Resilienz – das „must-have“ für beruflichen Erfolg

Resilienz – nicht nur in den Materialwissenschaften wichtig

In den meisten Unternehmen und Organisationen ist die psychische Gesunderhaltung mittlerweile zu einer strategischen Kernaufgabe geworden. Alleine das Thema BurnOut-Prävention ist heute eine Leitplanke modernen Managements und steht hoch im Kurs bei Mitarbeiterführung und Personalentwicklung. Nicht ohne Grund, wenn man sich aktuelle Studien ansieht: neben den persönlichen Belastungen und Schicksalen der Menschen spielen unternehmerische Kosten aufgrund stressinduzierter Minderleistung eine enorme Rolle und führen zu messbaren Produktivitätseinbrüchen. Daher wird immer häufiger die Frage danach gestellt, wie solchen destruktiven Effekten gegengesteuert werden kann. Dabei wird bilateral gefragt: was kann zum einen das Unter-nehmen leisten, um stressbe-dingtem Produktivitätsabfall zu begegnen? Das ist die Frage nach den organisationalen gesundheitsförderlichen Rahmenbedingungen, was in letzter Konsequenz meist strukturelle Anpassungen erfordert. Zum anderen wird aber auch danach gefragt, was der Einzelne selbst dazu beitragen kann, um mit den sich drastisch wandelnden Gegebenheiten besser, d.h. gesunderhaltend umgehen zu können. Diese letzte Frage zielt auf das Thema der inneren Widerstandskraft – also Resilienzkompetenz.

Warum es sich lohnt, persönlich in Resilienzkompetenz zu investieren

„Woran erkennt man eigentlich resiliente Menschen?", werde ich oft gefragt. Und die Antwort darauf ist gar nicht so einfach. Generell kann man sagen, dass resiliente Menschen irgendwann einmal kluge Strategien entwickelt haben, um intelligent mit den Belastungen und Ärgernissen des (beruflichen) Alltags umgehen zu können, ohne zu sehr an die eh schon knappen energetischen Ressourcen zu gehen oder diese sogar aufzubrauchen zu müssen. Wenn Menschen den Zustand der „mentalen Erschöpfung" spüren, wenn sie dünnhäutig und zunehmend gereizt werden, wenn ihnen keine Energie mehr für private Aktivitäten und intensive persönliche Kontakte mehr zur Verfügung stehen, wenn sich erste körperliche Signale wie Herz-Kreislauf-Probleme, Magen- und Darmprobleme oder sogar vom Hausarzt schon eine Auszeit empfohlen wurde, dann wird es höchste Zeit, sein inneres Energiemana-gement auf Effizienz hin zu überprüfen. Denn solche Signale sind meist erst der Anfang eines mentalen Erschöpfungsprozesses, der immer schneller ablaufen und konsequenzen-reicher sein wird. Resiliente Menschen erkennen früh solche Alarmzeichen destruktiver Entwicklungen und setzen zielgerichtet Gegenstrategien ein, um gar nicht erst den point-of-no-return zu erreichen. Sie haben kluge und günstige Strategien entwickelt und automatisiert, die ihnen helfen, die entstehende mentale Disbalance sofort wieder zu korrigieren und sich trotz hoher Belastungen motiviert, engagiert und vor allem psychisch gesund den Herausforderungen des Business zu stellen.

Die beliebte Frage: lässt die Resilienz eigentlich trainieren?

Die aktuelle Stressforschung weist ganz klar nach, dass sich Resilienz bzw. Resilienzkompetenz wie ein Muskel trainieren lässt. Und das geht sogar schneller, als mancher glaubt. Vorausgesetzt, man setzt die richtigen Hebel an und entwickelt für sich akzeptable und wirksame Strategien. Im Grunde geht es um die Führung der eigenen Person, also um die intelligente Navigation durch das eigene Selbst. Die Frage, die sich daraus ableiten lässt lautet: wie steuere ich meine inneren (also mentalen) Prozesse so klug, dass ich möglichst ressourcenschonend durch die Wirrungen und Anforderungen des (beruflichen) Alltags navi-gieren kann? Wenn Sie also merken, dass Sie nicht mehr ressourcenintelligent mit sich umgehen und mittlerweile einen hohen Preis für Ärger, Frustration oder Ungelassenheit bezahlen, dann wird es höchste Zeit, eine individuelle Resilienzstrategie zu entwickeln.

Und wie lässt sich Resilienzkompetenz trainieren?

Wir müssen unterscheiden zwischen Gelassenheitsstrategien, die unmittelbar nach einem Stressorereignis ansetzen und uns helfen, nach einem Ärgermoment wieder rasch einen klaren Kopf zu bekommen und solchen, die uns befähigen, gar nicht mehr in Ungelassenheit zu geraten. Zu den ersteren Strategien zählen alle geläufigen Coping-Strategien wie die geführte Atemtechnik, aktive Selbstberuhigung, Autosuggestion, Meditation u.v.m. Diese Strategien nutzen Selbstkontrollmechanismen und unterdrücken schädliche Emotionen. Deren Ziel ist es, den in Disbalance geratenen Organismus wieder zu stabilisieren und ein mentales Gleichgewicht wieder herzustellen. Zu Letzteren zählen Selbstregulationsansätze, die eher auf eine langfristige und nachhaltige Gelassenheitsstrategie abzielen. Sie fokussieren darauf, gar nicht mehr erst in Ungelassenheitszustände zu geraten. Es hängt vom aktuellen Zustand des Individuums ab, welcher der beiden Ansätze wirksamer ist, meist hilft auch eine kluge Kombination beider, bis sich neue Stressbewältigungsautomatismen etabliert haben. Während Copingstrategien rasch erlern- und einsetzbar sind, benötigen Selbstregulationsstrategien etwas mehr Trainingsaufwand. Doch dieser lohnt sich. Denn Sie wollen bestimmt nicht ein Leben lang Impulse unterdrücken müssen, sondern wollen irgendwann gar nicht mehr in Disbalance geraten. Damit werden enorme Lebensenergien frei und es steigert die subjektiv empfundene Lebensqualität drastisch.

Selbstregulation ist wie ein Regelkreis mit Steuerungsparametern

Selbstregulation, also die gezielte Einflussnahme auf Prozesse des Selbst, kann man sich gut vorstellen wie einen Ist-Soll- Abgleich. Der anzustrebende Zielzustand ist die balancierte, sich im mentalen Gleichgewicht befindliche Person. Also muss man sich die Frage stellen, welche Parameter im Selbst zu variieren sind, damit der Gleichgewichtszustand erreicht werden kann. Und diese Parameter definiert die psychologische Persönlichkeitsforschung ganz klar: zum einen kann man Einfluss nehmen auf das eigene Selbstkonzept, also diejenigen Vorstellungen darüber, wie man im sozialen Umfeld wahrgenommen werden möchte. Zum anderen lässt sich das eigene Denken systematisch so variieren, dass bislang destruktive Gedankenmuster ersetzt werden durch ressourcenschonende. Darüber hinaus können Emotionen derart kanalisiert werden, dass sie keine destruktiven Wirkungen erzeu-gen. Schließlich kann die Ebene der Entscheidungen, die sich aus dem Selbstkonzept, der Gedankenroutinen und den Emotionen ergibt, professionell reguliert werden. Wenn dieser gesamte Prozess intelligent geführt und bewusst gesteuert wird, dann resultiert daraus ein hochprofessionelles, souveränes Auftreten und Kommunizieren. Und genau das brauchen Sie, wenn Sie in Meetings unter Beschuss geraten, in Verhandlungen Druck von der Gegenseite aufgebaut wird und Sie sich in schwierigen Gesprächen durchsetzen und behaupten müssen, damit Sie Ihre Ziele auch wirklich erreichen.

Fazit: Sie können das Outer Game erst dann gewinnen, wenn Sie Ihr Inner Game bereits gewonnen haben

Das Outer Game, also Ihre kommunikative Stärke und rhetorische Kompetenz, wird sich nur dann wirksam entfalten können, wenn Sie im Inneren bereits stabil aufgestellt und aufgeräumt sind. Die meisten Menschen drehen diese Reihenfolge leider um: sie besuchen zum x-ten Male irgendwelche Kommunikations,- Verhandlungs- und Rhetorikseminare und stellen später erst fest, dass der eigentliche Schlüssel zum Kommunikationserfolg in einem stabilen, d.h. professionell reguliertem Selbst liegt. Denn erst wenn Sie Ihr Inner Game, also Ihre Resilienzkompetenz, gewonnen haben, werden Sie auch leicht und mühelos das Outer Game gewinnen. Und nicht anders herum.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Regulation Ihres Selbst.

Ihr

Informationen zum Autor

Marc-Stephan Daniel ist Naturwissenschaftler und Organisationspsychologe (univ.). Seine Arbeits-schwerpunkte sind strategische Kommunikation im kompetitiven Umfeld sowie die Entwicklung von Resilienzkompetenz.


www.marcstephandaniel.com