Online-Störungsdienst für die Therme

Heizanlagen für Privathaushalte übertragen neuerdings Diagnosedaten und Störungsmeldungen zum Wartungsfachbetrieb. Während die Hersteller deutliche Vorteile sehen, blickt die restliche Branche skeptisch auf die Neuerung.

In Privathaushalten wurden smarte Heizungen bisher vor allem unter dem Aspekt der Energieeffizienz beworben: Heizt man nur dann, wenn ein Raum oder eine Wohnung genutzt wird, lässt sich viel Energie sparen. Doch das Internet der Dinge kümmert sich in Zukunft auch um die Wartung im privaten Heizungskeller. Vernetzte Heizungsthermen übertragen automatisch Wartungs- und Diagnosedaten an zuständige Heizungsfachbetriebe. Aus einem Wartungsvertrag mit einem jährlichen Kundendiensttermin kann so eine ständige Fernüberwachung werden: Wenn der Fachmann den Kunden aktiv auf Störungen oder eine notwendige Reinigung des Heizkessels hinweist, soll das die Effizienz der Heizung optimieren.

Das Prinzip: Das Steuerungsgerät, das die Heizung kontrolliert, erfasst gleichzeitig alle Betriebszustände der Heizungsanlage. Gibt der Anlagenbesitzer den Onlinezugriff über ein sogenanntes Gateway frei, dann landen Betriebs- und Diagnosedaten der Heizung auf einem zentralen Server des Heizungsherstellers.
Ein beauftragter Fachbetrieb greift dann über spezielle Wartungsprogramme auf die Daten zu. So kann sich der Techniker ein Bild vom Zustand der Anlage machen, bevor er sich auf den Weg zum Wartungstermin beim Kunden macht.

Bei Störungen, so die Idee, sollen sich Fehler bereits vorab aus der Ferne lokalisieren lassen. Der Techniker könne gleich die passenden Ersatzteile zum Kunden mitbringen und damit Anfahrtskosten, Zeit und Geld sparen, so das Versprechen der Hersteller.

Ganz darauf verlassen kann man sich aber noch nicht: Laut Kevin Winkler vom Stuttgarter Fachbetrieb Raff Heizung + Sanitär basiert die Fernüberwachung etwa bei Junkers und Buderus auf einem selbstlernenden System. Es gleicht also Diagnosemeldungen mit den tatsächlich vorliegenden Störungen ab und soll so Schritt für Schritt zuverlässiger werden. Anders ausgedrückt: Die Fernwartung übermittelt Hinweise, aber nicht unbedingt sichere Fehlermeldungen.

'Die Fernüberwachung der Heizungsanlagen ist längst überfällig', sagt Heizungsexperte Winkler. In größeren Anlagen wie Blockheizkraftwerken mache die Kontrolle übers Netzwerk den Betrieb sicherer und damit rentabler, berichtet er. Das gilt seiner Meinung nach auch für fernüberwachte Thermen und Heizkessel. 'Die zusätzlichen Kosten für den Fernzugriff müssen wir natürlich an die Kunden weitergeben.'

Während die Fernbedienung der Heizung über Apps meist kostenlos ist, kostet die Fernwartung bares Geld: Der Zugriff auf alle Ferndiagnosedaten erfolgt über separate Apps oder Webportale der Hersteller für Fachbetriebe. Bosch Thermotechnik verlangt dafür zum Beispiel pro überwachter Anlage und Jahr knapp 20 Euro.

Konkurrent Vaillant bietet den Fernzugriff für Fachbetriebe in zwei kostenpflichtigen Modellen: 'Profidialog basic' liefert dem Wartungsfachmann alle Informationen für die Fernwartung. Im teureren 'Profidialog plus' übernimmt der Vaillant-Werkskundendienst Auswertung und ferngesteuerte Einstellung der Anlage. Der Fachbetrieb erledigt nur noch Vor-Ort-Aufgaben, auf die ihn der Vaillant-Service vorbereitet. Geschäftspartner gegenüber dem Kunden bleibt aber der örtliche Fachbetrieb, so Vaillant-Sprecher Jens Wichtermann.

Die neue Technologie bringt für Hersteller aber auch den direkten Draht zum Kunden. Die Handwerksbetriebe werden damit austauschbarer, denn Kundendaten sowie Reparaturhistorie liegen beim Hersteller und nicht beim Installateur.

Eine herstellerunabhängige Alternative für die Fernwartung bietet die nachrüstbare, vernetzte Heizungssteuerung des Herstellers Tado. 'Tado Care' soll laut Hersteller 95 % aller neuen und älteren Heizungstypen steuern und fernüberwachen können. Tado bietet Fachbetrieben ein etwas anderes Geschäftsmodell als die Heizungshersteller: Der Zugriff ist für das Partnerunternehmen kostenlos, der Installateur muss seinem Kunden allerdings die Tado-Steuerung mit Fernzugriff verkaufen. Der Fachbetrieb trägt die Kundenanlage im Tado-Care-Portal ein und hat dort auch Zugriff auf die Betriebsdaten der betreuten Heizungen - auch hier liegen die Kundendaten beim Hersteller des Systems.

Der Kunde schließt hier immer noch einen Wartungsvertrag ab, profitiert aber zusätzlich von der Energieersparnis durch die optimierte Heizungssteuerung. Im vergangenen Winter lief Tado Care im Probebetrieb. Auch hier gibt es also noch wenig Erfahrungen.

Sogar Heizungsexperte Winkler räumt ein, dass man sich in seiner Firma bisher noch keine Gedanken über neue Wartungsverträge gemacht hat. Ob und wie viel Geld man durch Ferndiagnose bei der Wartung spare, lasse sich noch nicht überblicken.

Wartungsverträge müssen neu verhandelt werden

Die Vernetzungstechnik für Heizungen steht also noch am Anfang. Die neuen Systeme und Geschäftsmodelle müssen sich in den nächsten Heizperioden bewähren. Darüber, dass Geschäftsbeziehungen zu Endkunden den Fachbetrieben überlassen werden, freuen sich diese, darüber, dass die Nutzung der Wartungsplattformen regelmäßige Zusatzkosten verursacht, dagegen eher weniger.

Gut ausgelastete Fachbetriebe haben in der Regel andere Sorgen, als die Konditionen ihrer Wartungsverträge neu kalkulieren zu müssen. Doch ohne sie lässt sich die neue Technik kaum durchsetzen. Ein Modell, das komfortableren Service zum gleichen Preis wie bisher bietet, wäre hier sicher leichter zu vermitteln. Doch das ist derzeit nicht in Sicht.

Auch Endkunden ließen sich von einem verbesserten Service zu fairen, transparenten Konditionen wohl am einfachsten überzeugen.

Autor des Artikels

Reinhard Otter