Projektmanagement im Bereich Automotive: Klassisches vs. agiles Projektmanagement – oder das Beste aus beiden Welten

Projektmanagement

Die Automobilindustrie wird heutzutage von vielen großen Innovationen und Zukunftsvisionen geprägt.  Immer neue Trends im Bereich Automotive führen zu Veränderungen des Marktes. Globale Trends entwickeln sich beispielsweise in den Bereichen der globalen Fahrzeugarchitektur, der CO²-Flottengrenzwerte, dem vernetzten Fahrzeug oder bei Multi-modalen Transportsystemen. Diese Trends steigern die Individualisierung, aber auch den Kostendruck im Automobilbau. Die größten Veränderungen lassen sich dabei unter dem Begriff Disruptive Mobility zusammenfassen.

Disruptive Mobility bezeichnet Innovationen im Bereich Mobilität, die bisherige Produkte, Technologien, u. a. ablösen. Zurzeit umfasst dies die drei großen Innovationen:

  • Elektrifizierung
  • Geteilte Mobilität und
  • Automatisierung

Besonders für OEMs und großer Zulieferer werden diese drei Innovationen signifikante Veränderungen zur Folge haben. Um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es für Unternehmen notwendig, flexibel auf Trends und veränderte Kundenerwartungen reagieren zu können. Dies ist im klassischen Projektmanagement nicht einfach, denn hier gilt „Sag mir, wie ein Projekt beginnt und ich sage Dir, wie es endet“. Dieser Satz ist eine typische, Projektmanagement – Weisheit und man könnte fast meinen, dass durch eine traditionelle Planung auch der Erfolg des Projektes vorhergesagt werden kann. Doch gelten diese Grundsätze in Zeiten von Digitalisierung und sich schnell ändernder Kundenbedürfnisse immer noch? Oder stellt die vermehrte Implementierung agiler Projektmanagement-Methoden nicht klassische Verfahrensweisen in Frage? Die Wahrheit könnte vielleicht in der Mitte liegen, daher empfiehlt es sich zunächst beide Projektmanagement Methoden zu betrachten.

Das klassische Projektmanagement hat zum Ziel, durch eine möglichst detaillierte Planung im Voraus des Projektes einen reibungslosen Durchlauf und somit letztendlich einen erfolgreichen Projektabschluss zu gewährleisten.

Für den Projektmanager spielt hierbei das magische Dreieck eine entscheidende Rolle. Inhalt, Zeit und Kosten sind die drei signifikanten Faktoren, die den Erfolg eines Projektes bestimmen.

In der Praxis ist es nur selten möglich die Planung exakt einzuhalten, da es beispielsweise während der Projektdurchführung zu Änderungen im ursprünglichen Plan kommen kann. Ein bekanntes Beispiel sind zusätzliche Kundenwünsche. Im klassischen Projektmanagement ist es herausfordernd solch kurzfristige Änderungen in das laufende Projekt miteinzubinden, da die Abläufe fest geplant sind. Anders gestaltet sich das im sogenannten „agilen Projektmanagement“, da dieses gerade auf sich verändernde Rahmenbedingungen ausgelegt ist.

Die Prinzipien des agilen Projektmanagements

Im agilen Projektmanagement werden innerhalb der gesetzten Rahmenbedingungen die Prioritäten regelmäßig neu mit den wichtigsten Stakeholdern besprochen und sortiert, dies ermöglicht eine hohe Flexibilität und somit die kurzfristige Integration von Kundenwünschen. Weit verbreitete Methoden des agilen Projektmanagements sind z. B. „Scrum“ und „Kanban“, die besonders aufgrund des physischen Arbeitens an einem agilen Board beliebt sind.

Allerdings bedeutet eine agile Arbeitsweise mehr, als nur entsprechende Methoden anzuwenden. Für diese Art zu arbeiten müssen agile Werte wie Kommunikation, Respekt, Offenheit u.a. etabliert und somit ein agiles Mindset gelebt werden. Hierarchien treten im agilen Projektmanagement weitestgehend in den Hintergrund, stattdessen werden agile Teams zusammengestellt, deren Mitglieder gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Aufgrund dieser Dezentralisierung der Entscheidungsmacht ist die Notwendigkeit der Selbstorganisation und Eigenverantwortung der einzelnen Teammitglieder im agilen Projektmanagement zu betonen.

Das agile Projektmanagement ist darüber hinaus „Value“-getrieben, d. h. der Nutzen/ Wert des Endproduktes steht im Fokus. Das Produkt bzw. die Dienstleistung wird in immer wiederkehrenden Feedback Schleifen verfeinert und ausgebessert, um dem Kunden den größtmöglichen Nutzen/ Wert tatsächlich zu gewährleisten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Kunde dauerhaft in den Prozess integriert wird und regelmäßiges Feedback gibt.

Das hybride Modell

Aufgrund von etablierten Produktentstehungsprozessen eignet sich für viele Unternehmen ein hybrides Modell am besten. Das bedeutet, dass z.B. in ein Unternehmen, welches klassisches Projektmanagement betreibt, agile Elemente integriert werden. So eignen sich beispielsweise sogenannte „Dailys“, also tägliche kurze Status-Meetings, zur Integration in bereits vorhandene Strukturen. Dies dient dazu, das Team über Projektfortschritte, Aufgaben und Probleme zu informieren. Hierdurch werden Transparenz und Vertrauen geschaffen sowie ein effizientes Vorgehen gefördert.

Insgesamt bleibt bei dem hybriden Modell die klassische Grundstruktur erhalten und wird durch agile Instrumente, Werte und Prinzipien ergänzt. Somit werden die Vorteile beider Methoden in einem Modell integriert – es resultiert das Beste aus beiden Welten.

Fazit

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Projekte in der Automobilindustrie durch neue Projektmanagement Methoden anders umgesetzt werden können oder sogar müssen. Die agile bzw. hybride Arbeitsweise im Projekt ermöglicht dies.

Entwicklungen wie Disruptive Mobility führen beispielsweise durch die Elektrifizierung von Fahrzeugen zu einer immer größer werdenden Komplexität. Dies erfordert die Etablierung neuer Rollen im Projektmanagement, welche das Schnittstellenmanagement und den Informationsaustausch im Unternehmen zwischen allen Projektbeteiligten verbessern. Die Implementierung agiler Arbeitsweisen fördert zudem die Kommunikation, das Vertrauen und den Zusammenhalt in den Teams, was wiederum zu einer verbesserten Zusammenarbeit führt. Dies hat eine höhere Geschwindigkeit innerhalb von Projekten zur Folge und verbessert somit auch die Reaktionsfähigkeit des Unternehmens.

Ein agileres Projektmanagement ist in Form eines hybriden Modells auch in klassischen Unternehmensstrukturen möglich und hilft die steigende Komplexität in Projekten besser zu managen. Eine möglichst schnelle Reaktionsfähigkeit in Unternehmen ist zu einem essentiellen Erfolgsfaktor geworden. Da das klassische Projektmanagement dem nicht immer gerecht wird, sollten sich Organisationen im Bereich Projektmanagement weiterentwickeln und reaktionsfähigere Arbeitsweisen integrieren.

Autoren

Sebastian Herbst (mehrjährige Führungs- und Automotiverfahrung, Dozent an der Hochschule Bremen für Führung und Organisation, strategische Begleitung von agilen Transformationen)

Jennifer Böhnke (mehrjährige Projektmanagement- und Automotiverfahrung, operative Begleitung bei agilen Projektvorhaben)

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