Ohne Sicherheit keine Industrie 4.0

Auf bis zu 60 Mrd. € pro Jahr schätzt der Verfassungsschutz den Schaden, den die deutsche Industrie durch Datendiebstahl erleidet. Bei Diskussionen um digitale Transformation und Industrie 4.0 ist daher die Sicherheit immer ein Top-Thema. Auch auf der am Montag startenden Hannover Messe.

Unternehmen und Maschinen kommunizieren sicher im Internet. Das ist das Fundament der digitalisierten Wirtschaft und der vernetzten Produktion. Doch in dem kleinen Wörtchen „sicher“ verbirgt sich eine gigantische Herausforderung, der sich Unternehmen derzeit stellen müssen.

„Die Cyberbedrohung darf nicht das Monster sein, das in der Ecke sitzt und darauf wartet herauszukommen“, sagt Henning Banthien, Leiter der Geschäftsstelle der Plattform Industrie 4.0. Vielmehr müssten die Unternehmen sich aktiv den digitalen Bedrohungen stellen.

Deren Zahl wächst stetig. Beispiel Industriesteuerungen. Gab es 2014 im Security-Threat-Report des Sicherheitsanbieters Symantec noch 35 erkannte Schwachstellen bei weltweit sieben Herstellern, konstatiert der aktuelle Bericht 135 Schwachstellen bei 74 Steuerungsanbietern. Und damit ist für den Symantec-Strategen Thomas Hemker klar: „Der sichere Betrieb solcher Anlagen ist nur durch fortgeschrittene IT-Security-Maßnahmen möglich und zu verantworten.“

Wer sich der digitalen Transformation nicht stellt, hat schon verloren

Ganz vorne stehen dabei die sichere Identifizierung und Authentifizierung der kommunizierenden Partner im Netz, seien es Maschinen oder Menschen. „Unternehmen fürchten vor allem einen Abfluss von Wissen, sprich: Wirtschaftsspionage“, unterstreicht der Plattform-Vertreter Banthien. Auf rund 60 Mrd. € schätzt der Verfassungsschutz den Schaden, der der deutschen Industrie durch Datendiebstahl jährlich entsteht.

Banthien weiß: Speziell der Mittelstand muss im Sinne der Sicherheit aufrüsten und braucht jetzt kostengünstige Lösungen von der Stange. Er ist deshalb neugierig auf die am Montag beginnende Hannover Messe.

Standardisierte Lösungen, die den vertrauensvollen Datenverkehr zwischen Unternehmen adressieren, entstehen derzeit im Industrial Data Space. „Wir wollen sicherstellen, dass derjenige, der die Daten generiert, auch im juristischen Sinne ihr Eigentümer bleibt und die Souveränität darüber besitzt, was andere mit diesen Daten machen dürfen“, erklärt Reinhold Achatz, Vorsitzender des Industrial Data Space e. V. Zu den bislang 22 Mitgliedern gehören Unternehmen vieler Branchen ebenso wie Forschungsinstitute und Verbände. Der Impuls ging zwar von Deutschland aus, aber für Achatz kann das Fernziel nur ein globaler Standard sein. „Sonst macht das Ganze keinen Sinn.“

Wer sich nicht der digitalen Transformation stellt, „hat faktisch schon verloren“, erklärte unlängst ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf. Kurzum: Angst machen gilt nicht. Die Industrie muss dem Monster Cyberbedrohung selbstbewusst ins Auge schauen.

Autoren des Artikels

Jens D. Billerbeck, Regine Bönsch