Praxishilfen für moderne Stahlverbundbrücken

Das Weiterentwickeln der Stahlverbundbauweise im Brückenbau verfolgt drei Ziele: Ihre Robustheit zu gewährleisten, Störungen im Bauablauf zu vermeiden und die entsprechenden Regelungen so zu gestalten, dass sie das zukünftige Bauen erleichtern. In diesem Sinne werden zunächst Entwurfshilfen und Richtzeichnungen im Rahmen eines Forschungsauftrags des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) erstellt.

"Unser erstes Aufgabenpaket führt zu insgesamt 22 Zeichnungen, die Planer in ihrer täglichen Arbeit unterstützen", erklärt Dipl.-Ing. Ralf Schubart EWE von Meyer+Schubart - Partnerschaft Beratender Ingenieure VBI mbB. "Sie klären nach dem derzeitigen Stand der Technik reale Sachverhalte, die bislang nicht geregelt waren. Sie stellen aber keine alternativlosen Lösungen dar." Im Einzelfall kann also davon abgewichen werden, wenn sich dies zum Beispiel mit konkreten Erfahrungen, verbesserten Technologien oder der Situation vor Ort begründen lässt.

Abbildung 1: Beispiel einer der neuen Richtzeichnungen RE-ING für Verbundbrücken. Quelle: Meyer+Schubart - Partnerschaft Beratender Ingenieure VBI mbB

Unter anderem machen neue Vorgaben für das Ausführen von Schweißnähten bei dichtgeschweißten Hohlkästen dazugehörige Ausführungshilfen notwendig. Das gilt auch für Fahrbahnplattenabstützungen mit Kragarmen und Schrägstreben. Mit den aktuellen Zeichnungen werden somit Details und Lösungsvorschläge erarbeitet, die die Vorschriften erfolgreich in die technische Praxis überführen sollen:

  • 19 Entwurfshilfen für Stahlverbundbrücken zur Richtlinie für den Entwurf, die konstruktive Ausbildung und Ausstattung von Ingenieurbauten (RE-ING). Sie gelten für Ingenieurbauwerke in der Baulast des Bundes gemäß DIN 1076. Gleichzeitig bündeln sie die Entwurfs- und Konstruktionsanforderungen für Bundesfernstraßen und sind ein umfassendes Werk für Ingenieurbauwerke, das auch Verstärkungsmaßnahmen an Bestandsbauten umfasst.
  • Richtzeichnungen für Ingenieurbauten (RiZ-ING) mit nun drei neuen Abbildungen für Stahlverbundbrücken. Die RiZ-ING sind Teil der vom BMVI herausgegebenen Regelwerke für den Brücken- und Ingenieurbau der Bundesfernstraßen. Dafür stellen sie Vertragsbestandteile dar. Die RiZ-ING geben den jeweiligen Stand der Technik wieder und werden regelmäßig fortgeschrieben.

"Die kommenden Schritte des BMVI-Forschungsauftrags umfassen einerseits Angaben über zu bevorzugende Schalungssysteme, beispielsweise statt Schalwagenstühlen fortschrittlichere Schalwagenlösungen einzusetzen. Andererseits geht es um Verschubeinrichtungen für den Einschub von Großbrücken", so Ralf Schubart. Geplant ist, über das Gesamtprojekt im Stahlbaukalender 2021 vollständig zu berichten. Einblicke in ausgewählte Beispiele, Hintergründe sowie neue Entwicklungen gewährt bereits der Vortrag "Moderne Bauweisen im Verbundbrückenbau" bei der 4. VDI-Fachkonferenz "Zukunftsprogramm Brückenmodernisierung" 2019.

Referent:
Dipl.-Ing. Ralf Schubart EWE, Beschichtungsinspektor, Prüfer für bautechnische Nachweise im Eisenbahnbau, Meyer+Schubart - Partnerschaft Beratender Ingenieure VBI mbB, Wunstorf