Neuartige Lichtfunktionen auf Basis hochaufgelöster Scheinwerfersysteme

Kurzfassung

In dieser Arbeit wird die Matrix DMD Technologie mit der Matrix Scanner Technologie verglichen und die Vor- und Nachteile diskutiert. Im Anschluss werden die Eingangsparameter für die Berechnung neuartiger Lichtfunktionen gezeigt. Abschließend wird ein Modell zur Verzerrungskompensation vorgestellt.

Abstract

This paper is comparing the Matrix DMD Technology and the Matrix Scanner Technology followed by a discussion about the pros and cons of these technologies. Subsequent to this, the parameter for calculating new light functions will be explained. A model which shows the distortion compensation concludes the paper.

1. Einführung

Derzeitige Lichtsysteme bieten bereits heute einen hohen Funktionsumfang an. Das Abblendlicht kann beispielsweise in seiner Intensität und dem Ausleuchtbereich an die Umwelt- und Straßenbedingungen angepasst werden. Im Fernlichtbereich können sogenannte Matrix LED Scheinwerfer Objekte entblenden, dimmen oder markieren [1].

Zukünftig sollen neuartige Lichtfunktionen den Fahrer in der Spurführung und Wahrnehmungsaufgabe unterstützen. Durch die geringe Auflösung der derzeitigen Matrix LED Scheinwerfer von weniger als 100 Pixeln ist der Funktionsumfang beschränkt. So ist es beispielsweise nicht möglich eine an die Umwelt und die Straßentopografie angepasste perspektivische Lichtverteilung zu projizieren. Funktionen, die mit anderen Verkehrsteilnehmern interagieren, sowie eine situationsabhängige Ansteuerung können durch die fehlende Flexibilität nur eingeschränkt umgesetzt werden. Die für die Darstellung von neuartigen Lichtfunktionen benötigten Technologien sind im folgenden Kapitel genauer beschrieben.

2. Technologievergleich

Im Folgenden werden zwei Kerntechnologien diskutiert, mit denen neuartige Lichtfunktionen umgesetzt werden können. In der 2014 erstellten Ausarbeitung [2] wurde bereits die strahl-geführte Matrix Scanner Technologie mit der flächenmodulierten Matrix DMD Technologie hinsichtlich benötigter Laserleistung und einem funktionsabhängigen Nutzungsgrad verglichen. In dieser vorliegenden Ausarbeitung wird der Systemwirkungsgrad substantiell unter-sucht und ein umfassender Vergleich zwischen beiden Technologien auf Systemebene durchgeführt.

Bei den flächenmodulierten Systemen wird die DMD Technologie, auch Matrix DMD Techno-logie genannt, exemplarisch verwendet, denn der benötigte Chip-Satz liegt bereits als auto-motive qualifiziertes Bauteil vor [3]. Substantielle Abweichungen zwischen der DMD- und LCD-Technologie werden in dieser Ausarbeitung mit berücksichtigt.

2.1 Systemwirkungsgrad

Für die Berechnung des Systemwirkungsgrades der Matrix DMD und der Matrix Scanner Technologie gelten folgende Randbedingungen: Für beide Technologien gilt eine Konversionsrate R von 120 lm/Wopt und eine typische Wall-Plug-Efficiency (WPE) der Laserdioden von 28 % bei 25° C [4].

Der Systemwirkungsgrad wird unabhängig vom funktionsabhängigen Nutzungsgrad der jeweiligen Technologie ermittelt. Der Nutzungsgrad der Matrix Scanner Technologie gibt hier-bei das Verhältnis zwischen vorgehaltener und tatsächlich im Mittel abgerufener Laserleistung an. Der Nutzungsgrad der Matrix DMD Technologie hingegen gibt das Verhältnis zwischen dem in der Ziellichtverteilung enthaltenem Lichtstrom und dem Lichtstrom der Licht-quelle an und ist ein Maß für die Absorption. Die funktionsabhängigen Nutzungsgrade, eben-so wie die Abhängigkeit des Nutzungsgrades durch die Anpassung der Lichtverteilung an einer statischen Ziellichtverteilung mittels Dimmung der einzelnen Mikrospiegel, wurde bereits in der Arbeit im Jahr 2014 durchgeführt [2].

Alle Effizienzwerte gelten für einen Temperaturbereich von 20° C bis 25° C, so dass temperaturabhängige Effekte nicht berücksichtigt werden. Somit wird auch eine temperaturabhängige Dimmung der Spiegel in der Matrix DMD Technologie zur Vermeidung des Hinge-Effekts und zur Erhöhung der Lebensdauer nicht berücksichtigt [5]. Der Transmissionsgrad von üblicherweise 85% der Scheinwerferabschlussscheibe kann bei Bedarf jeweils mit dem Systemwirkungsgrad multipliziert werden.

2.1.1 Matrix Scanner Technologie

Wirkungsgrad Laser-Primäroptik ηPrimäroptik: Die verwendete Primäroptik kann theoretisch so ausgelegt werden, dass maximal 1 % der Laserleistung aufgrund der Beugung für die Anwendung ungenutzt bleibt. Der Wirkungsgrad ηDiffraction liegt demnach bei 99 %. Aufgrund der Oberflächenreflexion beträgt der Transmissionsgrad ηTransmission ca. 97 % basierend auf einem Brechungsindex des Linsenmaterials von 1,4 und einem Brechungsindex von Luft von 1. Somit ergibt sich eine Gesamteffizienz für die Laser-Primäroptik ηPrimäroptik von 96 %. Je nach technischer Umsetzung kann noch ein Beitrag für die Strahlkombinierung hinzukommen, welcher hier allerdings nicht weiter berücksichtigt wird [6].

Wirkungsgrad Mikrospiegel ηSca_Mirror: Durch eine Bragg Beschichtung ist ein Wirkungsgrad des Mikrospiegels ηSca_Mirror von 99,5 % realisierbar [7].

Sekundäroptik ηSca_Se: Fluoreszenzkonverter weisen eine lambert’sche Abstrahlcharakteristik auf. Somit beträgt der ausgeleuchtete Raumwinkel ΩKonverter, unter der Annahme einer dichro-iden Schicht auf der Rückseite des Konverters, genau π. Der Wirkungsgrad der für die Kolli-mierung und Abbildung benötigten Sekundäroptik setzt sich aus dem Transmissionsgrad und der Beugungseffizienz der Linse, sowie einem Überstrahlverlust zusammen. Deppisch [6] berechnete in ihrer Arbeit den Überstrahlverlust, der dem Anteil an lambert’scher Ausgangs-strahlung entspricht, welcher außerhalb des Linsenkegels mit dem Öffnungswinkel ΩLinse liegt. Zur Berechnung wird von einer Brennweite f der Linse von 35 mm und einem maximalen Linsendurchmesser DLinse von 45 mm ausgegangen. Der von der Brennweite abhängige Wirkungsgrad der Sekundäroptik ηSca_Se kann in diesem Fall mit 35 % angenommen werden.
Die oben aufgelisteten Wirkungsgrade sind auch in Tabelle 1 zu finden. Der Systemwirkungsgrad der Matrix Scanner Technologie ηSca_Sys beträgt 33,4 %.

Tabelle 1: Übersicht Systemwirkungsgrad Matrix Scanner Technologie
Beitragendes ElementWirkungsgrad η
Laser Primäroptik ηSca_Pr96 %
Mikrospiegel ηSca_Mirror99,5 %
Sekundäroptik ηSca_Se35 %
Systemwirkungsgrad ηSca_Sys33,4 %

2.1.2 Matrix DMD Technologie

Der Wirkungsgrad der Laser-Primäroptik ηDMD_Pr ist gleich zu dem oben bereits bestimmten Wirkungsgrad der Matrix Scanner Technologie und wird auf ηDMD_Pr = ηSca_Pr = 96 % gesetzt.

Der Wirkungsgrad der Beleuchtungsoptik ηDMD_Ilu ist vom benötigten Kontrast und der damit verbundenen Brennweite abhängig. Deppisch [6] ermittelte in ihrer Arbeit einen Wert von 64 %. Diese umfasst sowohl die Effizienz der Beleuchtungsoptik als auch das Überstrahlen der DMD Chipfläche.

Der Wirkungsgrad des DMD Spiegels ηDMD_Mirror kann dem Datenblatt [3] entnommen werden. Die Fenstertransmission ist mit 97 %, die Spiegel Reflektivität mit 88 %, der Füllfaktor mit 92 % und die Diffraktionseffizienz mit 86 % angegeben. Bezugnehmend auf die LCD Technologie ist erwähnenswert, dass der Füllfaktor unabhängig von der Auflösung ist, da die Leiterbahnen, CMOS Speicherzellen und Elektroden hinter den Mikrospiegeln positioniert sind. Dies ist bei der LCD Technologie nur bedingt der Fall und somit hat die Auflösung der LCD Technologie eine direkte Auswirkung auf die Effizienz [8].

Der Wirkungsgrad der Sekundäroptik ηDMD_Se ist gegenüber der Matrix Scanner Technologie deutlich höher, da das Licht bereits kollimiert ist. Somit treten keine Verluste in Abhängigkeit der Brennweite auf. Die Effizienz kann, wie auch bei der Laser-Primäroptik, mit 96 % angenommen werden.

In Tabelle 2 ist eine Übersicht über alle Wirkungsgrade sowie der Systemwirkungsgrad ηDMD_Sys der Matrix DMD Technologie zu finden.

Tabelle 2: Übersicht Systemwirkungsgrad Matrix DMD Technologie
Beitragendes ElementWirkungsgrad η
Laser Primäroptik ηDMD_Pr96 %
Beleuchtungsoptik ηDMD_Ilu64 %
DMD ηDMD_Mirror67,5 %
Sekundäroptik ηDMD_Se96 %
Systemwirkungsgrad ηDMD_Sys39,8 %

2.2 Technologie Benchmark

In folgender Tabelle 3 werden zusätzlich zum Systemwirkungsgrad vier Bereiche der Technologien im Detail untersucht, um einen umfassenden Überblick zu geben.

Tabelle 3: Systemvergleich zwischen Matrix Scanner und Matrix DMD Technologie
ThemaMatrix Scanner TechnologieMatrix DMD Technologie
FunktionsprinzipEin- oder zweidimensionale AblenkungLicht wird durch die bildgebende Einheit in Pixel unterteilt.
SchweinwerfertypAdditiv [9]Subtraktiv [10]
Homogenität der LichtverteilungWertkontinuierliche Bewegung führt zu einer homogenen Lichtverteilung.Hohe Auflösung von über 400.000 Pixeln [3]
LichtstärkeLichtstärke ist abhängig von der Leistung der Laserlichtquelle, dem "Field of View" (FOV) und der Aufenthaltszeit.Die Lichtstärke ist abhängig von der Lichtstärke der Lichtquelle, der Absorptionsrate, der Ausleuchtungscharakteristik des DMDs sowie dem FOV.
Variabilität der LichtverteilungVerschiebung des Lichtschwerpunkts (LSP)Anpassung der Lichtverteilung durch Absorptionsrate.
EinblendauflösungDie maximale Leuchtdichte ist auf 2000cd/mm beschränkt. Gemäß [7] folgt daraus eine Auflösung von 0,702°.Ein DMD hat eine Auflösung von über 400.000 Pixeln. Abhängig vom FOV ergibt sich eine Auflösung <0,014°.
KontrastAbhängig vom gauß'schen Strahlprofil und dem Übersprechen des Konverters.Abhängig von Winkeldifferenz zwischen dem An- und Auszustand.
VerschiebeauflösungAbhängig von der Genauigkeit der Ansteuerung der Laserdioden.Die Verschiebeauflösung entspricht bei Verwendung eines idealen optischen Systems der Einblendauflösung.
SeitenverhältnisDas Seitenverhältnis kann durch den Abscannbereich festgelegt werden.Festes Seitenverhältnis
FarbfehlerEs gibt Farbfehler aufgrund des Übersprechend des Konverters und der Strahlgeometrie.Es gibt Farbfehler aufgrund des Übersprechens des Konverters und der Strahlgeometrie.
Größe der Sekundär-OptikDie Sekundäroptik muss für eine hohe Effizienz möglichst groß sein.Größe der Sekundäroptik hat nur bedingt Auswirkung auf Effizienz.

Sichtbarkeit des Konverters

Die Sichtbarkeit des gelben Konverters ist gegeben.Die DMD Spiegel werden im "flat" Zustand geparkt. Der Konverter ist somit nicht sichtbar.
Optische EffekteJe nach Scanfrequenz kann ein Flimmern und ein Stroboskopeffekt wahrgenommen werden.Sofern die FVF überschritten wird, sind keine optischen Effekte wahrnehmbar, da alle Spiegel synchron gekippt werden.
TreiberHohe Ströme müssen in kurzen Zeitabständen getrieben werden, um Kontrast und Verschiebeauflösung klein zu halten.Zur Erhöhung der Lebensdauer müssen die Spiegel synchron zur Lichtquelle mit bis zu 4kHz "geflippt" werden.
KomplexitätJe nach Technologie, ist die Regelung der Resonanzfrequenz notwendig.Ansteuerung jedes einzelnen Spiegels notwendig.
LebensdauerAlterungseffekte von Laserdiode und Konverter.Alterungseffekte von Laserdiode und Konverter. Der DMD hat ein temperaturabhängiges Lebensdauerbudget [5].
TemperaturbereichAbhängig vom Laserdioden Betriebsbereich und "thermal quenching" des Konverters.Laserleistung trifft statisch auf einem Konverterpunkt auf.
Beanspruchung KonverterLaserleistung wird über den Konverter verteilt.Keine elektronische Pixelfehlererkennung.
Erkennung von FehlerpixelnErkennung des Stillstands des Spiegels möglich.Ausblendung durch Absorption [2].
LichtfunktionseffizienzAusblendung durch Abschalten der Lichtquelle.Keine Auswirkungen.
Auswirkung auf KamerabildAbhängig von der verschlusszeit der Kamera.Geringe Lichtstärke mit hoher Einwirkdauer.
AugensicherheitHohe Lichtstärke mit sehr kurzen Einwirkdauern,Mittlere Systemkomplexität, da DMD nicht zwischen Laser und Konverter angeordnet ist.
SystemkomplexitätHohe Systemkomplexität, da Ablenkeinheit zwischen Laser und Konverter.

3. Optik Parameter

In diesem Kapitel werden Anforderungen hinsichtlich der Auslegung des optischen Systems gestellt. Basis hierfür ist die Einordnung der Lichtfunktionen in Projektionsbereiche. Messungen haben gezeigt, dass eine Projektionsentfernung von 10 m vor dem Fahrzeug für die Darstellung der neuartigen Lichtfunktionen sinnvoll ist, da Sie für den Fahrer unabhängig von der Kopfposition immer erkennbar sind. Enden sollten die Projektionen bei 25 m damit eine Lichtverteilung dem entsprechenden Fahrzeug zugeordnet werden können. Da, abgesehen von Grafikprojektionen gegen eine Wand, die Projektionen auf die Straße erfolgen, sollte die Schärfeebene dementsprechend platziert werden. Dies kann beispielsweise durch Verkippen des bildgebenden Elements erfolgen. Im Fernlichtbereich und bei Projektionen gegen eine Wand wäre die Lichtverteilung dann jedoch außerhalb der Schärfeebene.

Üblicherweise werden Lichtsysteme symmetrisch in einem Fahrzeug verbaut. Für eine präzise Projektion in das Abblendlicht ist die Topografie der Straße und Fahrzeugdynamik zu berücksichtigen. Auf Basis dieser Daten kann zum einem die perspektivische Verzerrung und zum anderen die Überlappung von linker und rechter Scheinwerferlichtverteilung berechnet werden. Hierfür sind hochgenaue Sensordaten mit kleinsten Latenzzeiten notwendig. Wenn der linke und rechte Scheinwerfer in unterschiedliche Bereiche, wie Fernlicht oder Abblend-licht leuchtet oder jedem Scheinwerfer eine definierte Lichtfunktion zugeordnet wird ist das Problem einer inkorrekten Überlappung von linker und rechter Lichtverteilung vermeidbar.

4. Berechnungsverfahren

Zur Berechnung und Verzerrungskompensation der neuartigen Lichtfunktionen sind zahlreiche Sensorsignale zu berücksichtigen. Im folgenden Kapitel werden diese zunächst aufgelistet und erklärt. Die Sensordaten bilden die Eingangsgröße für die Durchführung eines Berechnungszyklus einer Lichtverteilung. Ein Berechnungszyklus besteht aus fünf einzelnen Berechnungsblöcken, wie auch aus Abbildung 1 ersichtlich wird:

Im ersten Block wird ermittelt ob eine Lichtfunktion aktiviert werden soll. Diese Aktivierung kann manuell oder automatisch erfolgen. Im zweiten Block wird für die jeweilige Funktion die entsprechende Perspektive bestimmt. Im dritten Block wird auf Basis der Topografie und der Objektdaten die Lichtverteilung berechnet. Im vierten Block erfolgt eine Überprüfung hinsichtlich der Sichtbarkeit einer Funktion. Im letzten Block wird die Lichtverteilung ausgegeben. Anschließend beginnt der Berechnungszyklus von neuem.

Abbildung 1: Verfahren zur Berechnung der Lichtverteilung neuartiger Lichtfunktionen

Im folgenden Abschnitt wird der eigentliche Berechnungsblock genauer erklärt. Zur Berechnung wird auf das Lochkameramodell, welches in Abbildung 2 zu sehen ist, verwendet.

Abbildung 2: Lochkameramodel nach [11]

Durch das Lochkameramodell kann die dreidimensionale Lichtverteilung auf der Straße in eine zweidimensionale Lichtverteilung auf der Bildebene mit den Bildebenekoordinaten u und v berechnet werden, sofern der Scheinwerfer als Punktlichtquelle angenommen werden kann. Für die Berechnung der Lichtverteilung auf der Bildebene werden mehrere Gleichungen benötigt die im Folgenden vorgestellt werden und der Quelle von Mariottini [11] entnommen sind. Es gibt zwei Lochkameraparameter. Der intrinsische Lochkameraparameter K ist wie folgt definiert:

Gleichung 1

Hierbei gibt ff den Abstand von Oc zur Bildebene an und zeigt auf den Referenzpunkt u0,v0 auf der Bildebene. Der Parameter γ ist der sogenannte „skew factor“ der auf 0 gesetzt werden kann, sofern die Pixel auf der Bildebene quadratisch sind. Die Koordinaten u0 und v0 beschreiben den Punkt bei dem die optische Achse ausgehend von Oc die Bildebene trifft.
Der extrinsische Kamera Parameter Π setzt Oc in Bezug zu den Weltkoordinaten:

Gleichung 2

Die Koordinaten der Punkte Qw müssen für die Transformation in homogenisierte Koordinaten Qw gemäß Gleichung 3, umgerechnet werden. Die eigentliche Transformation erfolgt gemäß Gleichung 4.

Gleichungen 3 und 4

Das Matrix Produkt ΠQw transformiert die homogenisierten Weltkoordinaten in Lochkamera-koordinaten. Anschließend werden die Lochkamerakoordinaten durch Multiplikation mit der Matrix K in die Bildebene transformiert:

Gleichung 5

Die daraus resultierenden Bildebenekoordinaten ui und vi können mit Gleichung 6 in Winkel umgerechnet werden:

Gleichung 6

Die Winkel können für eine beliebige Scheinwerfer Technologie in Pixelpositionen umge-rechnet, sowie in einem bestimmten Bild oder Videoformat gespeichert werden.
Basierend auf dem oben vorgestellten Berechnungsmodell sind nun beliebige Lichtverteilun-gen berechenbar. Hierbei werden drei Fälle unterschieden:
Im ersten Fall erfolgt die Berechnung einer Lichtverteilung ohne Berücksichtigung von Ob-jektdaten und einer perspektivischen Korrektur. Im zweiten Fall erfolgt die Berechnung einer Lichtverteilung anhand von Objektdaten die per Kamera detektiert werden. Im dritten Fall erfolgt die Berechnung einer perspektivisch korrigierten Lichtverteilung. Da eine komplette Darstellung den Umfang dieser Arbeit überschreitet wird darauf verzichtet alle drei Fälle im Detail zu beschreiben.

5. Fazit und Ausblick

Aus dem im Rahmen dieser Ausarbeitung durchgeführten Systemvergleich wird ersichtlich, dass jede Technologie unterschiedliche Vor- und Nachteile hat. Es ist offensichtlich, dass die Eigenschaften einer neuartigen Lichtfunktion, wie beispielsweise Auflösung, Kontrast und Effizienz von der jeweiligen Technologie abhängig ist. Jeder Entwickler muss also selbst entscheiden welche Technologie für seine Lichtfunktion am besten geeignet ist.

Es wurde gezeigt, dass bei neuartigen Lichtfunktionen die perspektivische Verzerrung zu berücksichtigen ist. Für eine korrekte Darstellung gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Die Lichtverteilung der Funktion ist so gewählt, dass Sie unabhängig von Blickwinkel die Anforderungen an die Bilddarstellung erfüllt. Denkbar sind hier beispielsweise einfache Formen wie Striche.
  2. Werden komplexere Formen verwendet, muss zur Berechnung der Lichtverteilung die Topografie der Projektionsfläche und die Augenposition des Beobachters berücksichtigt wer-den. Mit diesen Informationen ist es möglich über das in dieser Arbeit beschriebene Verfahren eine perspektivisch korrigierte Lichtverteilung darzustellen.

Neuartige Lichtfunktionen haben ein hohes Potential den Fahrer in seiner Spurführung und Wahrnehmungsaufgabe zu unterstützen. Gegenüber anderen Fahrerassistenzsystemen, wie Head-Up-Displays, bieten die Lichtfunktionen auch die Möglichkeit, die Sichtbarkeit von Objekten tatsächlich zu verbessern. Zudem können Lichtassistenz-Funktionen beim zukünftigen pilotierten Fahren dazu beitragen mit der Umwelt zu kommunizieren und zu interagieren.

Auf dem Weg zum hochauflösenden Scheinwerfer müssen jetzt zeitnah die Technologien in die Serie überführt werden. Derzeit forschen die Automobilhersteller und Zulieferer an der LCD [12], der DMD [13] und der Laserscanner Technologie [14]. Sobald eine entsprechende Technologie vorhanden ist, können dann die neuen Lichtfunktionen experimentell untersucht werden.

6. Literatur

[1] Huhn, W.; Gut, C.; Omerbegovic, S.; Haug, T.; Funk, C. (2015): The advanced ADB system of the new Audi Q7. In: Fudan University (Hg.): Proceedings. The 3nd International Forum on Automotive Lighting IFAL. Kunshan.
[2] Gut, C.; Rotscholl, I.; Neumann,, C. (2014): Theoretische Leistungs- und Effizienzana-lyse laserbasierter Pixellichtsysteme. In: VDI Wissensforum GmbH (Hg.): Tagungsband. Op-tische Technologien in der Fahrzeugtechnik. Karlsruhe, 06.05.2014. Düsseldorf: VDI Verlag.
[3] Texas Instruments Incorporated (2015): Datenblatt: DLP3000 DLP 0.3 WVGA Series 220 DMD. Dallas, zuletzt geprüft am 21.03.2016.
[4] Osram Opto Semiconductors: Datenblatt: Blaue Laser Diode 1.6 W in TO56 Bauform.
[5] Sontheimer, A. B. (2002): Digital Micromirror Device (DMD) hinge memory lifetime reli-ability modeling. In: 2002 IEEE International Reliability Physics Symposium Proceedings. 40th Annual. Dallas, TX, USA, 7-11 April 2002, S. 118–121.
[6] Deppisch, U. (2015): Benchmark von flächenmodulierten und strahlgeführten Schein-werfersystemen. Masterarbeit. Hochschule RheinMain, Wiesbaden Rüsselsheim.
[7] Gut, C.; Petersen, A.; Jahn, P.; Seitz, M.; Neumann, C.; Berlitz, S. (2015): Das ideale Licht: Mikromechanischer Matrix Laser Scheinwerfer. In: VDI Wissensforum GmbH (Hg.): Tagungsband. ELIV - Kongress zur Fahrzeugelektronik. Baden-Baden.
[8] Reinprecht, M.; Winterer, N.; Hartmann, P. (2015): Solution Paths Towards High-Resolution ADB-Systems. In: T. Q. Khanh (Hg.): ISAL 2015. 11th International Symposium on Automotive Lighting, Bd. 11. Technische Universität Darmstadt, S. 177–186.
[9] Götz, M.; Eichhorn, K. (2005): Optical Technologies for Future Headlamps. In: H. F. Schlaak (Hg.): 6th International Symposium on Automotive Lighting. Technische Universität Darmstadt. München: Herbert Utz Verlag Wissenschaft, S. 307–316.
[10] Kauschke, R. (2006): Systematik zur lichttechnischen Gestaltung von aktiven Schein-werfern. Dissertation. Universität Paderborn, Paderborn.
[11] Mariottini, G.L.; Prattichizzo, D.: The Epipolar Geometry Toolbox. Siena.
[12] Bundesministerium für Bildung und Forschung (01.04.2014): Volladaptive Lichtvertei-lung für eine intelligente, effiziente und sichere Fahrzeugbeleuchtung. Hesse, H.
[13] Bhakta, V.; Ballard, B. (2015): High resolution adaptive headlight using Texas Instru-ments DLP® technology. In: T. Q. Khanh (Hg.): ISAL 2015. 11th International Symposium on Automotive Lighting. Technische Universität Darmstadt, S. 483–494.
[14] Bundesministerium für Bildung und Forschung (01.08.2014): Intelligentes Laserlicht für kompakte und hochauflösende adaptive Scheinwerfer. Berlitz, S.

Ein Artikel von:

Dipl. Ing. C. Gut1,2, B. Sc. J. R. Vargas Rivero1, Dipl. Ing. S. Berlitz1, Prof. Dr. rer. nat. C. Neumann2

1Audi AG, Ingolstadt
2Karlsruher Institut für Technologie, Karlsruhe