Pressemitteilung 05.12.2016

Digitales Lernen ist nicht der Maßstab

Eine neue Studie des VDI Wissensforums unter Ingenieuren zeigt, dass digitale Lernformen bei der Mehrheit der Befragten bereits Standard sind. Aber sie sind nicht das Maß aller Dinge.

Immer schneller müssen Ingenieure und technische Fach- und Führungskräfte Innovationen und Projekte realisieren. Die Themen werden nicht nur komplexer, sondern müssen wegen der fortschreitenden Digitalisierung häufiger aktualisiert werden. Digitale Lernangebote scheinen eine gute Lösung zu sein, schnell und flexibel Wissen zu erwerben. Aber eignen sie sich wirklich für alle Themen?

  • Ingenieure und technische Fach- und Führungskräfte haben E-Learning für sich entdeckt. Sogar über die Hälfte (56%) aller Befragten gaben an, digitale Weiterbildungsformen zu nutzen. Trotzdem gilt E-Learning nicht als entscheidender Karrierebaustein oder gar Heilsbringer.
  • Von den 56 % der Befragten, die angaben, E-Learning zu nutzen wurden folgende Formate genannt, mit denen sie sich weiterbilden: Webinare (74,9%), Videobasierte Lernformen (42,2%), Lern-CDs (19,4%), Virtuelle Klassenräume (12,2%) und digitale Vorlesungen (8,4%), sogenannte Massive Open Online Courses (MOOC).
  • Die Vorteile des Digitalen liegen für eine große Mehrheit (84,1%) vor allem in der zeitlichen Flexibilität. E-Learning ist nicht an fixe Zeiten und Orte gebunden. Die Mehrheit empfindet es als positiv, dass weder Reise- noch Übernachtungsaufwand entstehen (56,3%).
  • Dabei spielt die Materie an sich eine entscheidende Rolle. Während sich faktisches Wissen sehr gut über digitale Lernformen vermitteln lässt, finden diese ihre Grenzen, wenn es um die Vermittlung methodischen Wissens geht. Hier bevorzugen die Befragten Präsenzveranstaltungen.
  • Eine Detaillierte Untersuchung zeigte, dass Unternehmen folgende Themenbereiche mit E-Learning abdecken: Software (43,3%), Rechtsthemen (31,8%), Soft Skills und Führungsthemen (27,5%), konventionelle technische Themen (23,1%).

    Das „Kerngeschäft“ der Ingenieure spielt also beim digitalen Lernen nur eine eher geringe Rolle.

    Der Grund: Besonders häufig kritisierten die Ingenieure, dass sie dabei keine Möglichkeit haben, Fragen zu stellen (82,2%). Besonders wichtig wäre ihnen dabei eben auch der zwischenmenschliche Austausch, der digital nicht möglich ist (78,3%). Es fehlt schlicht an Feedback von Referenten und anderen Teilnehmern.

  • Darüber hinaus schwankt die Qualität der digitalen Angebote stark. Mitunter sind laut den Befragten nicht alle Inhalte fachlich korrekt, aktuell, vollständig und umfassend dargestellt. Zudem erwarten die Ingenieure in den Referenten ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet mit langjährigen Erfahrungen und entsprechendem didaktischen Wissen. Auch mangelt es im digitalen Bereich oft an Neutralität in der Lehre, da z.B. Unternehmen eigene Webinare anbieten und dabei einzig ihre Produkte und Leistungen anpreisen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Einzelnen

Frage nach der persönlichen Nutzung:

  • 56,0 % gaben an, E-Learning zur beruflichen Weiterbildung zu nutzen, davon 23,6% auch oder hauptsächlich mobil.

Von diesen 56,0% wurden folgende Formate genannt:

  • 74,9% Webinare
  • 42,2% Videobasierte Lernformen
  • 19,4% Lern-CDs
  • 12,2% Virtuelle Klassenräume
  • 8,4% MOOC (Massive Open Online Courses) Vorlesungen

Für folgende Themenbereiche wird E-Learning in den befragten Unternehmen genutzt:

  • 43,3 % Software
  • 31,8 % Rechtsthemen
  • 27,5 % Soft Skills und Führungsthemen
  • 23,1 % Konventionelle technische Themen
  • 17,2 % Hardware und Netzwerke
  • 17,0 % Automatisierung, Elektrotechnik, Elektronik
  • 15,3 % Technischer Vertrieb

Vorteile digitalen Lernens:

(Jeweils angegeben „Sehr wichtig“ und „Eher wichtig“)

  • 68,5% Zeitersparnis
  • 56,3% Kein Reise- und Übernachtungsaufwand
  • 84,1% Zeitliche Flexibilität
  • 71,8% Örtliche Flexibilität
  • 72,7% Individuelles Lernen
  • 58,5% Modulares Lernen

Nachteile digitalen Lernens:

(Jeweils angegeben „Sehr wichtig“ und „Eher wichtig“)

  • 78,3% Kein persönlicher Austausch möglich
  • 74,2% Gefahr von minderwertigen Angeboten
  • 67,8% Störfaktoren am Arbeitsplatz
  • 75,8% Fehlendes Feedback von Referenten und anderen Teilnehmern
  • 82,2% Keine Möglichkeit Fragen zu stellen

Zusammenfassung:

  • Lernen am Bildschirm und digitale Lernformen sind bei mehr als der Hälfte aller befragten Ingenieure bereits Standard und werden weiter zunehmen.
  • Dabei sind Webinare die meist genutzte Lernform.
  • Dennoch schwankt die Qualität der Angebote stark und die Neutralität der Inhalte ist nicht immer gewährleistet.
  • Trotz der hohen zeitlichen und örtlichen Flexibilität, die E-Learning ermöglicht, fehlt es Ingenieuren insbesondere an Interaktionsmöglichkeiten. Aber gerade die sind ein ganz entscheidender Faktor bei dem Erwerb komplexen methodischen Fachwissens der Technik.
  • E-Learning könnte in Zukunft auch hier wichtiger werden, aber zuvor muss das grundlegende Interaktionsproblem gelöst werden.

Über die Studie

  • Das VDI Wissensforum hat die Untersuchung beim Meinungsforschungsinstitut DTO Research in Auftrag gegeben hat. Dabei wurde die Entwicklung des Nutzungsverhaltens von digitalen Lernformen für technische Fach- und Führungskräfte bei technischen und Management-Themen untersucht. Zur Erhebung der Daten wurden zunächst 60 qualitative Telefoninterviews mit Ingenieuren aus verschiedenen Branchen geführt, darunter die Automobilindustrie und der Maschinen und Anlagenbau. Im Anschluss erfolgte eine Onlinebefragung von rund 400 Ingenieuren mit Hilfe eines Fragebogens. 

Über die VDI Wissensforum GmbH

Die VDI Wissensforum GmbH mit Sitz in Düsseldorf ist seit mehr als 50 Jahren einer der führenden Weiterbildungsspezialisten für Ingenieure sowie für Fach- und Führungskräfte im technischen Umfeld. Die mehr als 1.300 Veranstaltungen im Jahr decken alle relevanten Branchen ab. Das Angebot reicht von Seminaren und Technikforen über modulare Lehrgänge mit abschließender Zertifizierung bis zu Fachtagungen und Kongressen. Dabei gewähren permanente Marktrecherche, ein großes Expertennetzwerk und das ausgeprägte Know-how des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) die hohe Qualität der Veranstaltungen.