Antrieb - Charaktersache oder Einheitsbrei?

Am 23. und 24. Februar 2016 treffen sich Experten beim 3. Internationalen Motorenkongress in Baden-Baden, um über die zukünftige Rolle des Verbrennungsmotors für Pkws und Nutzfahrzeuge zu diskutieren.

(Düsseldorf, 08.01.2016) Der Verbrennungsmotor wird die nächsten Jahrzehnte die wichtigste Antriebsquelle in Fahrzeugen bleiben. Ziel ist, ihn effizienter und leistungsfähiger zu machen. Die größten Herausforderungen sind die Emissionsreduktion und der hohe Kostendruck. Was treibt Motorenentwickler um? Welche ungenutzten Potenziale liegen im Verbrennungsmotor beim Pkw und Nutzfahrzeug? Über diese und zahlreiche weitere Fragen diskutieren Experten aus dem In- und Ausland auf dem 3. Internationalen Motorenkongress am 23. und 24. Februar 2016 in Baden-Baden. Jährlich veranstaltet das VDI Wissensforum gemeinsam mit ATZlive den Kongress. Wissenschaftlicher Leiter ist Dr. Johannes Liebl, Herausgeber der ATZ | MTZ | ATZelektronik.

Motorenentwicklung – evolutionär statt revolutionär

Motorenentwickler sind sich einig: der Verbrennungsmotor wird sich nur evolutionär weiter entwickeln. Damit verbunden sind zahlreiche bislang noch nicht gehobene Potenziale. Experten von unter anderem APL, AVL, BMW, Daimler, Ford, GM, Honda, Hyundai, Mahle und Volkswagen präsentieren aktuelle Konzepte für Motoren, Lösungen für Thermodynamik und -management sowie zur Aufladung. Weitere wichtige Themen des Kongressprogramms sind Abgasemissionen, Reibungsreduktion, Technologien für die modellbasierte Steuerung und Kraftstoffe.

Wie sieht die Antriebsdifferenzierung durch den Verbrennungsmotor in Zukunft aus? Nikolai Ardey von BMW ist der Ansicht, dass „dieser mit seinen Fahrzeug prägenden Abstimmungen in der nächsten Dekade ein wichtiges Differenzierungsmerkmal für mindestens 90% der An-triebe bleiben wird. Zugleich ist zu beobachten, dass sich die Technologien im enger werden-den Lösungskorridor der gesetzlichen Randbedingungen immer weniger unterscheiden.“

RDE – eine Erfolgsstory?

Seit Jahren bemühen sich die Automobilindustrie und der Gesetzgeber darum, Emissionen im realen Betrieb zu messen und zu verringern. Mit dem Start der Pkw Real Driving Emission (RDE) Monitoring-Phase im Januar 2016 und den verbindlichen RDE-Emissionslimits ab September 2017 sind massive Anstrengungen für die Automobilhersteller verbunden. Das gilt auch für das Nutzfahrzeugsegment. Dr. Christof Gietzelt vom TÜV meint dazu „Es wird keine Überraschung sein, das die entstehenden Entwicklungskosten für die Zielerreichung signifikant höher ausfallen werden im Vergleich zu Prüfzyklen, die ausschließlich auf dem Abgas-rollenprüfstand anfallen. Die Kopplung von Versuch und Simulation wird noch mehr an Bedeutung gewinnen. Insgesamt wird das Thema RDE jedoch nachhaltig das Vertrauen der Bürger in die Automobilindustrie, technischen Dienste, Genehmigungsbehörden und europäische Gesetzgebung stärken.“

Wie sieht es bei den Kraftstoffen aus? Optionen zukünftiger Mobilität werden vermehrt gegen Greenhouse Gas (GHG) als auch luftqualitätsrelevante Emissionen gemessen werden. „Die Systemintegration von zukünftigen Kraftstoffen, Verbrennungssystemen und Abgasnachbe-handlung wird wichtiger denn je“, ist Dr. Wolfgang Warnecke von Shell überzeugt. Er ist si-cher, dass „neue Energieformen als Kraftstoffe wie Biofuels der zweiten Generation, Erdgas, Wasserstoff und Elektrizität oder synthetische „Sun Fuels“ eine wesentliche Rolle spielen werden, insbesondere auf erneuerbarer Basis.“

Nutzfahrzeugmotoren 2020

Parallel zum Pkw- und Kraftstoffprogramm findet die Konferenz „Nutzfahrzeugmotorentechnologie“ statt. Im Fokus stehen Konzepte, die die zukünftigen Anforderungen aus der Gesetzgebung, Effekte auf CO₂ und Luftgüte erfüllen. Unter anderem berichtet Ron Bors-boom, wie sich DAF darauf einstellt neben Experten von Deutz, FPT, MAN oder Westport. Thomas Lengenfelder von Bosch sieht den Dieselmotor über das Jahr 2020 hinaus als dominanten Antrieb für kommerzielle Anwendungen im On- wie Off-Highway-Bereich. CO₂-Emissionen zu reduzieren wird noch stärker als bisher die Motorenentwicklung antreiben. Neue Technologien wie Hybridisierung und Wärmerückgewinnung werden dazu beitragen, NOx-Grenzwerte abzusenken. Erdgas als alternativer Antrieb wird aufgrund seines positiven CO₂-Effekts an Bedeutung gewinnen. „Die Herausforderung ist, den Gasmotor ähnlich wie den Dieselmotor mit hohem Wirkungsgrad zu betreiben, um das volle CO₂-Potenzial von rund 25% zu nutzen“, meint Lengenfelder. Fachlicher Leiter der Konferenz ist Prof. Dr. Christian Beidl von der TU Darmstadt.

Die Podiumsdiskussion zu den Chancen einer gemeinsamen Entwicklung von Pkw- und Nfz-Motorenentwicklern greift unter anderem diese Themen auf. Es diskutieren neben Dr. Ardey, Prof. Dr. Peter Eilts von der TU Braunschweig, Prof. Dr. Uwe Dieter Grebe von AVL List, Thomas Nickels von MAN und Dr. Thomas Wintrich von Bosch.

Zusätzlich zum Vortragsprogramm lädt die große Ausstellung in den Pausen zum fachlichen Austausch ein. Eine Simultanübersetzung wird angeboten.

Thomas Frohn
Tel: +49 0211 6214-641
Frohnvdide

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