Künstliche Intelligenz im Projektmanagement: Potenziale, Herausforderungen und ethische Perspektiven

Künstliche Intelligenz verändert das Projektmanagement grundlegend: Sie automatisiert Abläufe, unterstützt bei Entscheidungen und steigert die Effizienz. Doch welche Anwendungen sind besonders vielversprechend, und wie können Unternehmen ihre Teams fit für den KI-Einsatz machen? Projektmanagement-Experte Dirk Nagels gibt im Interview Einblicke in aktuelle Entwicklungen und erläutert, warum der Mensch trotz KI immer die zentrale Rolle behalten muss.

 

Herr Nagels, welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz derzeit im Projektmanagement, und wie sehen Sie ihre zukünftige Entwicklung in diesem Bereich?

Dirk Nagels: Nach meiner Ansicht wird sich Künstliche Intelligenz im Laufe der Zeit immer stärker im Projektmanagement etablieren. Sie übernimmt repetitive Aufgaben, unterstützt bei Entscheidungen und verbessert das Ressourcenmanagement. Der Mensch in Form einer qualifizierten Fachkraft bleibt jedoch die endgültige Instanz. In den Prozessrollen sprechen wir von Verantwortung (V), Durchführung (D), Mitarbeit (M) und Information (I). „D“, „M“ und „I“ sind Rollen, die KI zunehmend übernehmen wird.
 

Welche spezifischen KI-Anwendungen halten Sie für besonders vielversprechend im Projektmanagement, beispielsweise im Risikomanagement oder in der prädiktiven Analytik?

Dirk Nagels: KI ist besonders im Ressourcenmanagement hilfreich, indem sie im Handumdrehen Projektverläufe erstellt. In der Risikoanalyse liefert sie schnell Lösungsvorschläge, häufig unter Einbeziehung bisher unbeachteter Faktoren, die eine wertvolle Basis für die Weiterarbeit schaffen. Sie kann das Berichtswesen automatisieren und die Echtzeitüberwachung von Projektfortschritten übernehmen. Die Datenqualität abgeschlossener Projekte in Bezug auf Vollständigkeit, Genauigkeit und Konsistenz ist im Kontext von Predictive Analytics eine Grundvoraussetzung. Die Qualität der verfügbaren Informationen wird hier in naher Zukunft weiter steigen.
 

Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Implementierung von KI im Projektmanagement, insbesondere in Bezug auf Datenqualität und Akzeptanz durch die Mitarbeitenden?

Dirk Nagels: Vorbehalte und Ängste, die beim Einsatz neuer Technologien entstehen, können durch Informationsveranstaltungen, Praxisbeispiele und Schulungen abgebaut werden. Die Datenqualität ist ein wichtiger Faktor, aber nicht in jedem Fall eine grundsätzliche Bedingung für den Einsatz von KI. So ist etwa die Erstellung einer Stakeholder- oder Risikoanalyse mit einer darauf aufbauenden Kommunikationsstrategie auch ohne umfassende historische Daten möglich.
 

Wie können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Projektteams über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um KI effektiv im Projektmanagement einzusetzen?

Dirk Nagels: Unternehmen sollten praxisorientierte Schulungen anbieten, in denen Mitarbeitende konkrete Anwendungskompetenzen entwickeln. Solche Schulungen tragen wesentlich dazu bei, die Akzeptanz von KI-Tools im Unternehmen zu steigern. Gleichzeitig müssen die IT-Verantwortlichen gewährleisten, dass sensible Daten das Unternehmen nicht verlassen.
 

Welche ethischen Überlegungen sollten Ihrer Meinung nach bei der Nutzung von KI im Projektmanagement berücksichtigt werden?

Dirk Nagels: Wie bereits erwähnt, sollte der Mensch stets die entscheidende Instanz bleiben. Die Nutzung von KI wirft zahlreiche ethische Fragen auf, etwa in Bezug auf Datenschutz, Transparenz und Verantwortung. Auch diese Aspekte sollten im Rahmen von Schulungen thematisiert werden, um ein Bewusstsein für mögliche Risiken durch unzureichende Daten und die Notwendigkeit des Schutzes firmeneigener Informationen zu schaffen.

Über den Interviewpartner:

Dipl.-Ing. Dirk Nagels, INMAS GmbH, Bremen

Dipl.-Ing. Dirk Nagels ist Trainer und Berater. Mit seiner ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung, der Erfahrung im Umweltschutz und Anlagenbau im In- und ­Ausland sowie seiner langjährigen Tätigkeit in der Qualifizierung von technischen Führungskräften ist er Experte praxisorientierter Seminare in den Bereichen Projektmanagement und Mitarbeiterführung für Ingenieur*innen. Im Rahmen seiner Beratertätigkeit in den Branchen Anlagen- und Maschinenbau, Automotive und Energiewirtschaft ist prozessorientiertes Projektmanagement ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt. Weitere besondere Kernpunkte seiner Arbeit liegen im Coaching von Projektleitern, im Begleiten von Projektleitern und Projektteams in Risikosituationen bis hin zur Gestaltung von Start-, Status- und Abschlussworkshops zur erfolgreichen Übergabe von Projekten.

Zurück zum Anfang der Seite springen