Bagger machen digitale Sprünge

Die traditionelle Baumaschinenbranche hat enorm große Entwicklungssprünge gemacht. Den Benzinverbrauch per App zu verfolgen oder die Wartung vorherzusagen – so etwas ist heutzutage kein Wunschdenken mehr.

Fragt man heute einen Bauunternehmer, wie viel Benzin im Tank seines Kettenbaggers ist, wie viele Kilometer sein Radlader für das aktuelle Projekt zurückgelegt hat und wie oft die Walze im Leerlauf stand, dann zuckt er sehr wahrscheinlich mit den Schultern.

Geht es dagegen nach Martin Wagener, Manager für die weltweite Produktimplementierung beim Geodäsiespezialisten Trimble, zieht der Firmenchef in Zukunft sein Handy aus der Tasche. Neben den gefragten Daten zeigt ihm eine App auch noch den exakten Standort aller Maschinen an.

„Der Trend geht hin zur vernetzten Baumaschine, aber auch zur Vernetzung mit dem Büro“, sagt Wagener auf der Münchner Baumaschinenmesse, kurz Bauma, die am Montag ihre Tore öffnete. Beim Monitoring senden die Maschinen einer Fahrzeugflotte ihre Daten an eine Zentrale. Der Besitzer kann so z. B. feststellen, ob erhöhter Spritverbrauch an der Maschine liegt oder am Fahrer.

Das Monitoring, für das mittlerweile fast jeder Hersteller eine eigene Lösung anbietet, ist Teil eines weiteren Trends, ausgelöst durch den Kostendruck in der Baubranche. „Kleine und große Unternehmen gehen kritischer mit Maschinen um“, sagt Alain Worp, Europa-Vertriebschef der Abteilung Bauausrüstung des südkoreanischen Herstellers Hyundai. „Früher wurde eine Maschine schneller gekauft, heute mieten die Unternehmen zuerst, um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln.“

Die Mietfirmen sind laut Worp einer der Gründe für das Rekordjahr 2015. Sie haben im großen Stil Maschinen gekauft, um ihren Kunden ein ansprechendes Portfolio bieten zu können. Neben dem deutschen Baumaschinenkonzern Liebherr (Umsatz weltweit 9,2 Mrd. €) verzeichnete auch Hyundai (Umsatz in Europa 260 Mio. €) 2015 die höchsten Erlöse seit Unternehmensgründung. Auch wenn sich in diesem Jahr das Wachstum etwas abkühle, bleibe die Marktstimmung positiv, sagt Worp.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt zeigte sich auf der Bauma erfreut über Innovationen und klopfte den deutschen Branchenvertretern auf die Schultern: „Mit dem, was wir an Know-how und Innovationskraft haben, können wir uns mit allem messen.“

Neue Entwicklungen haben aber ihren Preis: So werden Baumaschinen u. a. durch effizientere Hybridantriebe – Diesel mit Elektro oder Hydraulik – teurer in der Anschaffung. Gerade bei niedrigen Spritpreisen lohnt sich der technologische Schritt für Kunden langfristig nur, wenn Umweltvorgaben sie dazu zwingen. Oder es nutzt dem grünen Image der Firma, wie es Takeshi Miki, Managing Director beim japanischen Baggerherstellers Kobelco, formuliert.

Autor des Artikels:

Fabian Kurmann