Steht der Verbrennungsmotor vor einem Comeback?

Autonomes Fahren, Elektroautos und das mögliche Comeback von Verbrennungsmotoren: Die Automobilindustrie steht vor großen Herausforderungen. In mehreren Beiträgen blicken wir ab heute auf wichtige Veränderungen. Los geht es mit dem Verbrennungsmotor. Ist er wirklich ein Auslaufmodell oder erlebt er eine ungeahnte Renaissance?

Götterdämmerung des Verbrennungsmotors?

Es war mehr als nur ein Einschnitt. Der Abgasskandal im September 2015 hat VW nicht nur finanziell geschadet, sondern auch das Image der Branche ramponiert. Es offenbarte aber auch die Grenzen des Machbaren. Der ungebrochene Glaube von Managern und PS-Fans an das Versprechen, dass immer PS-stärkere, schnellere Autos gebaut werden können, bei gleichzeitig sinkenden Abgaswerten. Der Traum platzte. Im Zusammenhang mit dem Abgasskandal sprach Ex-Conti-Vorstand Thomas Sattelberger im Oktober 2015 von einem Symbol für die Götterdämmerung des Verbrennungsmotors. Im Oktober 2016 bestärkte Ferdinand Dudenhöffer, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft Fakultät für Ingenieurwissenschaften Universität Duisburg-Essen, in einem Interview mit der Zeitschrift "Absatzwirtschaft", dass die Zeit des Verbrennungsmotos abgelaufen sei. Er sagte voraus, dass 2025 jedes vierte Auto ein Elektroauto sein werde.

De facto sind die Stromer noch Ladenhüter. Die Autobranche stellen sie zudem vor schwierige technische Herausforderungen und sie sind noch zu teuer. Geld wird heute daher noch mit der alten PS-starken Verbrennungstechnik verdient.

Gefährdet wird dies jedoch durch die neue EU-Verordnung, die ab 2020 die zulässigen CO₂-Emissionswerte noch einmal deutlich herabsetzt. Das könnte das Aus für viele Verbrennungsmotoren bedeuten.

Das Comeback des Verbrennungsmotors?

Doch jetzt kommt ein Wunder! Ingenieure aus Japan haben es auf der North American International Auto Show 2016 im Januar präsentiert. Es scheint, als hätten sie realisiert, wovon Ingenieure seit Jahrzehnten geträumt haben. Das Wunder heißt "Variable Verdichtung" und kann fast 30 Prozent Kraftstoff einsparen. Nissan hat mit seiner Premiummarke "Infiniti" den QX50, einen mittelgroßen Premium-SUV, auf den Markt gebracht unter dessen Haube1/2laut Hersteller der erste serienreife Verbrennungsmotor mit variabler Verdichtung ist. Aber was ist das?

Im Motor wurde durch die Bewegung des Kolbens im Zylinder von unten nach oben ein Kraftstoff und Luftgemisch verdichtet und entzündet. Das sogenannte Brennraumvolumen war immer gleich groß. Es war festgelegt durch die Länge der Pleuelstange und des Hubs der Kurbelwelle. Dieses starre Verhältnis können Ingenieure nun überwinden und variable Mengen Kraftstoff, bedarfsgenau zur Verbrennung bringen. Der Motor läuft sparsamer, ohne an Power zu verlieren.

Doch es gibt weiteres Einsparpotenzial durch synthetische Kraftstoffe. Die sogenannten E-Fuel könnten heutige Verbrennungsmotoren nahezu ohne Ausstoß von klimaschädlichem CO₂ antreiben.

Was sind synthetische Kraftstoffe?

Dabei versucht man mit Hilfe der Elektrolyse Strom in Wasserstoff umzuwandeln. Dann gibt man CO₂ hinzu, um Kraftstoff zu erzeugen. Dieses stammt aus der Atmosphäre. Bei der Verbrennung wird die gleiche Menge CO₂ wieder in die Umgebung abgegeben, die ihr zuvor entnommen wurde. Die Methode nennen die Fachleute "PowerTo-X". Der Wirkungsgrad soll um mehr als zehn Prozent zu steigern sein.

Deutschland ist Branchen-Treffpunkt

Die führenden Experten aus der ganzen Welt kommen Mitte Februar erneut in Baden-Baden zusammen, um über die Zukunft des Verbrennungsmotors zu diskutieren. Auf dem "Internationalen Motorenkongress" wollen sie ihre Erfahrungen austauschen und versuchen weitere verborgene Potenziale zu heben.

Es geht inzwischen um weit mehr als nur das Automobil. Andere Motoren mit hohem CO₂-Ausstoß werden in Diskussionen oft vergessen. Was ist mit Schiffen und Flugzeugen? Wenn es jetzt den Ingenieuren gelingt, den CO₂-Ausstoß des klassischen Automotors drastisch zu reduzieren, dann kann dies auch für andere Verbrennungsmotoren von Vorteil sein. Denn ein Elektromotor für Flugzeuge ist definitiv nicht in Sicht. Oder wurde er überhaupt je diskutiert?

Autor

Thomas Frohn

Position im VDI Wissensforum: Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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