Nicole Büttner ist Gründerin und CEO von Merantix Momentum, einem Unternehmen, das Organisationen bei der Einführung von KI-Lösungen unterstützt. Die Ökonomin und Unternehmerin gilt als Stimme für verantwortungsvolle Digitalisierung. Beim VDI-Kongress smartAI 2025 thematisiert sie zentrale Herausforderungen und Lösungsansätze für den Einsatz von KI in Wirtschaft und Gesellschaft.
Deutschland am Wendepunkt: Warum unsere Zukunft von Digitalisierung und KI abhängt
Deutschland befindet sich an einem entscheidenden Wendepunkt. Das sagt Nicole Büttner, Gründerin & CEO, Merantix Momentum: Jahrzehntelang waren wir ein Symbol für Verlässlichkeit, Ingenieurskunst und wirtschaftliche Stärke. Doch in einer Welt, die sich rasant durch Daten, Automatisierung und Künstliche Intelligenz verändert, reicht das allein nicht mehr aus, um unseren Wohlstand zu sichern. Auf dem VDI-Kongress smartAI wird Nicole Büttner die aktuellen Herausforderungen und mögliche Lösungswege skizzieren. Im Vorfeld beantwortet sie unsere Fragen.
Frau Büttner, welches sind aus Ihrer Sicht derzeit die größten Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft?
Nicole Büttner: Unsere Bevölkerung altert, der Fachkräftemangel wächst und die Produktivität stagniert in vielen Branchen. Gleichzeitig schreiten andere Länder mit hoher Geschwindigkeit bei der Digitalisierung voran und schaffen Ökosysteme, die Innovation und Mut zum Experimentieren fördern. In Deutschland dagegen verlieren wir oft zu viel Zeit in Diskussionen über Risiken und Regulierungen. Zu langes Zögern kann bedeuten, den Anschluss zu verlieren.
Warum tun sich viele Unternehmen in Deutschland mit Künstlicher Intelligenz noch schwer?
Nicole Büttner: Viele Unternehmen scheuen sich noch, den Schritt in Richtung KI zu wagen. Sie verstehen die Möglichkeiten und Potenziale noch nicht vollständig und betrachten KI daher als unbekanntes Terrain. Doch wir haben bei Merantix Momentum bereits zahlreiche Lösungen umgesetzt und viele Erfolgsgeschichten geschaffen, die zeigen, dass KI funktioniert und echten Mehrwert schafft. Wir müssen jetzt das Bewusstsein stärken, die Chancen sichtbar machen und Unternehmen ermutigen, den ersten Schritt zu gehen. Gleichzeitig ist es Aufgabe der Politik, Anreize zu schaffen und Maßnahmen zu fördern, die es Unternehmen erleichtern, diese Technologien einzuführen und zu nutzen.
Muss der Mensch Angst davor haben, durch die Technologie überflüssig zu werden?
Nicole Büttner: Digitalisierung und KI sollen den Menschen nicht ersetzen, sie sollen ihn befähigen. Sie können Zeit zurückgeben, Prozesse effizienter gestalten und neue Chancen eröffnen. In Medizin, Industrie oder Verwaltung kann KI die Arbeit erleichtern, Ressourcen sparen und Prozesse schneller und transparenter machen. Entscheidend ist, dass wir Technologie als Werkzeug begreifen, das den Menschen dient und nicht umgekehrt.
Vertrauen ist dafür der erste Schritt. Menschen müssen spüren, dass Technologie ihnen zugute kommt. Wir brauchen klare Rahmenbedingungen für verantwortungsvolle KI, die Datenschutz, Fairness und Ethik gewährleisten, ohne Innovation zu ersticken. Wir brauchen Führungspersönlichkeiten, die Digitalisierung als Kern unserer Arbeit und Gesellschaft begreifen und die den Wandel aktiv gestalten.
Sie betonen oft die Bedeutung von Bildung – welche Rolle spielt sie bei der digitalen Transformation?
Nicole Büttner: Digitale Kompetenzen dürfen kein Privileg sein, sie müssen für alle zugänglich sein. In Schulen, Universitäten und der beruflichen Weiterbildung müssen Datenverständnis, algorithmisches Denken und der Umgang mit KI genauso selbstverständlich vermittelt werden wie Lesen und Schreiben. Wer in digitale Bildung investiert, investiert in die Resilienz und Zukunftsfähigkeit unseres Landes.
Bei Merantix Momentum erlebe ich täglich, wie viel möglich ist, wenn Wissenschaft, Wirtschaft und Unternehmertum zusammenarbeiten. KI muss ein Werkzeug sein, das Organisationen stärkt, Prozesse verbessert und Menschen unterstützt, immer angepasst an ihre Werte und Bedürfnisse. Die besten Lösungen entstehen, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.
Hat Deutschland die Voraussetzungen, um diese Transformation erfolgreich zu meistern?
Nicole Büttner: Aus meiner Sicht ein klares Ja! Wir verfügen in Deutschland über exzellente Köpfe, eine starke industrielle Basis und ein tiefes Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl. Was uns fehlt, ist oft nur Mut und Entschlossenheit, schneller zu handeln, Neues auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen. Ein stärker digitalisiertes und KI-orientiertes Deutschland würde uns als Technologievorreiter auf die globale Karte setzen. Während die USA und China bereits Meilen voraus sind, müssen wir aufholen – sowohl um unseren wirtschaftlichen Wert zu steigern als auch um geopolitisch mehr Einfluss zu gewinnen.
Was ist Ihre wichtigste Botschaft an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft?
Nicole Büttner: Jetzt ist es Zeit, zu handeln. Jeder Tag des Zögerns kostet uns Chancen und Zukunft. Wenn wir Digitalisierung mit Mut, Verantwortung und Empathie gestalten, können wir nicht nur unsere Wirtschaft stärken, sondern auch eine Gesellschaft schaffen, die gerechter, vernetzter und zukunftsorientierter ist. Fortschritt entsteht, wenn wir gemeinsam handeln, Schritt für Schritt, mit Offenheit und Überzeugung – und wenn wir den Mut haben, aus Erfolgsgeschichten zu lernen und andere zu inspirieren, ebenfalls den ersten Schritt zu machen.
Über den Autor

Quelle: Meike Krenn / Merantix Momentum