Wie Ingenieurinnen und Ingenieure zu guten Vortragenden werden

Ingenieure sind gefragt, nicht nur in Sachen Entwicklung, Konstruktion und Montage in der Produktionshalle, sondern auch als Redner. Auf Veranstaltungen sprechen sie etwa über die technischen Probleme und Fakten zum Berliner Flughafen oder Stuttgart 21. Ganz handfest, ohne politische Einfärbung und gerade deshalb oft so spannend. Doch nicht allen Technikern fällt es von Anfang an leicht, Expertise und Rhetorik auf der Bühne zu mischen. Einige entscheidende Tipps helfen Ingenieuren gut anzukommen.

Bereits beim Gang zum Rednerpult hatte er früher zitternde Hände und brachte dann vor Nervosität kaum gerade Sätze heraus. Heute ist er ein gefragter Redner auf internationalen Veranstaltungen. David Wenger promovierte in Thermodynamik. Bereits kurz nach dem Studium zog der 38-Jährige ein Ingenieurbüro auf und beschäftigt mittlerweile 32 Mitarbeiter in Ulm.

Als einer der wenigen Experten für Simulationstechnik und Thermodynamik spricht der Geschäftsführer von Wenger Engineering jedes Jahr auf Fach-Kongressen. Auf Englisch. Wie er das geschafft hat? „Üben, üben, üben. Bereits im Studium habe ich mehr als 30 Referate und kurze Vorträge vor Firmen halten müssen“, sagt Wenger. Deshalb ist er in der Lage, die Vorträge mit anschaulichen Geschichten aus dem Alltag und trockenen Späßen aufzulockern.

„Aber als ich zum ersten Mal vor 500 Menschen gesprochen habe, war mir schon mulmig zumute“, sagt der Familienvater. Doch wenn es einmal geklappt hat, klappt es auch beim nächsten Mal, sagt er sich, um das Lampenfieber zu dämpfen.

Fürchten muss sich davor keiner, meint Redner und Trainer Jürgen Kurz. „Lampenfieber macht einen Vortrag sogar noch besser, denn das Adrenalin befähigt zu Höchstleistungen“, erklärt der Geschäftsführer des baden-württembergischen Beratungsunternehmen Tempus. Aufmerksamkeit und Konzentration steigen und der Körper wird besser mit Energie versorgt.

Etwas ganz anderes dagegen ist Redeangst. Sie erzeugt eine Panik, die es Menschen dann unmöglich macht, zu sprechen oder gar vor das Publikum zu treten. „Dahinter steckt mehr als Nervosität, nämlich die Angst vor sozialer Ablehnung“, sagt der professionelle Speaker Frieder Gamm. Im Gegensatz zum Lampenfieber werde Redeangst durch spezielle Ereignisse meist in der Kindheit hervorgerufen. „Mit viel Mut und Übung überwinden Menschen auch diese Angst“, sagt der Stuttgarter Geschäftsführer der Frieder Gamm Group. Gamm hat ein paar Tipps parat gegen die Angst vor dem Sprechen. Statistisch habe jeder Dritte Angst davor, öffentlich reden zu halten. Der professionelle Redner meint, wer sich das vor Augen führt, weiß, dass die Zuhörer wissen, welchen Stress der Redner durchsteht. Das offen anzusprechen, sorge für befreites Sprechen. Auch das Atmen ist wichtig: „Normal einatmen, doch nach dem Ausatmen einige Sekunden die Luft anzuhalten, kann für Wunder sorgen. Es ist die einfachste Entspannungsübung“, versichert Gamm. Natürlich ist auch die ausgiebige Vorbereitung wichtig. „Stichpunkte auf Karteikarten geben ein gutes Gefühl. Auch wenn die Referenten sie letztlich gar nicht brauchen.“ Noch eine goldene Gamm-Regel: Was während des Vortrags im Raum passiert, sollte niemand auf sich selbst beziehen. Vielleicht diskutieren die Zuhörer einen Punkt oder das ein Gähnen des einen oder anderen Zeitgenossen ist nur der schlechten Belüftung im Raum geschuldet.

Letztlich gilt, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, auch Profis üben: Kurz und Gamm sind unter den „Top 100 Excellent Speakers“ und trainieren beim Konzeptionieren erst für sich, dann vor Freunden und schließlich in kleinerer Runde. Danach stehen sie etwa auf dem Stuttgarter Wissensforum oder beim „Tag der Gelassenheit“ vor tausenden Zuschauern.

Als typischer Techniker muss auch Wenger eine Sache jedes Mal aufs Neue trainieren: Sich kurz zu fassen. „Als Physiker und Kopfmensch tendiere ich schnell dazu, meine Zuhörer mit technischen Details zu überfrachten“, sagt der geborene Schweizer. Doch einen Spruch, den er einmal gelesen hatte, sagt er sich und seinen Mitarbeitern immer wieder: „Fachidiot schlägt Kunden tot.“ Es gehe ja nicht darum zu zeigen, was man alles kann, sondern was den Zuhörer weiterbringt.

„Ich halte Vorträge, weil ich Aufträge generieren will. Das klappt meistens, manchmal nicht und völlig unabhängig von Publikumsgröße und Rahmen. Wenn, dann liegt es wohl daran, wie gut ich die Sprache des Gegenübers treffe“, ist der Ulmer Unternehmer überzeugt. Auf einem Fachvortrag beim VDMA spricht er anders als vor Laien oder gemischtem Messepublikum. Das bedeutet für ihn: Genaue Vorbereitung, eventuell sogar drei verschiedene Vortragsversionen mitzubringen und vor Ort zu entscheiden.

Jürgen Kurz hat noch einen letzten Tipp: Es sei besser, auf den Präsentations-Folien nur noch Bilder zu zeigen, keinen Text. „So kann ich die Menschen emotional erreichen. Worte dazu habe ich selbst genug.“

Autor des Artikels:

D. Reichhart