Management von PPP-Projekten mit BIM – Innovatives Informationsmanagement entlang des Lebenszyklus

Das Geschäftsfeld PPP (Public Private Partnership) zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass von der Planung bis zum Betrieb alle Leistungen bei einem Verantwortlichen, dem Managementdienstleister, zusammenlaufen. „Dieser betreut das Projekt auch nach der Inbetriebnahme und betrachtet deshalb schon in der Startphase den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks. Damit werden bereits zu Beginn alle Parameter berücksichtigt, die eine wirtschaftliche und nachhaltige Nutzung sichern – oft über Jahrzehnte hinweg.“ [http://www.hochtief-solutions.de/htsol/13.jhtml, 20.03.2018] Jedoch ändern sich die Anforderungen aus dem Mikro- und Makroumfeld an soziale Infrastruktur immer rasanter und umfangreicher, so dass das Management von PPP-Projekten neuer Managementmethoden bedarf. BIM ist daher die logische Weiterentwicklung und Ergänzung der Managementkompetenz –nicht nur in PPP-Projekten.

BIM – Von der Visualisierung hin zur Managementmethode

Noch zu oft wird BIM als rein dreidimensionale Visualisierung von Gebäuden verstanden.

BIM ist jedoch viel mehr! BIM steht für ein Informationsmodell, welches neben visuellen Eindrücken Kontextinformationen (überwiegend) in Form von alphanumerischen Zeichen in den mit dem Modell verknüpften Parametern vermittelt. Kontextinformationen spielen „bei der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung eine wichtige Rolle für das Erkennen von Mustern … und komplexen visuellen Szenen. Der Kontext wird zur Identifikation von Objekten herangezogen.“ [http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/kontextinformationen/8126, 20.03.2018]

Somit wird BIM nicht nur in PPP-Projekten als Methode zur digitalen Kommunikation bzw. zum Informationsfluss zwischen den verschiedenen Stakeholdern entlang des Lebenszyklus verstanden.

Anforderungen an Kontextinformationen in PPP-Projekten

Die Visualisierung und Parametrisierung von Gebäuden gewinnt zunehmend aufgrund vielfältiger Einflussfaktoren an Bedeutung. Dies lässt sich am konsistent eingehaltenen Lebenszyklus in PPP-Projekten eindrücklich erläutern. Beispielhaft sind folgende Einflussfaktoren für die Notwendigkeit des Managens von Kontextinformationen – sprich BIM – zu nennen:

  • steigender Technisierungsgrad von Gebäuden
  • Vielzahl Projektbeteiligter und deren Abhängigkeiten untereinander
  • nachhaltige Nutzung durch Qualitätsbewusstsein über den gesamten Lebenszyklus
  • unternehmensorientierte Produktivitätssteigerung

Management durch Kontextinformationen

Technisierungsgrad
Unbenommen steigert der hohe Technisierungsgrad in Gebäuden nicht nur in PPP-Projekten die operativen Anforderungen an das Dienstleistungsprofil während der Betriebsphase. Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Instandhaltung der technischen Gebäudeausrüstung aber eben auch des Gebäudes selbst sind nicht zuletzt aufgrund der wachsenden Anzahl an Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen umfangreich. Um einen rechtssicheren Betrieb zu gewährleisten, ist es elementar, dass die verantwortlichen Mitarbeiter Zugang zu objektspezifischen, strukturiert aufbereiteten Informationen erhalten.

Wertschöpfungssystem
PPP-Projekte weisen eine Vielzahl Projektbeteiligter verschiedenster Unternehmen und Branchen auf. Diese stehen in horizontalen, vertikalen oder diagonalen Wertschöpfungsbeziehungen. Entsprechend unterschiedlich ist der Informationsbedarf und fordert gleichzeitig einen sehr umfangreichen Informationspool zu dem Bauwerk. So ist bereits in der Planung der Informationsbedarf für den Betrieb des Bauwerks zu berücksichtigen. Welche Informationen benötigt der Objektmanager für das Störfallmanagement? Welche Informationen bedarf der Reinigungsdienstleister zur Bausubstanzerhaltung durch die Grund- und Unterhaltsreinigung? Welche Informationen fordert der Managementdienstleister zur Gewährleistungsverfolgung?

Nachhaltigkeit
Die hier angedeutete vielfältige und dabei sich permanent verändernde Interessenslage erfordert eine vollständige Dokumentation der ausgetauschten Informationen. Nur so ist ein über die PPP-Vertragslaufzeit hinausreichender Betrieb des Gebäudes durch den anschließend beauftragten bzw. verantwortlichen Betreiber gewährleistet. Dieses „Handbuch“ nach der BIM-Methode hat die Informationen zum Bauwerk und dessen Einrichtung transparent, strukturiert und objektspezifisch im Kontext bereitzustellen. Es erlaubt eine qualitätssichernde Informationsverarbeitung und ist grundlegend für den Nachhaltigkeitsgedanken.

Produktivität
Abgesehen vom offensichtlichen Nutzen für die Eigentümer und Nutzer der sozialen Infrastruktur liegt es im unternehmerischen Interesse, objektspezifische Informationen der Art bereitgestellt zu bekommen bzw. aufzubereiten, dass die Arbeitsprozesse das höchstmögliche Maß an Effizienz aufweisen. In kürzester Zeit wächst ein Informationspool von mehreren hunderttausend Informationen, selbst bei einem mittelgroßen PPP-Projekt. Zu oft noch sind diese in verschiedensten Formaten an unterschiedlichsten Orten verwalteten Informationen Hemmnisse im Ablauf von Wertschöpfungsprozessen entlang des Lebenszyklus. Kernkompetenz eines Managementdienstleisters ist jedoch, die materiellen und immateriellen Ressourcen durch Strukturen, Prozesse und Systeme nutzenmaximierend einzusetzen. BIM-Fähigkeit wird zunehmend zum Kompetenzvorteil (Economies of Competence) und damit ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.

Was BIM leisten kann – und was nicht!

BIM als Methode begriffen, kann die Qualität von Informationen zu einem komplexen Sachverhalt, wie eben einem Gebäude, durch Transparenz, Umfänglichkeit und Struktur nicht nur visualisieren, sondern steigern. Die Klarheit der Informationen kann die Prozesse entlang des gesamten Lebenszyklus optimieren. Dies erfordert aber sowohl eine Einbindung sowie das Schaffen einer „gemeinsamen Sprache“ aller Projektbeteiligter. Unter Sprache ist nicht nur zu verstehen, dass die Beteiligten ein gemeinsames Verständnis und Fachwissen zu der Methode besitzen. Die Sprache meint, dass bei der Anwendung der BIM-Methode eine Vielzahl von Softwarelösungen miteinander kommunizieren müssen, damit Informationen verarbeitet werden können. Diese vielfältige Softwarelandschaft muss Maßstäbe an Datenformate setzen, damit die durch sie automatisierten Prozesse konsistent sind. Neben bereits vorhandenen technischen Lösungen sind im so genannten BIM-Ablaufplan (BAP) die Anforderungen an Struktur und Aufbau der Informationen von den Projektbeteiligten gemeinsam zu definieren. Gelingt die Harmonisierung der Schnittstellen, die Überführung von (parametrisierten) Kontextinformationen aus dem Modell in andere Softwarelösungen entlang des Lebenszyklus, dann kann durch BIM nicht nur bei PPP beispielsweise erreicht werden,

  • die Planung zu beschleunigen,
  • die Risiken der Angebotskalkulation zu minimieren,
  • die Bauabläufe zu optimieren,
  • den Start-up des Betriebs zu verkürzen sowie
  • einen rechtssicheren Betrieb zu unterstützen.

Was BIM aber nicht können wird, ist sämtliche Prozesse automatisiert durchlaufen zu lassen, die Bauwirtschaft 4.0 zu einer reinen „Construction Robotics“ zu überführen und damit den Menschen in einem intelligent maschinellen Prozess zu verbannen. Die Eigenschaften sozialer Infrastruktur in einem Bauwerk, seine Singularität aufgrund seines Mikro- und Makroumfelds, werden nicht durch eine Business Intelligence allein verstanden und beherrscht werden können. Es bedarf weiterhin der hohen Fach- und Managementkompetenz der Prozessbeteiligten – zukünftig aber noch umfangreicher computergestützt.

Autor: Dr.- Ing. Philipp Güther, HOCHTIEF PPP Solutions GmbH, Social Infrastructure Europe

Diese Veranstaltungen könnten Sie auch interessieren

Konferenz
© RWTH Aachen University, Lehrstuhl für Energieeffizientes Bauen E3D
BIM in der Gebäudetechnik

05.06. - 06.06.2019
Düsseldorf

Die Konferenz „ BIM in der Gebäudetechnik“ zeigt, wie Sie BIM im Planungsbüro erfolgreich implementieren und von den Erfahrungen anderer profitieren.

Informieren & Buchen

Seminar
© D.Münzner, Boll und Partner + SOFiSTiK AG
BIM – Tragwerksplanung im Hoch- und Infrastrukturbau
  • 21.03. - 22.03.2019 in Frankfurt am Main
  • 18.07. - 19.07.2019 in Aschheim bei München
  • 12.11. - 13.11.2019 in Hamburg

Das Seminar zur Planung von Tragwerken mit BIM zeigt, wie Sie Planungsprozesse wirtschaftlicher und sicherer gestalten. ▶ Mehr Informationen.

Informieren & Buchen

Seminar
© assmann gruppe
BIM: Kollaboration - Prozesse - Software
  • 02.04. - 03.04.2019 in Berlin
  • 24.06. - 25.06.2019 in Stuttgart
  • 12.11. - 13.11.2019 in Düsseldorf

Lernen Sie, BIM-Prozesse in Ihrem Unternehmen erfolgreich zu planen und in Gesamtprojekten effektiv einzusetzen. ▶ Mehr Informationen.

Informieren & Buchen

Konferenz
© Herrenknecht AG
Tunnelbau

02.07. - 03.07.2019
Stuttgart

Diskutieren Sie mit Experten über die neusten Entwicklungen und Innovationen in zentralen Bereichen des Tunnelbaus. ▶ Jetzt buchen!

Informieren & Buchen

Lehrgang
Fachingenieur Gebäudeautomation VDI - Modul 1: TGA-Integrationsplanung mit Gebäudeautomation
  • 07.06. - 08.06.2019 in Münster
  • 20.09. - 21.09.2019 in Münster

Im Modul 1 des Lehrgangs „Fachingenieur Gebäudeautomation VDI“ lernen Sie die TGA-Integrationsplanung mit Gebäudeautomation in allen Facetten kennen.

Informieren & Buchen

Der für Sie ausgewählte Bereich

  • Bau