Cluster sollen Angst vor neuer Planungstechnik nehmen

Der Begriff des 'Building Information Modeling' fällt immer wieder, wenn es in der Bauwirtschaft um die Digitalisierung und den damit verbundenen tief greifenden Wandel geht. Während die einen Produktivitätsgewinne durch die vernetzten Daten beschwören, bleiben andere skeptisch: Nicht immer mache die Umstellung Sinn. Sogenannte BIM-Cluster sollen nun helfen, die Angst vor der neuen Technik zu nehmen.

Die Digitalisierung hat die Bauwirtschaft erreicht. Spätestens seit die Reformkommision 'Bau von Großprojekten' das digitale Planungskonzept 'Building Information Modeling' befürwortet, ist BIM zum geflügelten Begriff des Fortschritts im Bau geworden.

'Das Planen und Bauen werden eine starke Umwälzung erfahren, von der BIM ein Teil ist', ist Alexander Rieck überzeugt. Er ist Partner beim Architekturbüro Lava und berät die Bundesarchitektenkammer beim Thema BIM.

'Die Veränderung des Planungsprozesses, der Abrechnung und der Einbindung anderer Firmen entwickelt sich ähnlich umfassend wie seinerzeit bei der Einführung von SAP', so Rieck. Mehrere Unternehmen mussten in den 90er-Jahren schließen, weil sie nicht auf die Software umstellen konnten oder wollten. Auch BIM werde Spuren in der Planungslandschaft hinterlassen, so Rieck. 'Es wird eine Bereinigung auf den Märkten geben.'

Bisher nutzen nur wenige die neue Technologie, denn sie ist mit einem Aufwand verbunden, für den wenige Kunden zusätzliches Geld ausgeben wollen. 'Im Privaten sind die Bauherren weniger bereit, für BIM mehr zu bezahlen', sagt Peter Mahutka, Geschäftsführer beim Hamburger Büro KramerAlbrecht. Auch die Industriebaukunden des Büros zeigten zwar Interesse, täten sich mit BIM aber noch schwer. Laut Pionier Rieck berechnen Büros im Moment mehr für BIM-Projekte, weil unklar ist, wer wofür verantwortlich ist. 'Beim digitalen Bauen gibt es viele Übergänge der Verantwortlichkeit; wie bei Industrie 4.0 ist vieles rechtlich nicht geklärt.'

Trotzdem meint Daniel Sander, Hauptgeschäftsführer der Ingenieurkammer Baden-Württemberg, dass in Zukunft mit BIM geplant werde: 'Unsere Mitglieder müssen sich damit beschäftigen, weil es hundertprozentig kommt.' Der Meinung ist auch Architekt Rieck: 'In den nächsten ein bis zwei Jahren werden alle großen Unternehmen BIM bei den Entwürfen anfordern.'

Die Deutsche Bahn (DB) hat mit dem Bundesverkehrsministerium die ersten Pilotprojekte mit BIM gestartet. Bis 2020 sollen alle 'neuen, standardisierbaren, komplexen Projekte' bei der DB nach der neuen Methode geplant werden.

Auch die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und Baugesellschaft (Deges) testet BIM an ersten Projekten. 'Ich warne aber davor, gleich 200 km Autobahn mit BIM zu bauen, das überfordert die Beteiligten', sagt Deges-Bereichsleiter Andreas Irngartinger.

Länder wie Großbritannien setzen dagegen BIM bei Entwürfen sogar teilweise voraus. In England wird der Wandel zu BIM zentral gesteuert und von der Regierung mitgetragen. Dort gibt es anders als in Deutschland nicht viele kleine, sondern einige riesige Architektur- und Ingenieurbüros. Die BIM-Initiative muss hierzulande also von kleinen Betrieben und Mittelständlern kommen. Diese sind aber oft skeptisch und nicht leicht zu überzeugen. 'Besonders kleinere Büros und Unternehmen befürchten, dass Investitionen in Hardware, Software und Ausbildung erforderlich sind, die sie finanziell überfordern', sagt Peter Steinhagen, Vorsitzender des VDI-Fachbeirats Bautechnik und Chef des Business-Developments beim Bauunternehmen Ed. Züblin. Viele wüssten nicht, wo sie bei BIM anfangen sollten. Sie warteten lieber, bis ihre Kunden die integrierte Planung verlangten.

Die schätzungsweise 10 000 Euro Lizenzkosten für Software seien nicht das Problem, so Daniel Sander: 'Die Schulung der Mitarbeiter, bis das alles läuft, das ist teuer.' Doch selbst wer gewillt ist, sich auf die neue Planungsmethode einzulassen, muss erst einige Hürden überwinden. 'Es reicht nicht aus, einfach zwei BIM-Leute einzustellen und eine Software zu kaufen', sagt Alexander Rieck. 'Man muss in allen Bereichen Prozesse grundlegend verändern.'

Um die kleinen Betriebe ins Boot zu holen, wurde Anfang 2015 das erste BIM-Cluster in Stuttgart gegründet. Das Netzwerk, bei dem sich Anwender und Interessierte zum digitalen Planen auf Veranstaltungen treffen, gibt es mittlerweile auch in NRW, Hamburg und Bayern. Dort tauschen die Mitglieder Erfahrungen mit der neuen Planungsmethode aus und lassen sich von den Projekten anderer inspirieren. 'Die vielen kleinen Ingenieur- und Architekturbüros können mit theoretischen Visionen der Bauforscher wenig anfangen, sie brauchen praktische Ansätze, die Vertrauen schaffen und ihnen die Angst nehmen', so Cluster-Mitinitiator Steinhagen. Bei einem Bier würden Probleme außerdem offener angesprochen als sonst.

Der Umstieg auf BIM könnte sich auf lange Sicht lohnen: 'Der Einsatz digitaler Methoden erhöht die Produktivität enorm', sagt Rieck. Große Büros könnten dabei Effizienzgewinne unter Umständen schneller heben als kleine.

Bis der Eigenheimbauer für Garagen oder Einfamilienhäuser BIM verlange, würden allerdings noch einige Jahre vergehen, meint Ingenieurkammer-CEO Sander. 'Aber wer mitten im Arbeitsleben steht, muss sich mit dem Thema auseinandersetzen.'

Autor des Artikels:

Fabian Kurmann