„Schnittstellen zwischen Technik und Wirtschaft …“

Als Ingenieur finden Sie technische Lösungen für komplexe Herausforderungen. Leider ist es
nicht ausreichend, Probleme aus rein technischer Sicht zu betrachten.Jedes Unternehmen muss auf die Wirtschaftlichkeit einer Investition oder einer neuen Technik achten. Das Problem dabei ist: Ingenieure und Ökonomen sprechen dabei nicht immer dieselbe Sprache. Um die Schnittstelle zwischen Technik und BWL zu verstehen und Lösungen zu finden, die beide Bereiche betreffen, ist betriebswirtschaftliches Fachwissen unabdingbar.

So können Sie technische Fragestellungen mit kaufmännischer Kompetenz lösen, über Abteilungsgrenzen hinausschauen und unterschiedliche Interessen dabei berücksichtigen. Viele Ingenieure lassen sich durch das „BWL Fach-Chinesisch“ zu schnell entmutigen. Dabei ist es gar nicht so schwer die grundlegenden betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen Ihrem Unternehmen und Ihren Produkten und Dienstleistungen zu verstehen. Sobald man einmal die Grundlagen und die Grundbegriffe verstanden haben, lassen sich die Zusammenhänge sehr schnell erklären.

BWL Wissen ist unerlässlich

Betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind heute für Ingenieure/-innen unverzichtbar. In allen
betrieblichen Bereichen wird streng auf Kosten geachtet. Dies beginnt beim Einkauf, geht über
die Entwicklungsabteilungen hin zu Konstruktion und Produktion, bis hin zum Marketing und
technischen Vertrieb. Ebenso ist für jede Führungskraft betriebswirtschaftliches Wissen ohnehin
unerlässlich.

Die gute Nachricht: Als Ingenieur benötigen Sie lediglich einfache betriebswirtschaftliche
Grundlagen. Damit können Sie bereits fast alle betriebswirtschaftlichen Probleme lösen in der
es z.B. um Kosten geht. Wichtig ist hier, dass die Fähigkeit besitzen die Ihnen präsentierten
Lösungen aus finanzieller Sicht zu hinterfragen und bei Antworten rückfragen zu können.

BWL ist von Anfang an dabei

Schon in den frühen Phasen der Produktentwicklung sowie in der später darauf folgenden
Phase der Konstruktion werden bereits mehr als zwei Drittel der später anfallenden
Produktkosten festgelegt. Das alleine zeigt schon, dass Sie als Ingenieur über ein ausgeprägtes
Kostenbewusstsein verfügen sollten und müssen, wenn Sie wettbewerbsfähige Produkte auf
den Markt bringen möchten.

Bereits während der Entstehung Ihres Produktes oder Dienstleistung sollten Sie sich im Klaren
darüber sein, welche Ihrer Entscheidungen sich unter welchen Umständen kostensteigernd
und/oder –senkend auswirken kann. Später, wenn das Produkt am Markt vertrieben werden
soll, müssen Sie dann vertriebsorientiert (und kundenorientiert) Denken und Handeln.

Hierbei benötigen Sie technische Kenntnisse über Ihre eigenen Produkte um den Kunden
bestmöglich beraten zu können. Schließlich ist es vor allem der technische Nutzen, weshalb sich
ein Kunde Ihr Produkt kaufen möchte. Aber auch das Wissen über die Kostenrechnung ist hier
sehr wichtig, da Sie Entscheidungen über Preise und Mengen treffen müssen um den
Unternehmenserfolg zu sichern.

Die höchste Disziplin ist die, kundenindividuelle Produkte zu entwickeln und zu verkaufen. Da
immer weniger Kunden zu Standardprodukten greifen, müssen Sie hier an der gesamten
Wertschöpfungskette entlang Kostenbewusstsein nach innen hin zeigen – und gleichzeitig die
Kundenbedürfnisse nach außen hin zufriedenstellen.

Controlling und Projektmanagement

Ein wichtiger Aspekt in der BWL ist das Controlling. „Controlling“ hat (anders wie sein Ruf Ihm
vorauseilt) überhaupt nichts mit „Kontrolle“ zu tun. Dies wird bis heute leider viel zu oft falsch
verstanden. Controlling bedeutet den gesamten Prozess im Auge zu behalten und bei
Auffälligkeiten jeglicher Art gegenzulenken.

Denn auch die BWL hat immer zwei Seiten – nämlich einerseits die Kosten – anderseits die
Erlöse. Nur sparen und Kosten senken hilft nix. Gerade in einem Hochlohnland wie Deutschland
ist neben intensives Kostenbewusstsein vor allem die Produktqualität von entscheidender
Bedeutung.

Wettbewerbsvorteile entstehen insbesondere durch neue Produkte und durch neue Prozesse.
Deshalb hat auch das Projektmanagement eine immer größere Bedeutung gefunden. Dies hat
dazu geführt, dass man als Ingenieur auch immer mehr Projektmanagement Kenntnisse
benötigt, um die Produkte im Hinblick auf das berühmte Ziel-Dreieck (Qualität, Kosten, Zeit) zu
entwickeln und zu vertreiben.

Hier geht es dabei Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, schon zu Beginn eines
Projektes dem Kunden transparent darzulegen, wie es gelingt die gewünschten Produkte in
einer bestimmten Zeit zu bestimmten Kosten zu entwickeln.

Dies bewirkt man am besten mit einem Projektplan, der dem Kunden aufzeigt, was wann
passiert und welche Kosten in welcher Phase des Projektes entstehen. Wenn der Kunde
versteht wann und warum die Kosten entstehen und wenn Sie dem Kunden transparent
erklären können, wie sich verändern können Kosten (z.B. bei der Änderung eines
Kundenwunsches), so können Sie sich die Kundenzufriedenheit bereits vor Projektbeginn
erhöhen und damit Ihren Unternehmenserfolg sichern.

„Learning by Doing“ mit Simulationen

Die Zusammenhänge einzelner Unternehmensbereiche lassen sich nur schwer anhand von
theoretischen Lerneinheiten verstehen. Hier hilf eine Unternehmenssimulation, welche die
Wirklichkeit vor Ihren Augen abbildet.

Die hohe Kunst dieser Simulation ist es, zum einen so einfach zu sein zu sein, so dass man Sie
ohne weitere Vorkenntnisse durchführen kann. Zum anderen muss die Simulation so
realitätsnah sein, dass Sie ein komplexes Unternehmen mit all seinen wirtschaftlichen
Eigenschaften real abbildet.

Im Gegensatz zu einem konventionellen Seminar sind die Teilnehmer nicht passive Zuhörer,
sondern die eigentlichen Akteure. Hierbei übernehmen Sie alle Managementaufgaben und
Rollen einer Firma: Produktion, Vertrieb, Controlling.

Im Team werden Strategien entwickelt, umgesetzt und die Auswirkungen diskutiert. So lernen
Sie am effektivsten nicht nur eine Produktkostenrechnung an sich, sondern erleben die
Kostenrechnung im unternehmerischen Gesamtzusammenhang. So sehen und verstehen Sie
sofort, welche Kosten wo und warum entstehen und wie Sie diese beeinflussen können.

Autor des Artikels

Jürgen Rismondo

Der studierte Diplom-Ingenieur (FH) und Diplom-Wirtschafts-Ingenieur (FH) arbeitet bei der Robert Bosch GmbH in Stuttgart und ist dort als Ingenieur und Projektleiter für die kundenorientierte Systementwicklung der Einspritzsysteme sowie im Bereich der Weiterbildung tätig. Er führt die internen Schulungen und Simulationen im Bereich „BWL“, „Marketing“ und „Projektmanagement“ durch.

Darüber hinaus ist er seit mehreren Jahren auch außerhalb der Robert Bosch GmbH im Bereich der Weiterbildung aktiv, u.a. für betriebswirtschaftliche Fächer an diversen Hochschulen. Durch die Verbindung der technischen und betriebswirtschaftlichen Kompetenz verfügt Jürgen Rismondo über den idealen Background, um einen Blick auf das gesamtunternehmerische Handeln zu werfen.