Öl und Gas fürs Heizen weiter erste Wahl

Bei der Investition in eine neue Heizungsanlage setzen die Verbraucher in Deutschland auf Altbewährtes: Erdgas und Heizöl. Obwohl der Absatz an Wärmeerzeugern in diesem Jahr insgesamt gestiegen ist, setzten Anlagen, die erneuerbare Energien nutzen, ihren Abwärtstrend fort.

Im Heizungsmarkt geht es nach einem Rückgang im letzten Jahr wieder aufwärts. Wie der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) verkündet, wuchs der Absatz an Wärmeerzeugern in Deutschland in den ersten acht Monaten dieses Jahres um 6 % auf 434 000 Stück an.

Der positive Trend gilt allerdings nur für einzelne Bereiche. Die Verbraucher setzen lieber weiter auf das Altbewährte: Nach Erhebung des BDH entfallen 88 % der Neuanschaffungen auf Öl- und Gasheizkessel. Insgesamt wurden in diesem Jahr bis August 380 000 davon verkauft, was einem Plus von gut 8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Überwiegend griffen Heizungskäufer zur fortschrittlichen Brennwerttechnik, aber auch Heizkessel mit klassischer Niedertemperaturtechnik wurden verkauft (s. Kasten). Gegenüber dem Vorjahr konnten beide Technologien im Absatz zulegen. So wurden mit 255000 Stück rund 4 % mehr Gasbrennwertkessel und mit 35500 30 % mehr Ölbrennwertkessel abgesetzt. Bei der Niedertemperaturtechnik wurde mit 73000 Gasheizkesseln (+11 %) und 16500 Ölheizkesseln (+33 %) deutlich mehr als im Vorjahr verkauft.

Auch im Bestand dominieren fossile Energieträger: Rund 20,5 Mio. Heizungsanlagen liefern laut BDH hierzulande Wärme und Warmwasser im Gebäudesektor. Sie basieren zu über 90 % auf den Energieträgern Erdgas und Heizöl. Der restliche Anteil entfällt auf Strom und Biomasse.

Während sich der Absatz von Heizungen mit fossilen Energieträgern positiv entwickelte, setzten Wärmepumpen, die Solarthermie und Biomasseheizungen ihren Abwärtstrend des vergangenen Jahres fort.
Die Letzteren verzeichneten dabei den stärksten Einbruch. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sanken die Verkaufszahlen von Festbrennstoff-Zentralheizkesseln um 18 % auf 18 500 Stück. Der Absatz von Pelletskesseln nahm dabei um 19 % auf 8000 Stück ab. An Scheitholzkesseln wurden mit 8500 13 % weniger und an Hackschnitzelheizungen 36 % weniger (2000 Anlagen) verkauft.

'Der niedrige Ölpreis ist sicherlich der Hauptgrund, warum die Anlagenzahlen im Bereich erneuerbare Wärme in diesem Jahr rückläufig sind', bemerkt Anna Katharina Sievers, Leitung Kommunikation des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbandes (DEPV). 'Auch wenn Holzpellets momentan immer noch einen Preisvorteil von 15 % gegenüber Heizöl haben, scheuen viele Verbraucher den Heizungstausch bzw. setzen darauf, dass fossile Brennstoffe auch in Zukunft so günstig wie jetzt zu haben sind.'

Auch bei elektrischen Heizungswärmepumpen fiel der Absatz um 5 % auf 35 500 Stück. Betroffen waren alle Technologien von Luft-/Wasser-Wärmepumpen (-1 % auf 25 000 Stück) über erdgekoppelte Sole-/Wasser-Systeme (-16 % auf 7500 Geräte) bis hin zu Wasser-/Wasser- und sonstigen Systemen mit 3000 Ablagen (-6 %).

Trotzdem hat sich laut Karl-Heinz Stawiarski, dem Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP), die Zahl der Förderanträge für Wärmepumpen erhöht. 'Die Renaissance der Ölheizung zeigt auch: Die für den Umwelt- und Klimaschutz fatale Schieflage im Preisgefüge der unterschiedlichen Energieträger kann durch Investitionszuschüsse für erneuerbare Heizungen nur teilweise ausgeglichen werden. Hier müsste der Gesetzgeber gegensteuern.'

Auch die Solarthermie setzte ihren Abwärtstrend der vergangenen Jahre weiter fort. So wurden mit rund 540 000 m2 Solarkollektorfläche dieses Jahr rund 13 % weniger neu installiert. Auf dem Heizungsmarkt werde in diesem Jahr der Anteil an Investitionen, bei denen erneuerbare Energien integriert werden, um zwei Prozentpunkte auf nur noch 19 % sinken, schätzt BDH-Präsident Manfred Greis.

'Der Markt für erneuerbare Energien krankt', konstatiert der Verbandschef. 'Hier spielt der niedrige Ölpreis sicher eine Rolle.' So seien Pelletpreis und Ölpreis bezogen auf 1 kWh in etwa gleichauf. 'Das bedeutet einen Wettbewerbsnachteil für die Biomasse. Die Wärmepumpe leidet ein Stück weit unter dem nach oben tendierenden Strompreis.'

Der Rückgang der Solarthermie hängt laut Greis auch mit dem Imageverlust von Photovoltaik zusammen: 'Der Endverbraucher unterscheidet hier nicht', konstatiert er. Zudem gebe es auf deutschen Hausdächern eine Flächennutzungskonkurrenz. Viele Verbraucher hätten sich dabei gegen Wärme aus Solarkollektoren und für Strom aus Photovoltaik als Renditemodell entschieden. 'Hier müssen wir die Vorteile der Solarthermie wieder stärker kommunizieren', so Greis.

Im Frühjahr 2015 stockte die Politik das Marktanreizprogramm für Heiztechnik auf Basis erneuerbarer Energien schon deutlich auf. 'Natürlich dauert es einige Zeit, bis ein solches Programm greift', gibt der Verbandsmann zu bedenken. 'Die steigende Anzahl der Förderanträge werten wir jedoch als erstes positives Signal.'

Auch Anna Katharina Sievers vom DEPV ist überzeugt, dass sich die Entwicklung bis Ende des Jahres noch wenden könnte. 'Wir hoffen auf weiter steigende Bekanntheit der neuen Förderrichtlinien des Marktanreizprogramms und auf eine Marktverbesserung im letzten Quartal 2015.'

Bei der Wahl für einen neuen Heizkessel steht das Thema Effizienz seit dem 26. September 2015 automatisch im Vordergrund. Nach der ErP-Richtlinie (Energy-related Products) der Europäischen Union müssen Wärmeerzeuger Mindestanforderungen an die Energieeffizienz erfüllen. Für private Bauherren ist die Energieeffizienz sowieso das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung für ein Heizungssystem, noch vor Qualität und Preis. Zu diesem Ergebnis kommt die Jahresanalyse 2015/2016 des Marktforschungsunternehmens Bauinfoconsult.

Für die Zukunft setzt BDH-Präsident Greis Hoffnungen in Hybridsysteme. Bei der Modernisierung von Bestandsbauten könne z. B. eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe mit einem Öl- oder Gasheizkessel kombiniert werden. Eine intelligente Regelung sorge dabei für einen optimalen Betrieb, bei dem stets die günstigste Wärmequelle genutzt werde. Der fossile Energieträger käme so etwa nur noch an besonders kalten Tagen zum Einsatz, sagt Greis.

Autor des Artikels

Robert Donnerbauer