher am Ende: Exzellentes Teamleadership bedeutet auch exzellente Selbstführung. Grundsatz: Nur wer sich selbst führen kann, der kann auch andere führen! Selbstführung bedeutet permanente und kritische Selbstreflexion des eigenen Führungsverhaltens. Es bedeutet auch, Feedback aus der Umgebung aufgeschlossen anzunehmen und konstruktiv zur Optimierung des eigenen Führungsverhaltens zu nutzen. Selbstführung ist eine stärkenorientierte Führung.  Die eigenen starken Leadership-Kompetenzen werden weiterentwickelt und optimiert, die Schwachpunkte werden dagegen nicht ignoriert sondern bewusst nach einem erarbeiteten  Konzept positioniert.

Autor

Dr. Kindler ist Geschäftsführer der Performance & Success GmbH. Das 2013 gegründete Unternehmen trainiert Führungskräfte in   mittelständischen Unternehmen sowie  im öffentlichen Bereich wie Kommunalverwaltungen und Einrichtungen des Gesundheitswesens.

Dr. Kindler ist  Ingenieur. Nach Tätigkeiten im ALCATEL- Konzern und bei Mannesmann Mobilfunk war er bei Vodafone in Düsseldorf für den Ausbau des bundesweiten Mobilfunknetzes verantwortlich. Nach einem Wechsel vom operativen Geschäft in den HR-Bereich – wie es in britischen Unternehmen nicht unüblich ist – verantwortete er Performance-Themen wie Organisations- und Personalentwicklungen sowie  die Leadership-Performance der oberen Führungskräfteebene.

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