Heizbranche setzt auf hybride Intelligenz

'Der europäische Heizungsmarkt ist 2014 um 3 % geschrumpft, der deutsche Markt hat sogar 4 % verloren', informierte Martin Viessmann, geschäftsführender Gesellschafter der Viessmann-Unternehmensgruppe, letzte Woche auf der Branchenmesse ISH in Frankfurt/Main. Dabei sei das Wärmesegment mit 40 % Deutschlands größter Energieverbraucher.

Neue Impulse für eine Energiewende im Wärmemarkt hatte sich die Branche von der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung erhofft. Dieser Plan wurde kurz vor der Messe ausgebremst. 'Wir brauchen eine verlässliche und attraktive Förderpolitik, um die Potenziale im Wärmemarkt zu heben und vorhandenes privates Kapital zu mobilisieren', forderte Manfred Greis, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH).

Unterstützung erhielt der BDH auf der ISH von Thorsten Herdan, dem Abteilungsleiter für Energiepolitik, Wärme und Effizienz im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Er präsentierte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz einen 'Plan B': die Novelle der Richtlinien zur Förderung von Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt - kurz bekannt als MAP (Marktanreizprogramm). Demnach sollen künftig die Fördersätze für Technologien, die erneuerbare Energien nutzen, angehoben werden. Der BDH begrüßt die Entscheidung, die technischen Lösungen seien vorhanden.

Auf der ISH lag ein Schwerpunkt der Heizungsindustrie auf hybriden Systemen, die fossile Energieträger effizient nutzen und dabei erneuerbare Energien einkoppeln. Als Trendsetter erwiesen sich IT-Lösungen sowohl für Smart-Home-Systeme als auch für die Onlinekontrolle von Anlagen durch das Handwerk.

Der Wärmemarkt biete vielfältige Lösungsansätze für die Energiewende, die sogar über die reine Steigerung der Energieeffizienz hinausgehen, unterstrich Martin Viessmann und meinte damit Speichern und Verwenden überschüssigen, volatilen Stroms, um die Fluktuation der Ökostromerzeugung auszugleichen. Eine Option sei 'erneuerbares Erdgas'. Bei der biologischen Methanisierung wandeln Bakterien den aus Elektrolyse gewonnenen Wasserstoff und das im Gärprozess anfallende CO2 in Methan um.

Als weitere Option bieten sich Lösungen unter dem Schlagwort 'Power-to-Heat' an. Dazu zählen Techniken wie die dezentrale Wärmeerzeugung durch Strom für Gebäude, entweder direkt über Speicherheizungen und Warmwasserspeicher oder über den Einsatz in Wärmepumpen mit Pufferspeicher.

Hybride Heizsysteme kombinieren zum Beispiel effiziente Brennwert- und Wärmepumpentechnik. Sie nutzen sowohl Gas oder Öl als auch erneuerbare Energie. Dabei optimieren sie ihre Betriebsweise in Abhängigkeit von Außentemperaturen und aktuellen Energiepreisen. Vorbereitet für den Anschluss an künftige Smart Grids, sind sie dann in der Lage, auf kurzfristige Stromtarifänderungen zu reagieren.

'Die Heiztechnikbranche befindet sich mitten in der digitalen Transformation', betonte Carsten Voigtländer, Geschäftsführer der Vaillant Group. Unter dem Label 'Green iQ' setzt man dort auf effiziente, nachhaltige und intelligente Technologien. Alle Green-iQ-Produkte seien WLAN-kompatibel und besäßen eine Internetschnittstelle. Die Bereitschaft für grüne Premiumprodukte sei in Deutschland hoch, so Voigtländer.

Rund 45 % der Endkunden und 72 % der Fachhandwerker seien bereit, mehr für ein Heiztechnikprodukt zu bezahlen, das einen komplett grünen Lebenszyklus habe.

Auch Kaminöfen mit Pelletbeschickung sind längst in der digitalen Welt angekommen, berichtete Christiane Wodtke, geschäftsführende Gesellschafterin des Ofenherstellers Wodtke. 'Ob Steuerung via Internet, Smartphone- oder Tablet-App, fast alles ist möglich bzw. in der Entwicklung.' Die mit Holzpellets befeuerten Pellet-Primäröfen des Unternehmens böten gute Regelungsmöglichkeiten. Wasserführende Geräte könnten in die Zentralheizung integriert werden. Mit einer Sicherheitsreserve ließe sich ein Stromausfall bis zu 24 h überbrücken.

Die Digitalisierung sieht auch BMWi-Experte Herdan als eine Riesenchance an. 'Verbrauch und Erzeugung müssen miteinander reden.' Dabei komme es langfristig auf die Optimierung des gesamten Energiesystems an.

Autor des Artikels

Robert Donnerbauer