Kraft der Resilienz − Wie Sie im Projekt handlungsfähig bleiben

Die „Resilienz“ soll alles retten. – Wir reden täglich darüber, dass in der Wirtschaft alles dynamischer, komplexer, agiler und kurzlebiger wird. Und dass in Projekten alles instabiler, unsicherer, unüberschaubarer, paradoxer und individueller wird. Kein Vortrag der Geschäftsführung, keine Wirtschaftszeitung und keine Fachkonferenz kommt noch darum herum ausdrücklich darauf hinzuweisen wie dynamisch und unsicher alles ist und welche Steigerung in die Superlative wir noch erleben werden.

Hinzu kommt der ganz normale Alltagswahnsinn in den Projekten: unrealistische Zeitvorgaben, viel zu geringe Budgets, Diskussionen mit dem Kunden über zusätzliche Anforderungen, Streit zwischen Teammitgliedern, unzuverlässige Lieferanten, …

Treten Sie dem Projektalltag resilient entgegen

Industrie und Forschung setzen als entscheidenden Gegenspieler die „Resilienz“ in den Fokus. Der Begriff Resilienz beschreibt in den psychologischen Fachkreisen die innere Widerstandskraft und die Fähigkeit mit den oben aufgezählten Themen gekonnt umzugehen. Sie gewann in den letzten Jahren gewaltig an Bedeutung und wird in zahlreichen Büchern behandelt. Der Begriff Resilienz kommt aber ursprünglich aus dem Ingenieurwesen, wo er die Fähigkeit eines Werkstoffes beschreibt, nach einer Verformung durch hohe Belastung wieder in den Ausgangszustand zurückzukehren.

Als Ingenieure wissen wir, dass nicht jedes Material hoch widerstandsfähig von der Natur erschaffen wurde. Viele Materialien werden in aufwendigen Prozessen und mit großer Energieeinbringung durch Menschenhand erzeugt.

Und weitaus nicht jedes Material eignet sich für jeden Belastungsfall. Es wäre fahrlässig, wenn wir uns den Einsatzbereich nicht vorher genau ansehen würden und mittels aufwendiger Berechnungs- und Prüfverfahren Material und Belastung perfekt aufeinander abstimmen würden.

Achten Sie darauf, dass das Projektteam zum Einsatzbereich passt

An manche Projektteams werden sehr hohe Anforderungen gestellt. Sie werden großen Belastungen ausgesetzt und sollen auch in kritischen Situationen so manchen Ansprüchen genügen: Sie sollen mit Motivation den gesetzten Zielen nacheifern, sollen Zusammenhänge berücksichtigen, transparent arbeiten, sich selbst schonungslos ehrlich reflektieren, schnell Entscheidungen treffen, Angst und Widerstände in produktive Energie umwandeln, sich auf das Wichtige fokussieren, sollen ständig beweglich bleiben und sich mit Freude an immer neue Bedingungen anpassen.

Bereiten Sie das Team auf die Anforderungen vor

All diesen kraftraubenden Aufgaben und stressigen Situationen wird nun die Resilienz als Waffe gegenübergestellt, die alles ins Gleichgewicht bringen soll. Resilienz – die innere Kraft der Mitarbeiter und des Teams. Um dies zu gewährleisten finden viele psychologische Sichtweisen und Techniken zum Thema Resilienz erfolgreich ihre Anwendung im Business Coaching für Einzelpersonen. Damit diese Ansätze auch in technischen Projektteams genutzt werden können – nicht nur von  Personalentwicklern und Psychologen, sondern durch die Ingenieure selbst - entwickelte Dr. Miriam Sasse entsprechende Werkzeuge für das Projektmanagement.

Diese Werkzeuge ziehen neue Denkweisen mit sich, welche der Dynamik kritischer und stressiger Situationen gewappnet sind. Denn dafür braucht es förderliche Arbeitsstrukturen, talentierte, unterstützende Führung und echte Könner, die sich entfalten dürfen. Mit dem Resilienz-Test „KANOSSA“ können die Faktoren, die Resilienz unterstützen, präventiv erkannt und bewertet werden. Hierzu gehören Kohärenz, Akzeptanz, Netzwerkorientierung, Optimismus, Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung und Ausrichtung. Mithilfe des „House of Resilienz“ können Interventionstechniken ausgewählt werden und in die Arbeitsweisen eingegliedert werden. Beide Werkzeuge lassen sich wie Audit-Checklisten und Workshops zum „House of Quality“ (QfD) in die Arbeitsabläufe leicht integrieren. Hierdurch erfahren Sie, welche Faktoren das Projekt stärken und krisenfest machen, und welche Techniken zur kurz- und langfristigen Stärkung dienen. Auf diese Weise greifen Sie nicht nur reaktiv bei akuten Krisen ein, sondern bereiten präventiv die Strukturen, Denk- und Handlungsweisen auf den Ernstfall vor. Dies beinhaltet eine Betrachtung des gesamten Umfeldes innerhalb und außerhalb des Projektes mit seinen Wechselwirkungen.

Solange die Teammitglieder in ihrem Umfeld erleben, dass ihre Arbeit und das Projekt sinnvoll sind und wertgeschätzt werden, sorgt dies für ein resilienzförderliches Wohlbefinden. Jeder muss seinen Handlungsspielraum und seine Einflussmöglichkeiten wahrnehmen, positiv bewerten und nutzen lernen. Die Förderung dieser Grundsteine für Resilienz ist nie zu spät. Genauso wie die Förderung jedes einzelnen Mitarbeiters.

Erkennen Sie Krisen frühzeitig und aktivieren Sie die Resilienz des Teams

Mit diesem Vorwissen und der aktiven Stärkung des Teams sehen Sie möglichen Turbulenzen gelassen entgegen. Sie sind aus sich heraus handlungsfähig und erkennen sich anbahnende Krisen frühzeitig, wenn sie sich sensibilisieren für kritische Indikatoren, Symptome und nicht-funktionale Verhaltensmuster.

Während kritischer Situationen und in einer Projektkrise müssen die Beteiligten schnell und systematisch geeignete Maßnahmen ergreifen können. Ähnlich wie im Rettungsdienst hilft es die IST-Situation mittels Algorithmen aufzunehmen. Die Werkzeuge „AMPEL und ABCDE für das Projektmanagement“ geben dem Team einen stabilitätsgebenden Rahmen, der genug Autonomie des Teams zulässt wenn sich der Druck und die Dynamik in Krisenzeiten erhöht. Diese Algorithmen führen zu einer Widerbelebung der Gespräche des Teams und führen zu gerichteter Kommunikation. Die Könner - meist kreative, mutige, chaotische Tüftler, Experten oder Berater - welche die Situation retten sollen, agieren nicht aufgrund von Plänen, die durch die Dynamik ins Leere laufen würden. (In Krisensituationen ist meistens auch keine Zeit um erst noch einen Plan zu machen.) Stattdessen agieren sie auf Basis des gleichen Verständnisses der IST-Situation. Jeder Dialog zu AMPEL oder ABCDE dient der Vorbereitung des Teams, des Experten oder Berater oder der Führungskraft für die nun folgenden gemeinsamen Aktivitäten. Das belebt und macht jeden einzelnen handlungsfähiger. Mit Hilfe von Simulationen und Rollenspielen können diese Algorithmen eingeübt und so in den Köpfen Ihres Projektteams verankert werden.

Sorgen Sie für nachhaltige Veränderungen der Arbeitsweisen

Wenn kritische Situationen oder Probleme immer wieder auftauchen und man immer wieder in das gleiche Fahrwasser kommt, immer wieder die gleichen Muster ablaufen, dann müssen die dahinterliegenden Muster erkannt und reflektiert werden. Hierfür hilft das Schema-Coaching, welches als Anwendung und Übertragung des psychologischen Therapieansatzes „Schema-Therapie“ nach Jeffrey E. Young entstanden ist. Mit dem Schema-Coaching können Konflikte und unpassende Verhaltensmuster erkannt und zum Positiven gelöst werden.

Um das Schema-Coaching in Projektteams anwenden zu können, wurden von Dr. Miriam Sasse typische Verhaltens- und Denkmuster, welche die Sozialpsychologie aufzeigt, als Basis verwendet. Mit dem „Bedürfniskompass“ und einer Reflexions-Matrix können Sie die hinter den Mustern liegenden Bedürfnisse des Teams reflektieren. Da das Thema der Kontinuierlichen Verbesserung von Projektprozessen (KVP) in den Vordergrund gerückt wird, erhielt das Vorgehen den Eigennamen „Quality-Coaching“, um sich vom Schema-Coaching abzugrenzen. Dabei wird miteinander in Bezug gesetzt, was jede Person im Projektumfeld als persönliche Schemata in das Projekt mitbringt und welche Schemata sich das gesamte Team über die bisherige Arbeitszeit hinweg angeeignet hat.

Das Werkzeug SWITCH hilft mittels sechs Bausteinen dabei nachhaltige Veränderungen in den Arbeitsweisen zu bewirken und den Arbeitsmodus bewusst zu wechseln.

Stellen Sie die Resilienz des Teams immer wieder in den Fokus

Viele Projekte, die einmal kritische oder traumatische Situationen durchlebt haben oder nicht auf starkem Boden aufgesetzt wurden, haben mit Problemen zu kämpfen. Manche anderen Projekte stecken kritische Situationen jedoch problemlos weg, sogenannte Steh-auf-Projekte. Diese Projektteams arbeiten zum Beispiel in einem Lessons Learned die kritischen Phasen des Projektes auf und gehen gestärkt und resilienter aus ihnen hervor. So entwickelt sich das Team nach und nach weiter, optimiert sich selbst, wird resilienter und legt sich einen Schutzpanzer aus Vertrauen zu.

Wir sind weder Sklaven unserer aufgezwungenen Unternehmens- und Projektstrukturen noch Opfer der Dynamik und Komplexität unserer Zeit. Wir können Resilienz erlernen, fördern und handlungsfähig bleiben.


Sind Sie an weitergehenden Informationen zu den Werkzeugen und Hintergründen der Resilienz in Projekten interessiert? Dann erfahren Sie mehr und erlernen Sie die Werkzeuge in zahlreichen Übungen und anhand von Praxisbeispielen in unserem VDI Seminar „Resilienz und Handlungsfähigkeit in technischen Projekten“.

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Informationen zum Autor

Dr.-Ing Miriam Sasse fokussierte sich nach ihrem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens und der Psychologie auf die Selbstoptimierung von Projektteams und Arbeitsprozessen. Sie ist zertifizierter Business Coach und begleitet Teams aus den Bereichen Anlagen- und Maschinenbau, Automobilbau, Tiefbau, Elektronik, IT sowie Forschung bei der Umsetzung von Projekten. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Aufbereitung und praxisnahen Vorstellung psychologischer Techniken für Ingenieure. Im Bereich Resilienz entwickelte sie diverse Ansätze und Techniken für klassische und agile Projektteams in Krisensituationen und komplexen Projektumgebungen.