Produktentwicklung mit TRIZ - mehr Wahlmöglichkeiten in kürzerer Zeit

Meist muss alles schneller gehen. Zügig werden neue Ideen für neue Produktkonzepte gebraucht. Doch unter Druck fällt es vielen Menschen schwer, gänzlich neue Ideen für die Lösung von Entwicklungsaufgaben zu finden. Daher greifen sie meist auf bewährte Lösungskonzepte zurück. Diese wiederholen dann oft ähnlichen Ansätze und machen die Auftraggeber nicht unbedingt glücklich. Die Innovationsmethodik TRIZ (Theorie des erfinderischen Problemlösens) kann helfen, diese Abwärtsspirale umzukehren. Ihre Werkezuge und Methoden bilden einen systematischen Leitfaden, um gezielt technische Fragestellungen kreativ zu beantworten. Sie hilft das eigene Denken in neue Bahnen zu lenken.

Erfinderisches Denken für neue Produkte

Genrich Altshuller, der Begründer der Theorie des erfinderischen Problemlösens (kurz genannt TRIZ) verfolgte das Ziel, das erfinderische Denken allen Menschen zugänglich zu machen.

In seiner Laufbahn als Patentoffizier und Wissenschaftler analysierte er ca. 200.000 Patente, aus denen etwa 40.000 als so genannte Durchbruchspatente herausstachen. Er sammelte die in diesen Durchbruchspatenten beschriebenen Lösungsansätze und wertete sie der Häufigkeit nach aus. Ihm fiel dabei auf, dass es bei disruptiven Erfindungen den Menschen gelang, einen bis dato bestehenden Widerspruch zu lösen. Diese Erkenntnisse führten ihn zu der Idee, den Erfindungsprozess zurückzuverfolgen und Anleitungen und Instrumente zu entwickeln, die Lösungssuchende unterstützen, systematisch und zügig an ihr Ziel zu kommen.

Der so entstandene Baukasten an Werkzeugen und Methoden ist genauso umfangreich wie auch die technischen Entwicklungen in ihren Entwicklungsschritten verschiedenartig sind und auf unterschiedliche Weise vorangetrieben werden. So reichen Sie beispielsweise von einem Algorithmus der erfinderischen Problemlösens zur Bearbeitung von Aufgaben in Bestandssystemen bis hin zu Denk-Anleitungen für Zukunftsprodukte.

Kreative Potenziale effektiver ausschöpfen

Die TRIZ Werkzeuge und Methoden machen den Entwicklerinnen und Entwicklern ihre Arbeit wesentlich leichter.

Zu Beginn einer Aufgabenbearbeitung zeigt die systematische Vorgehensweise auf, wie eine genaue Analyse der Aufgabenstellung durchzuführen ist, um die zu betrachtende Fragestellungen einzugrenzen.

Diese Fokussierung der Fragestellung hilft unserem Gehirn den internen Suchprozess nach Lösungen effektiver zu gestalten: so werden Erinnerungen gezielt angestoßen und auf die Aufgabe übertragbare Assoziationen frei. Sind die ersten spontanen Ideensalven abgefeuert, entsteht meist eine gewisse Ratlosigkeit und Müdigkeit, weil viele der genannten Ideen den bekannten Denkmustern entsprechen und meist bekannte Erfahrungen wiedergeben.

Jetzt helfen die Lösungswerkzeuge von TRIZ: Das Gehirn erhält z.B. durch die Innovativen Grundprinzipien neue Denkanreize, die zu neuartigen Ideen führen können. Allerdings fordert „neuartiges Denken“ viel Vorstellungskraft – also Energie für das Umstelldenken und immer wieder neue, fordernde gedankliche Assoziations- und Suchprozesse. Daher liegt in dieser Phase die größte Herausforderung darin, dass die Anwenderinnen und Anwender durchhalten und am Ball bleiben.

TRIZ fördert Lean Innovation

Doch die Mühe lohnt – innerhalb kurzer Zeit sorgt das systematische Vorgehen bei der Analyse und die auf erfolgreichen Durchbruchserfindungen beruhenden Lösungsimpulse für ein umfangreiches Arsenal an Informationen und zielführenden Ideen. Anwender aus der Industrie berichten regelmäßig davon, dass der frühzeitige Einsatz von TRIZ-basierten Methoden primär wertvolle Zeit spart und die oft so teuren Entwicklungsschleifen drastisch reduziert. Entscheidungen können so auf Basis einer größeren Anzahl von vielversprechenden Optionen getroffen werden.

Die TRIZ Methodik ist dabei auf keine Branche spezialisiert und die Werkzeuge und Methoden lassen sich sowohl für B2C als auch für B2B Aufgaben einsetzen. Die Universalität der TRIZ Methodik liegt darin, dass durch die TRIZ-Brille Systeme als Funktionen-ausübende Systeme betrachtet werden.

Diese lösungsneutrale, funktionsorientierte Sichtweise von TRIZ bewirkt, dass die Beteiligten mit mehr Objektivität die Ausübung der Funktionen der Systeme analysieren und bewerten können. Auf diese Weise werden Weiterentwicklungen, mit denen auch organisationale Veränderungen verbunden sein können, leichter besprechbar. 

Sind die Handlungsrichtungen für Verbesserungen oder Weiterentwicklungen lokalisiert, werden systematisch neue Lösungsmöglichkeiten bearbeitet und so Schritt für Schritt neue Ideen gefunden.

Diese Objektvierung macht es auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Kunden- und Lieferantenunternehmen einfacher, im Austausch und Miteinander nach neue Ideen zu suchen. Aus diesem Grund nehmen an TRIZ-Workshops zunehmend mehr Mitarbeiter/innen aus Einkaufsabteilungen, dem Vertrieb, Marketing und New Business sowohl aus Kunden- als auch Lieferantenunternehmen teil, um so zusammen neue Produktkonzepte zu erarbeiten.

Anders ausgedrückt könnte man auch feststellen, dass das Assoziationsvermögen der anwesenden Gehirne mit jeder hinzukommenden Profession signifikant steigt. Denn die TRIZ Methodik setzt darauf, die Problemstellungen zu abstrahieren, um so die Lösungssuche in anderen Bedeutungs- und Anwendungszusammenhängen zu erleichtern. Dadurch wächst die Möglichkeit Best Practice Erfahrungen aus anderen Bereichen und Branchen auf die eigene Aufgabenstellung zu übertragen. 

TRIZ gibt Orientierung für die Zukunftsgestaltung

Produktentwicklungen werden meist ausgehend von zwei verschiedenen Startpunkten angegangen:

  • ausgehend vom Bestandsprodukt – im Sinne einer Weiterentwicklung
  • ausgehend vom Kundenwunsch – im Sinne einer Bedarfserfüllung

Anregungen aus Kundenwünschen verursachen meist schon bei der ersten Diskussion von Lösungsideen widersprüchliche Ansichten. Daher werden hier meist mit Werkzeugen wie den Technischen und Physikalischen Widersprüche und Stoff-Feld-Modellen die Wünsche in Fragestellungen übersetzt und der Suchfokus weiter eingegrenzt. Anschließend werden die Aufgaben mit Hilfe der Innovativen Grundprinzipien, Separationsprinzipien sowie der Standardlösungen gelöst.

Ausgehend vom Bestandsprodukt wird meist die Funktionsanalyse dazu genutzt, die Anzahl der Komponenten bei Funktionserhalt zu reduzieren oder auch weitere Funktionen hinzuzufügen. Zu dem kommen hierbei auch die Entwicklungstrends technischer Systeme zum Einsatz, welche typische Entwicklungslinie technischer Systeme aufzeigen.

Innovationskraft durch TRIZ

Alle TRIZ Bausteine können auf das Produkt als Gesamtsystem, für Baugruppen bis hin zu einzelnen Bauteilen angewendet und jeweils die Weiterentwicklungsansätze analysiert und zahlreiche neue Ideen gesammelt werden.

Die meisten Ideen zur Weiterentwicklung von Produkten werden jedoch auf den ersten Blick von Widersprüchen flankiert. Diese „ja, aber“-Situationen führen bei unkundigen Beteiligten meist zur Ablehnung der neuen Ideen. Doch TRIZ-Anwender wissen, dass sie Technische und Physikalische Widersprüche lösen können.

Haben sie diese iterative Arbeitsweise verinnerlicht, steht einer angeregten Ideenentwicklung nichts mehr im Wege.

Durch die Nutzung der TRIZ Methoden und Werkzeuge verliert der Produktentwicklungsprozess seine Zufälligkeit und die Abhängigkeit von einzelnen Erfinderinnen und Erfindern. Interdisziplinär zusammengestellte Arbeitsgruppen profitieren in der TRIZ Anwendung von ihren verschiedenartigen Hintergründen und können sich gegenseitig anregen und bereichern.

VDI Richtlinie „Erfinderisches Problemlösen mit TRIZ“

In den bereits erschienenen Blättern der VDI TRIZ Richtlinie ist eine Übersicht aller TRIZ Werkzeuge enthalten und es sind die verschiedenen TRIZ Methoden und Werkzeuge beschrieben und auch Empfehlungen für deren Einsatzmöglichkeiten benannt.

Hinweis auf VDI-Richtlinie: VDI 4521 Blatt 1 Erfinderisches Problemlösen mit TRIZ - Grundlagen und Begriffe

Autorin des Artikles

Barbara Gronauer

Frau Gronauer ist Geschäftsführerin des Unternehmens StrategieInnovation.