Auf dem Weg zur unfallfreien Mobilität

Das Autofahren wird immer sicherer und komfortabler - dank zahlreicher elektronischer Helfer, die in einem modernen Pkw eingebaut sind.

Ferdinand Dudenhöffer, Lehrstuhlinhaber am CAR Center der Universität Duisburg-Essen, erläutert die Zielsetzung hinsichtlich künftiger Mobilität: 'Vom teilautonomen zum autonomen Fahren - die beste Entwicklung, die wir uns vorstellen können.' Die Assistenzsysteme müssten allerdings so sein, dass sie nicht piepsen und nicht blinken, sondern eine automatische Regulierung im Hintergrund - wie etwa beim ESP - erfolgt. Der Fahrer dürfe nicht durch zusätzliche Reize nervös gemacht werden. Unter diesem Aspekt lohnt es sich, einen Blick in die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Automobilherstellern zu werfen.

Welcher enorme Technologiesprung sich inzwischen bei den Fahrerassistenzsystemen vollzogen hat, belegt u.a. der neue BMW 7er, der ferngesteuertes Parken und die Heckkollisionprävention sowie die Querverkehrswarnung ermöglicht. Natürlich ist das noch lange nicht das Ende der Entwicklung, die Niklas Drechsler von der BMW Group so beschreibt: 'Schritt für Schritt, bis hochautomatisiertes Fahren in Serienfahrzeugen angeboten werden kann.'

Jaguar Land Rover erforscht und erprobt beispielsweise einen 'Schlaglochwarner'. Dank einer neuen Technologie sollen so Reifenpannen, Beschädigungen und Unfälle verhindert werden. Das Forschungsfahrzeug ermittelt die Position und Größe eines Schlaglochs oder eines hochstehenden Kanaldeckels bzw. beschädigten Rinnsteins, worauf die Aufhängungsabstimmung in Millisekunden darauf eingestellt wird.

Auch sollen die Daten über mögliche Gefahren per Cloud mit anderen Autos geteilt werden, d.h. wird eine Gefahrenstelle erkannt, wird diese Information via Internet an eine zentrale Speicher- und Verarbeitungsstelle geschickt. Nach Auswertung und Verifizierung wird diese Info anderen Fahrzeugen zur Verfügung gestellt.

Das Scannen der Fahrbahn vor dem Fahrzeug erfolgt mit einer neuartigen Sensortechnologie und einer Stereodigitalkamera an einem Range Rover Evoque. Mike Bell, Global Connected Car Director bei Jaguar Land Rover, sieht großes Potenzial in dieser Technologie: 'Eine verbesserte Straßenabtastung und Gefahrenbewertung bilden einen Meilenstein auf unserem Weg zum autonomen Fahren. Für die Zukunft wollen wir Systeme entwickeln, die einen Wagen automatisch um ein Schlagloch herumsteuern, ohne dass das Fahrzeug zur Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer wird.'

Volkswagen etwa setzt andere Schwerpunkte und hat für die Zukunft unter anderem die App 'Digital Key' geplant. Mit dieser können das eigene Smartphone und die eigene Smartwatch zum elektronischen Fahrzeugschlüssel werden. Sehr intensiv befasst sich VW mit der Vernetzung der Fahrzeuge. In der dritten Ausbaustufe der Car-to-Car-Kommunikation sollen empfangene Informationen zusätzlich zu den Informationen der bordeigenen Sensorik in der Umfeldwahrnehmung des Fahrzeugs verarbeitet werden.

Eine 360 Grad -Kollisionsvermeidung will BMW als nächsten konsequenten Schritt zur 'Vision Zero' entwickeln. Um der unfallfreien individuellen Mobilität einen entscheidenden Schritt näher zu kommen, werden Assistenzsysteme wie die Aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop & Go-Funktion, die auf vorausfahrende Fahrzeuge reagieren, weiter verfeinert. In einem Forschungs-BMW i3 erfasst eine Lasersensorik den gesamten Bereich rund um das Fahrzeug. Droht eine Kollision, warnt das System den Fahrer und leitet bei Bedarf selbstständig eine zentimetergenaue Bremsung ein.

Autor des Artikels:

Ulrich W. Schamari