Mit standarisierten Richtlinien von BIM profitieren

Bis vor kurzem drohte Deutschland bei der Standarisierung von Building Information Modeling (BIM) zum europäischen Schlusslicht zu werden. In den letzten Jahren ist die zunächst nur zögerliche Akzeptanz jedoch einer produktiven Aufbruchsstimmung gewichen. Die digitale Transformation der Bauindustrie steht vor der Tür – der VDI begleitet diesen Prozess als nationaler Regelsetzer und hat nun als erstes Blatt die Richtlinie VDI 2552 Blatt 3 „Building Information Modeling – Mengen und Controlling“ veröffentlicht.

Deutschland in Europa wettbewerbsfähiger machen

Die Komplexität von Bauwerken steigt zusehends. Zugleich stehen dem Ingenieur auch immer leistungsfähigere Technologien wie das Building Information Modeling zur Verfügung. Eigentlich. Die deutsche Ingenieurslandschaft macht aber nach wie vor nur sehr zurückhaltend Gebrauch von diesen Möglichkeiten. Und das, obwohl sich damit Ressourcen und Zeitpläne wie nie zuvor ganzheitlich miteinander verknüpfen ließen. Die Senkung von Qualitäts-, Kosten- und Terminrisiken bei Bauprojekten rückt in greifbare Nähe.

Für deutsche Ingenieure geht es daher beim Thema BIM im Moment v. a. um eines: Anschluss an Länder wie Großbritannien, die Niederlande und Dänemark zu finden. Noch im Februar 2016 wussten 40 Prozent der entscheidenden Akteure in der Bundesrepublik nicht, was es mit BIM auf sich hat. Den folgenden Erfahrungsvorsprung unserer Nachbarländer aufzuholen, ist ein längst nicht abgeschlossener Prozess.

Prof. Rasso Steinmann vom iabi-Institut für angewandte Bauinformatik der Hochschule München und Vorsitzender des VDI-Koordinierungskreises BIM ist sich sicher, dass es jetzt auf „gemeinsame Spielregeln in Form von Vereinbarungen und Standards“ ankommt. Verfahrensabläufe und grundlegende Prozesse müssten ebenso standarisiert werden wie z. B. die Klärung rechtlicher Unsicherheiten oder die Fortentwicklung entsprechender Datenformate.

Fortschritte und Ziele der VDI-Agenda Building Information Modeling

Im Jahr 2013 hat sich aus diesen Gründen der VDI-Koordinierungskreis BIM konstituiert. Er setzt sich aus Vertretern der VDI-GBG externen Experten zusammen. Inzwischen arbeiten in dieserm Koordinierungskreis mehr als 90 ehrenamtliche Mitarbeiter an der Umsetzung der folgenden Richtlinien:

  • VDI 2552 Blatt 1 „BIM – Rahmenrichtlinie“
  • VDI 2552 Blatt 2 „BIM – Begriffe und Definitionen“
  • VDI 2552 Blatt 3 „BIM – Mengen und Controlling“
  • VDI 2552 Blatt 4 „BIM – Modellinhalte und Datenaustausch“
  • VDI 2552 Blatt 5 „BIM – Datenmanagement“
  • VDI 2552 Blatt 6 „ BIM – Facility-Management”
  • VDI 2552 Blatt 7 „BIM – Prozesse”
  • VDI 2552 Blatt 8 „BIM – Qualifikationen”
  • VDI 2552 Blatt 9 „BIM – Klassifikationen

Der erste Schritt auf dem Weg: VDI 2552 Blatt 3 „BIM – Mengen und Controlling“

Mit der Veröffentlichung des 1. Blattes der Richtlinie über „BIM – Mengen und Controlling“ im Januar 2017 hat der VDI-Koordinierungskreis BIM den ersten wichtigen Schritt in Richtung Standarisierung von BIM gesetzt. Dieses Blatt beschreibt, wie sich Bauwerksinformationsmodelle zum Abgleich von Leistungsmengen und Controlling-Strukturen in den folgenden Bereichen anwenden ließen:

  • Kostenermittlung
  • Ausschreibung und Vergabe
  • Terminplanung
  • Ausführung und Abrechnung

Dabei gilt es, alle Projektphasen zu berücksichtigen – von Entwicklung bis Fertigstellung. Davon profitieren nicht nur alle am Bau Beteiligten, sondern auch deren Zulieferer im Bereichen der Informationstechnologie.

Die VDI Richtlinien gelten dabei als nationaler Dreh- und Angelpunkt gegenüber den internationalen Standarisierungsgremien. Mit Blatt 3 zu den Themen Mengen und Controlling ist der Einstieg in die zahlreichen Möglichkeiten von BIM auf standarisierter Grundlage geglückt. Das bedeutet auch den Einstieg in faszinierende 5D-Modelle, die gestalterische, ökonmische, qualitative und zeitliche Vorgaben in einer Simulation integrieren können.

Doch diese spannenden Potenziale lassen sich nur auf der Basis gemeinsam anerkannter Normen voll ausschöpfen. Durch die Umsetzung des Leitsatzes „Erst virtuell planen, dann bauen“ werden die gelungene Kooperation der unterschiedlichen Gewerke und die Entlastung aller am Bauprojekt Beteiligten im Rahmen eines vernünftigen Miteinanders greifbar. 

Dipl.-Ing. (FH) Frank Jansen,
VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik
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