Fahrzeugbezogene Kriminalität verstehen und bekämpfen

Der Siegeszug innovativer Technologien in Automobilen bringt gleichermaßen Gefahren und Möglichkeiten mit sich. Auf der einen Seite ist es prinzipiell möglich, IT Systeme zu hacken und somit die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. Zum anderen bietet es sich an, die neuen Technologien für Schutzsysteme zu verwenden. Erhalten Sie im Folgenden einen Überblick über das Thema Fahrzeugkriminalität und mögliche Gegenmaßnahmen.

Fahrzeugkriminalität als internationales Phänomen

Straftaten, die im Zusammenhang mit Automobilen begangen werden, sind ein grenzübergreifendes und weltweites Problem. Fahrzeugdiebstahl fällt den meisten bei diesem Thema wohl als erstes ein. Doch auch Teilediebstahl, Diebstahl von Wertgegenständen aus dem Fahrzeug und Vandalismus gegen das Fahrzeug sind ein Teil des Phänomens Fahrzeugkriminalität.

Unterschiedlichste technische Innovationen in den Bereichen Fahrzeug zu Fahrzeug (C2C) oder Fahrzeug zu Infrastruktur (C2I) erobern momentan den Automobilbau. Forschung und Industrie verwenden diese Möglichkeiten zumeist für Assistenzfunktionen, die Fahrsicherheit und Komfort erhöhen. Doch auch auf dem Feld der Vermeidung fahrzeugbezogener Straftaten besteht ein großes Potenzial, die Sicherheit zu erhöhen und für den Kunden erlebbar zu machen.

Fahrzeugkriminalität in Zahlen – Quantitative Ansätze

Bei einem Blick auf die Statistiken unterschiedlicher Staaten zum Thema Fahrzeugdiebstahl fällt auf, dass seit 1991 überwiegend ein Rückgang der entsprechenden Straftaten zu verzeichnen ist. Mit Ausnahme von Indien fällt dieser Trend in den untersuchten Ländern ähnlich aus. Vor allem die Weiterentwicklung der Wegfahrsperre dürfte dazu ihren Teil beigetragen haben. Sie erschwert Gelegenheitsdieben den Diebstahl. Neue Security-Systeme minderten besonders die organisierte Fahrzeugkriminalität.

Die Frage nach den Gründen für und gegen Fahrzeugkriminalität kann nur im Hinblick auf unterschiedliche Faktoren beantwortet werden: So können politische, rechtliche, ökonomische und soziologische Aspekte ebenso wichtig sein wie technologische Hintergründe. So konnte die hohe Anzahl an Fahrzeugdiebstählen in den USA zu Beginn der 1990er Jahre durch Verschärfung der Gesetzeslage gesenkt werden. Auch die Maßnahmen der südafrikanischen Regierung gegen Kriminalität im Allgemeinen anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2010 wirkten sich äußerst positiv aus.

Auch der Diebstahl von Fahrzeugteilen und der Diebstahl von Gegenständen aus dem Fahrzeug gehen in den untersuchten Ländern zurück.

Fahrzeugdiebstahl pro 100 Tausend registrierte Fahrzeuge

Fahrzeugkriminalität in den Köpfen – Qualitative Umfrage

Spannende qualitative Ergebnisse liefert eine Online Umfrage aus dem Jahr 2012 speziell zum Thema Fahrzeugkriminalität. 168 Teilnehmer aus Deutschland, 80 aus den USA und 158 aus Mexiko, die auch regelmäßig ein Auto fahren, haben daran teilgenommen.

So ergab beispielsweise die Frage nach der Relevanz von Security-Systemen beim Kauf eines Wagens, dass diese zunächst in allen drei Ländern eine vergleichsweise untergeordnete Rolle für die Kaufentscheidung spielen. Nichtsdestoweniger sind Security-Systeme den Käufern in Mexiko wichtiger als beispielsweise in Deutschland.

Interessant ist auch, wie das jeweilige Angstempfinden in den einzelnen Ländern ausfällt. Während in Deutschland die Mehrheit der Befragten überhaupt keine oder keine Angst vor fahrzeugbezogener Kriminalität hat, sieht das in den USA und Mexiko ganz anders aus. Die mexikanischen Teilnehmer haben mehrheitlich viel oder sehr viel Angst, Opfer zu werden. Die USA bewegen sich im Mittelfeld. Besonders das sogenannte Car Jacking, bei dem der Wagen unter Androhung oder Anwendung von Gewalt gestohlen wird, sowie Autodiebstahl und Teilediebstahl machen mexikanischen Autofahrern Angst.

Es lässt sich auch festhalten, dass das Angstempfinden für gewöhnlich höher ausfällt, wenn jemand bereits Opfer einer fahrzeugbezogenen Straftat war.

Zwei innovative Konzepte zur Bekämpfung von Fahrzeugkriminalität

Der erste Ansatz, der kurz vorgestellt werden soll, baut auf einem Programm auf, das Mitte der 1990er Jahre in den USA an den Start ging: Bürger können ihr Auto bei einer staatlichen Organisation anmelden und geben der Polizei damit die Erlaubnis, zwischen 01:00 Uhr und 05:00 Uhr ihr Auto anlasslos zu kontrollieren.

Im Rahmen der modernen C2C Kommunikation könnte dieses Konzept weiter gedacht werden: Wird ein Fahrzeug unrechtmäßig bewegt, könnte es eine entsprechende Nachricht aussenden. Sowohl andere Autofahrer als auch Polizeistreifen können diese Nachricht empfangen und den Wagen kontrollieren.

Ich würde mich sicherer fühlen, wenn der Weg zum Auto bei Nacht beleuchtet wäre

Ein zweites spannendes Konzept verwendet die sogenannte Coming / Leaving Home Funktion, die bewirkt, dass sich Abblendlicht und andere Lichtquellen am Wagen beim Entriegeln per Funkschlüssel einschalten.

Um das Sicherheitsgefühl des Fahrers zu erhöhen, könnte die Funktion weiter entwickelt werden. Licht korreliert einer Studie zufolge positiv mit einem verstärkten Sicherheitserleben. Würde ein Fahrer also einen intelligenten Funkschlüssel bei sich tragen, den das Fahrzeug erfasst, könnte das Auto seine Lichtquellen entsprechend einsetzen um den Weg des Fahrers zum ihm mit Licht zu begleiten. Dies könnte sogar per C2C Kommunikation auf andere Autos ausgeweitet werden, so dass der Weg eines Fahrers von umliegenden parkenden Wagen zielgerichtet mit Licht ausgeleuchtet wird.

Nachfolgende Studien sollten sich daher mit diesen Konzepten befassen und ihre Wirkungsweise untersuchen. Dabei gilt es grundsätzlich, den internationalen Blick zwar nicht zu vernachlässigen, regionale und nationale Unterschiede aber immer mit zu berücksichtigen.