Abbruchgerüste für Spannbetonbrücken

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurden zahlreiche Autobahnen mit vielen Brücken neu gebaut, die ursprünglich eine Lebenserwartung von etwa 100 Jahren hatten. Bedingt durch den stark ansteigenden Verkehr und erhöhte Belastung sind jetzt nach einem Zeitraum von rund 50 Jahren schon etliche dieser Brücken entweder zu schmal oder nicht mehr ausreichend tragfähig. Sie müssen daher durch neue Bauwerke ersetzt werden. Diese Rückbauten stellen die ausführenden Firmen, die eigentlich nur eine neue Brücke an der Stelle der vorhandenen errichten wollen, vor unerwartete und unterschätzte Probleme.

In der Neubauphase wurde offensichtlich nicht berücksichtigt, dass diese Brücken nicht für die Ewigkeit gebaut sein könnten. So trifft man unter anderem auf filigrane Bauwerke, bei denen alle vier Fahrspuren des damaligen Autobahnquerschnitts auf einem Überbau liegen - das macht eine Teilerneuerung sehr schwierig. Darüber hinaus gibt es von den älteren Bauwerken häufig nur rudimentäre Unterlagen: Vor allem über die Art des Brückenneubaus ist meist sehr wenig dokumentiert und Planunterlagen gibt es - wenn überhaupt - nur auf Mikrofilm.

[Abbildung 1: Abriss der Talbrücke Dorlar.]

Besondere Schwierigkeiten bereiten oftmals Spannglieder in den abzubrechenden Überbauten, weil niemand genau weiß, ob sie zu 100 Prozent verpresst sind. Auch kann niemand voraussagen, inwieweit sie noch tragen oder Umlagerungseinflüsse im Zuge eines Abbruchs übernehmen oder verursachen. „Diese Einschätzung ist für den Traggerüstbauer essentiell, kann aber nicht von ihm übernommen werden“, so Dipl.-Ing. Karsten Weise, Geschäftsführender Gesellschafter der C.O. Weise GmbH & Co. KG. „Deshalb beziehen wir unsere Angaben und Gerüste immer auf das Brückeneigengewicht.“

Hier sind auch die Meinungen der Statiker und Prüfingenieure weit auseinandergehend, was zur Folge hat, dass die beiden Grenzzustände in zwei Berechnungen ermittelt werden müssen, um sicherzugehen, dass das tatsächliche Verhalten im Bereich dieser beiden Grenzen liegt.

Grundsätzlich gibt es in der Praxis aktuell drei Möglichkeiten des Rückbaus:

  1. Den seitlichen Abbruch niedriger Bauwerke mit Baggern und einem Fallenlassen der Brückenüberbauten.
  2. Ein Sprengen der Brückenüberbauten, was grundsätzlich mit relativ großen Risiken verbunden ist, da man insbesondere bei Autobahnen sicherstellen muss, dass der nebenstehende, unter vollem Verkehr befindliche Überbau bei der Sprengung nicht beschädigt wird.
  3. Der Abbruch von Überbauten auf stationären oder beweglichen Abbruchgerüsten. Das sind Traggerüste, die für diesen neuen Einsatz angepasst werden.

Von den Erfahrungen, die beim Bau derartiger Gerüste gesammelt wurden, handelt der Vortrag "Abbruch von Spannbetonbrücken auf stationären Traggerüsten". Er wird bei der 4. VDI-Fachkonferenz „Zukunftsprogramm Brückenmodernisierung“ durch Bildmaterial veranschaulicht.

Referent:
Dipl.-Ing. Karsten Weise, Geschäftsführender Gesellschafter, C.O. Weise GmbH & Co. KG, Dortmund