Innovationsmanagement in unsicheren Zeiten

Kreativität und Innovationen sind für eine Organisation zwei wichtige Themen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Viele Menschen glauben, dass kreatives oder innovatives Denken auf Glück beruhen oder einfach die Gabe einiger gesegneter Menschen ist. Edward de Bono hat 1992 gezeigt, dass Kreativität eine Fähigkeit ist, die gelernt und entwickelt werden kann.

Innovationsmanagement beinhaltet die Disziplin das generieren von Neuerungen systematisch zu organisieren. Es geht darum einen Prozess zu entwickeln und auch kontinuierlich den aktuellen Gegebenheiten anzupassen, der gewährleistet, dass die gemeinhin mit „etwas Chaotischem“ assoziierte Kreativität in geregelte Bahnen geführt wird. Damit soll die bahnbrechend neue Technologie effizienter und vorhersagbar werden. Dabei ist es gleichgültig ob es sich um Innovationen in gänzlich neue Felder oder die Optimierung von bestehenden Systemen handelt.

Solange das Umfeld relativ klare Strukturen hat, ist das Management mit konventionellen Methoden machbar. Heute zeigt sich allerdings, dass das Umfeld auch „chaotischer“ wird. Start-up schießen aus dem Boden. Sie haben keine Produkthistorie, fokussieren sich auf eine Technologie und ermöglichen so ganz neue Anwendungen (z.B. 3D Druck). Der frühere Vorteil von Konzernen eine feste Kapitaldecke zu haben, um Entwicklungen in ihrem Tempo zu betreiben, wird durch Crowd Funding unterlaufen.

Internetapplikationen entstehen, die gar keine eigne Hardware mehr haben oder zur Verfügung stellen, sondern nur noch als Plattformen Kunden und Anbieter nach gewissen Regeln zusammenbringen und damit Geschäft generieren (AirBnB, Uber, eBay, etc.).

Das Szenario für eine Managementaufgabe besteht darin, einen Ist-Zustand in einen festgelegten Soll-Zustand zu überführen. Der Soll-Zustand wird definiert und dann werden am Ist-Zustand die Parameter solange variiert und geregelt, bis der Soll-Zustand erreicht ist. Damit ist man am Ziel und hoffentlich erfolgreich. Dieses Konzept kann als Vorgehensweise 1. Ordnung gesehen werden (ich mache es richtig). Heute zeigt sich, dass das Ziel aber nicht mehr so stabil ist wie früher. Es ändert sich mit steigender Dynamik (moving Target), sodass ständig überprüft werden muss, ob man eigentlich noch auf das richtige Ziel hinsteuert. Und parallel muss auch der Ist-Zustand dauernd adaptiert werden. Diese Vorgehensweise 2. Ordnung wird heute mit dem Kundenfokus aufgefangen. Ist der Kunde bereit dafür zu bezahlen? Wohin gehen seine Wünsche? Wie muss ich meine zu entwickelnde Technologie kontinuierlich dahin adaptieren? Hier geht es darum das Richtige richtig zu machen. Geht man eine Stufe weiter, dann weiß man eigentlich gar nicht mehr was das Ziel ist und wie es aussieht. Man stellt hier eine Plattform bzw. Fähigkeiten zur Verfügung, die genutzt werden kann um Technologien zu entwickeln. Dabei werden diese Fähigkeiten angeboten. Mit der Zeit stellt sich heraus ob sie so gebraucht werden oder nicht und entsprechen werden sie ausgebaut oder verschwinden wieder. Dies wäre eine Vorgehensweise der 3. Ordnung.

Wie kann nun so etwas praktischerweise aussehen? Üblicherweise wird in einer Firma die Technologie in der Entwicklungsabteilung getrieben. Die Leute dort haben ihr Thema, an dem sie arbeiten und kontinuierlich weiter innovieren. Eine Alternative nach der Vorgehensweise 3. Ordnung wäre es, ein Ideen-Team auf zu stellen, dass spezielle Fähigkeiten bezüglich kreativem Denken, Innovationen, Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen (E-Technik, Maschinenbau, Physik, Bionik, Mensch-Maschine-Interface, etc.) usw. hat. Dieses Team hat keinen direkten Technologieauftrag (Ziel) sondern wird geholt, wenn es darum geht neue Ideen für eine Innovation zu generieren. So bekommen ein Entwicklungsziel und arbeiten es ab bis zu einer Ideensammlung. Ein anderes Team, das spezialisiert ist z.B. auf Analyse hinsichtlich Realisierbarkeit und Ökonomie wird die Ideen übernehmen und gemäß ihren Kompetenzen weitertreiben. Dann geht es zum Team der Umsetzer, usw. Das Ideen-Team arbeitet unterdessen schon an einer neuen Aufgabenstellung.

Hier wird mit dem Team eine Plattform zur Verfügung gestellt, die an wechselnden Aufgabenstellung arbeiten. Die Effektivität wird sich mit der Zeit herausstellen und das Team wird sich von den Personen und der Herangehensweise adaptieren (stabilisieren). Auch wird sich zeigen, ob die Anzahl und Art der Teams richtig ist. Auf die Software übertragen würde dies bedeuten: Es gibt verschiedene Apps. Die, die Sinnvoll sind werden weiterentwickelt und angepasst, die anderen verschwinden.

Das Innovationmanagement wird dann die Aufgabe übernehmen, diese Teams zu koordinieren, an zu passen und zu entwickeln. Es geht dann nicht mehr darum das Ziel zu definieren und zu erreichen, sondern die Plattform und deren Regeln zu gestalten.

Autor des Artikels

Oliver Mayer

Sr. Prinzipal bei General Electric im Bereich Forschung
Freisinger Landstrasse 50
85748 Garching
oliver.mayerresearch.gecom
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