Frühzeitig die Standards für 5G setzen

Industrieinitiative 5G-ACIA findet schnell wachsende Resonanz

Keine Frage, 5G zählt zu den aktuell dominierenden Technologiethemen rund um Industrie 4.0 und Automation. Um das Bewusstsein für die Herausforderungen und Möglichkeiten der Technologie zu schärfen, ist die 5G Alliance for Connected Industries and Automation (5G-ACIA) vor gut einem Jahr gegründet worden – und hat seitdem enorme Resonanz gefunden. Über den Stand der Dinge und weitere Pläne wird Dr. Andreas Müller (Bosch), Vorsitzender von 5G-ACIA, gemeinsam mit dem Vize-Vorsitzenden, Dr. Afif Osseiran (Ericsson), auf dem VDI-Kongress AUTOMATION 2019 berichten.

5G industriefähig gestalten

Für Dr. Müller geht es bei 5G-ACIA im Wesentlichen darum, klassische Vertreter der Domäne Industrie, wie zum Beispiel Automatisierer, Maschinenbauer oder Endanwender, mit entsprechenden Vertretern der IKT-Industrie, wie Chiphersteller, Netzwerkinfrastrukturanbieter oder Netzbetreiber, frühzeitig an einen Tisch zu bekommen. Ziel ist es, gemeinsam 5G industriefähig zu gestalten, um damit Industrie 4.0 auf die nächste Stufe zu heben. "Mit der Veröffentlichung erster Standards und der Verfügbarkeit der ersten Chipsätze und Infrastrukturkomponenten gewinnt 5G schnell an Dynamik. Dies spiegelt sich deutlich in den vielfältigen 5G-bezogenen Aktivitäten wider, wie man sie beispielsweise auf der diesjährigen Hannover Messe gesehen hat“, so Dr. Müller.

Tatsächlich beginnen viele Unternehmen zu erkennen, welche entscheidende Rolle diese Technologie bei der digitalen Transformation ihrer Unternehmen spielen wird. Gleichzeitig zeichnet sich für die IKT-Industrie ab, dass 5G für die Fertigung auch für ihr Geschäft ein großes Potenzial hat. Vor diesem Hintergrund spielt 5G-ACIA eine zentrale Rolle bei der Zusammenführung aller relevanten Akteure. Der offizielle Startschuss fiel im April 2018 mit Unterstützung des ZVEI, dem Zentralverband der Elektro- und Elektronikindustrie. Seitdem verzeichnete 5G-ACIA ein deutliches Wachstum mit einer zunehmenden Internationalisierung, sowohl innerhalb von Europa und in Richtung Asien als auch im amerikanischen Raum.

Weltweite Aktivitäten

Im Jahr 2019 wird die Allianz ihre Aktivitäten weltweit weiter ausbauen und beschleunigen. Wie Dr. Müller betont: "Wir sind sehr zufrieden mit dem hohen Wachstumstempo von 5G-ACIA und gehen davon aus, dass viele weitere Unternehmen bald beitreten werden." Wichtig ist, dass 5G-ACIA eine immer größere internationale Präsenz erlangt. „5G ist ein globaler Standard. Daher müssen auch die Entwicklungen in Richtung industriefähigem 5G international erfolgen. Eine wichtige Basis dafür ist die Etablierung einer gemeinsamen Sprache zwischen allen Beteiligten“. Auch dies ist ein zentrales Ziel, das die 5G-ACIA mit verfolgt.

Erste Anwendungen schon 2020?

Persönlich zeigt sich Dr.-Ing. Müller überzeugt, dass erste Anwendungen zügig kommen werden – viel schneller, als mancher heute noch glaubt. Eine erste Version des Standards gebe es seit 2018, seit Anfang 2019 sind erste Chipsätze verfügbar – gute Voraussetzungen also, um erste, zunächst noch begrenzte Anwendungen im Echtzeit- und Live-Betrieb zu erproben. „Es werden voraussichtlich nicht auf Anhieb produktionskritische Applikation sein. Zu ersten, noch kleineren Schritten könnte es gehören, WLAN im Werk durch 5G zu ersetzen und damit die Funkanbindung schneller, stabiler und leistungsstärker zu machen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir 2020 bereits erste Anwendungen in Produktionsanlagen sehen werden.“

Dr.-Ing. Andreas Müller ist Head of Communication and Network Technology bei der Robert Bosch GmbH in Renningen sowie Vorsitzender von 5G-ACIA.

Dr. Afif Osseiran ist Director Industry Engagements & Research bei Ericsson AB in Stockholm sowie Vize-Vorsitzender von 5G-ACIA. Gemeinsam sind sie Referenten auf dem VDI-Kongress AUTOMATION 2019 am 02.-03.07.2019 in Baden-Baden.