Pressemitteilung 12.08.2016

Die neue Klärschlammverordnung und die Folgen: Fachleute diskutieren über thermische Verwertung und Phosphor-Recycling

Die thermische Verwertung von Klärschlamm wird sich in den kommenden Jahren als bevorzugtes Verfahren durchsetzen. Zugleich wird das Recycling von Phosphor zur Pflicht. Auf diesen kurzen Nenner lassen sich die wesentlichen Auswirkungen der Novellierung der Klärschlammverordnung bringen. Wohin rechtlich sowie technisch die Reise geht und welche konkreten Folgen das für Anlagenbetreiber hat, diskutiert zwei Tage lang die 7. VDI-Fachkonferenz „Klärschlammbehandlung“. Unter fachlicher Leitung von Prof. Dr. Ing. Reiner Numrich, Universität Paderborn, erhalten die Teilnehmer einen umfassenden Überblick über aktuelle Lösungsansätze und beispielhafte Projekte, die bereits in der Praxis realisiert wurden. Die Konferenz findet statt am 16. und 17. November 2016 in München.

Neben gesetzlichen Neuerungen werden auf der Fachkonferenz auch technische Lösungen für die mechanische oder thermische Behandlung von Klärschlämmen vorgestellt und intensiv diskutiert. So wird es Praxisreferate etwa zu einer Plus-Energie-Kläranlage mit Phosphorrückgewinnung geben, ebenso wie zum Thema der dezentralen thermischen Klärschlammbehandlung. Die Möglichkeit der Monoverbrennung von Klärschlamm wird mit einem Praxisprojekt unter Einbindung in den Bestand eines Restmüllheizkraftwerks skizziert. Ergebnisse aus Forschungsvorhaben und technischen Umsetzungen von Verfahren zur Phosphorrückgewinnung runden die beiden Tage ab.

Erfolgreiches Pilotprojekt in Zürich

Die Ausgangslage ist dabei klar: Die Novellierung der Klärschlammverordnung und die Umsetzung der Industrieemissionsrichtlinie (IED) in nationales Recht über die 17. BImSchV gibt vor, Ressourcen und Nährstoffe aus dem Klärschlamm oder dessen Asche zurückzugewinnen. Immissions- und Ressourcenschutz gehen dabei Hand in Hand.

So wird etwa beim Entsorgungs- und Recyclingbetrieb der Stadt Zürich am Standort Werdhölzli seit Mitte 2015 ein Großteil des Wärmebedarfs auf dem Areal durch die Klärschlammverwertungsanlage abgedeckt. Im Kanton Zürich fallen jährlich rund 100.000 Tonnen entwässerter Klärschlamm an. Mit der neuen, zentralen Klärschlammverwertung (KSV) ist die ökologisch und wirtschaftlich optimale Lösung realisiert worden. Sie ermöglicht zugleich die spätere Rückgewinnung von Phosphor. Zusammen mit dem Vergärwerk der Biogas Zürich AG werden rund 5 Millionen Kubikmeter Biogas aufbereitet und ins Erdgasnetz der Stadt Zürich eingespeist. Das entspricht dem jährlichen Wärmebedarf von 5000 Haushalten und senkt den CO2-Ausstoss nach Angaben des Anlagenbetreibers um gut 14.000 Tonnen. Über die erfolgreiche Inbetriebnahme und erste Betriebserfahrungen der KSV wird auf der Fachkonferenz Dipl.-Ing. Ralf Decker von der Outotec GmbH & Co. KG, Oberursel, berichten: „Der Betreiber ist sehr zufrieden mit den hier erzielten Resultaten. Das bestätigt einmal mehr, wie wichtig eine fundierte, standort-spezifische Planung ist.“

Plus-Energie-Kläranlage mit Phosphorrückgewinnung

Ähnliche Eindrücke bestätigen sich auch beim erfolgreichen Betrieb einer Plus-Energie-Kläranlage mit Phosphorrückgewinnung in Lingen: Dr. Elke Sellering von der ELIQUO STULZ GmbH wird im Rahmen der Konferenz über die dort gesammelten Erfahrungen berichten. Schon seit gut vier Jahren läuft dort erfolgreich eine Thermische Schlammdesintegration. Neu angelaufen ist zusätzlich im August 2016 die Phosphorrückgewinnung. „Beides bedingt sich nicht unbedingt gegenseitig – aber der Gesamteffekt ist natürlich ungleich größer, die Wirtschaftlichkeit vervielfacht sich, wenn man die Technologien sinnhaft ergänzt“, unterstreicht Dr. Elke Sellering. Die Umrüstung zeige, wie man Technologien erfolgreich und zielgerichtet in bestehende Anlagen integrieren und intelligent nutzen könne: „Die grundlegenden Fragestellungen zur Phosphorrückgewinnung, zur Zusammensetzung des Schlamms etc. sind immer dieselben – die Lösung sollte aber anlagenspezifisch sein, um einen bestmöglichen Wirkungsgrad zu erzielen.“ Die Zielsetzung in Lingen lautet, die Kläranlage zu einem Kraftwerk für elektrische Energie und Wärme umzuwandeln und gleichzeitig die Nährstöffressource Klärschlamm zur Phosphatrückgewinnung nutzen zu können.

Dies sind nur zwei Beispiele für die aufschlussreichen Praxisbeiträge, welche die Teilnehmer der Fachkonferenz erwarten können. Den eigentlichen Konferenztagen geht am 15. November 2016 noch ein VDI-Spezialtag zum Thema „Trocknung von Klärschlamm“ voraus. Hier gibt es einen Überblick über die am Markt befindlichen Trocknungsarten, außerdem werden Berechnungen zur Energieeffizienz sowie Beispiele zur Kosten-/Nutzenanalyse und zur Wirtschaftlichkeit von Trocknern vorgestellt. Das komplette Programm und mehr Informationen gibt es unter www.vdi.de/klaerschlamm.

Über die VDI Wissensforum GmbH

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