Safety First – Neue Standards für autonome Autos

Führende Unternehmen aus dem Automobil- und Mobilitätsbereich veröffentlichen erstmals Rahmenbedingungen zur Sicherheit von automatisierten Fahrzeugen SAE Level 3 und 4.

Der Weg bis zum automatisierten Fahren stellt höchste Ansprüche an die Sicherheit des Gesamtsystems, bestehend aus Software, Komponenten und Backend. Führende Unternehmen aus dem Automobil- und Mobilitätsbereich haben dazu vor wenigen Wochen das White Paper “Safety First for Automated Driving” (SaFAD) veröffentlicht. Das Ziel lautet, gemeinsam Rahmenbedingungen zur Sicherheit von automatisierten Fahrzeugen SAE Level 3 und 4 zu schaffen und diese permanent weiterzuentwickeln. Über den aktuellen Diskussionsstand und weitere Schritte berichten Christian Knobel, Domain Manager Architecture bei der BMW Group, Matthew Wood, Safety Lead bei Aptiv, und Siyuan Liu, Project Lead bei Baidu, auf dem Internationalen VDI-Kongress ELIV (Electronics In Vehicles) am 16.-17. Oktober 2019 in Bonn.

Abb. 1: In einem urbanen On Demand Mobility-Szenario demonstriert ein BMW 7er, wie Hochautomatisierung (Level 4) die individuelle Mobilität der Zukunft verändern kann.

„Die vor uns liegenden Herausforderungen kann keiner der beteiligten Partner alleine lösen – weder Zulieferer oder Technologiepartner noch die OEMs“, unterstreicht Dr.-Ing. Knobel. Gefragt seien stattdessen gemeinsame Anstrengungen, um einheitliche Rahmenbedingungen für Verifizierung und Validierung zu schaffen. Schon vor einem Jahr auf der ELIV Marketplace wurde über die Idee intensiv diskutiert – auf dem diesjährigen ELIV-Kongress nun liegt das konkrete White Paper vor, an dem Aptiv, Audi, Baidu, BMW, Continental, Daimler, Fiat Chrysler Automobiles, HERE, Infineon, Intel und Volkswagen mitgewirkt haben.

„Safety by design“

Abb. 2: Pickup des selbstfahrenden Autos. Das autonome Fahren von morgen birgt vollkommen neue Komfortfunktionen.

Das Ziel des SaFAD white paper ist es zu betonen, wie wichtig „safety by design“ sowie Verifizierung und Validierung sind, wenn es darum geht, als Industrie einen Standard für das automatisierte Fahren zu schaffen. Erstmals bietet SaFAD Entwicklern und Betreibern automatisierter Fahrzeuge ein System klarer Nachvollziehbarkeit, von der grundsätzlichen Anforderung „sicherer als der durchschnittliche Fahrer“ bis zu den im Fahrzeug und Backend verwendeten Komponenten wie zum Beispiel Kameras oder Lenksysteme. Es stellt außerdem erstmals eine Zusammenfassung der „safety by design“, Verifizierungs- und Validierungs- Methoden von Level 3 und Level 4 nach SAE (J3016) automatisierten Fahrzeugen dar.

Die Grundlage des SaFAD white papers bilden zwölf Grundprinzipien, welche weiter verfeinert die Eigenschaften („capabilities“) automatisierter Fahrzeuge definieren. Die Komponenten im Fahrzeug und Backend („elements“) die diese „capabilitites“ ermöglichen, werden durch eine generische Architektur vernetzt. „Dabei wollen und können wir gar nicht einen Maximalstandard schaffen, sondern einen gewissen Rahmen setzen, der schließlich in einigen Jahren in eine Standardisierung münden soll“, erklärt der ELIV-Referent weiter.

Abb. 3: Die Autoren des White Paper “Safety First for Automated Driving” (SaFAD).

Updates sollen rasch folgen

Lokalspezifische Besonderheiten würden immer bestehen bleiben und ließen sich nicht durch globale Standards ersetzen, ebenso wenig wie implizite Verkehrsregeln zum Beispiel der Paragraph 1 der deutschen Straßenverkehrsordnung („Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“), erklärt Knobel weiter:  „Unser Ziel mit dieser Veröffentlichung war es, möglichst rasch einen ersten Entwurf zur Diskussion vorzulegen. Sicherlich werden noch eine Reihe von Updates folgen. Gleichzeitig möchten wir den Kreis der beteiligten Unternehmen stetig erweitern, um mit allen beteiligten Partnern weltweit in einen konstruktiven Dialog zu treten.“ Schon 2020 könne es – dann mit erweitertem Teilnehmerkreis – dazu eine aktualisierte und ergänzte Version des White Paper geben.

Über die ELIV

Der Internationale VDI-Kongress ELIV (Electronics In Vehicles) findet am 16. und 17. Oktober 2019 in Bonn statt.

Dr.-Ing. Christian Knobel ist Domain Manager Architecture bei der BMW Group. Er und seine Kollegen sowie zahlreiche weitere Experten von OEMs, Zulieferern und Hochschulen referieren hier über wichtige Trends, Entwicklungen und Neuheiten. Ergänzend zu den Fachvorträgen können sich Teilnehmer in der begleitenden Fachausstellung bei 145 Zulieferern und weiteren Dienstleistern über neue Produkte und Services informieren.

Mehr Informationen zur ELIV 2019.