Marktplatz für vernetzte Mobilität - "Smart Cars & Urban Mobility"

Auf der Konferenz „Smart Cars & Urban Mobility“ (30.11. und 01.12.2016 in München) stellten zahlreiche Fachleute innovative Geschäftsmodelle sowie Technologien für die Mobilität von morgen vor. Zusätzlich präsentierten die Referenten auf der vom VDI-Wissensforum veranstalteten Konferenz, wie man Big Data im Kontext der urbanen Mobilität nutzen kann, wie man richtig mit Daten umgeht, ihre Sicherheit gewährleistet und welche rechtlichen Vorgaben bestehen.

Zu Beginn der „Smart Cars & Urban Mobility“ umriss Andreas Mai, bis vor kurzem Director Smart Connected Vehicles bei Cisco Systems, die wirtschaftliche Tragweite der digitalisierten Mobilität. So wird bis zum Jahr 2025 die Nachfrage allein nach intelligenten Assistenzsystemen für Pkw und Lkw auf mehr als 1,2 Billionen Dollar anwachsen. Auf ein ähnlich hohes Investitionsvolumen dürften in diesem Zeitraum maßgeschneiderte Transportlösungen kommen. Insgesamt werden mit digitalen automobilen Lösungen bis 2025 annähernd 5 Billionen Dollar umgesetzt werden.


Doch die Digitalisierung des Mobilitätssektors reicht weit über den eigentlichen Verkehrssektor hinaus. Rainer Kallenbach, CEO der Bosch Software Innovations GmbH, zeigte auf, dass das Fahrzeug integraler Bestandteil des IoT (Internet of Things) wird – vernetzt nicht nur mit der Verkehrsinfrastruktur, sondern auch mit smarten Gebäuden, der Industrie und Energiewirtschaft. Bosch will diese umfassende Vernetzung mit einer umfassenden IoT Cloud, inklusive Middleware, Services und Applikationen, unterstützen. Beispielsweise arbeitet man an einem barrierefreien und einfachen Zugang zu fast allen Ladesäulen.

Einen anderen technischen Ansatz präsentierte Robert Knechtel von Bearing Point. Gemeinsam mit Vodafone und der Deutschen Telekom hat das Unternehmen eine Lösung auf Basis von Smartphone und SIM-Karte entwickelt, die einen Zugang zum Fahrzeug via Smartphone und NFC (Near Field Communication) ermöglicht. Neben der sicheren Ablage des digitalen Autoschlüssels auf der SIM-Karte solle diese Konfiguration den Autoherstellern auch eine sichere Identifizierung und bequeme Bezahlfunktion über die Mobilfunkrechnung bieten. Zusätzlich könne dieser „Schlüssel“ der Zukunft viele personalisierte Funktionen und digitale Services bei hoher Praxistauglichkeit ermöglichen, da er praktisch ständig und von jedem genutzt werde.

Andere Vorträge zeigten auf, wie Städte digitalisierte Verkehrssysteme für Zwecke der Stadtplanung nutzen können und wie Automobilhersteller und Kommunen gleichermaßen von einer Zusammenarbeit profitieren können. In weiteren Themenblöcken wurden rechtliche und sicherheitstechnische Implikationen der Digitalisierung beleuchtet. Wie ein Zulieferer diese Herausforderungen angeht, erläuterte etwa Simon Hania von TomTom. Das Unternehmen für mobile Navigation versuche mit klar formulierten Aussagen die Öffentlichkeit möglichst transparent über sein Datenmanagement zu informieren. Beispielsweise werde kommuniziert, welche Daten (auch persönliche) erhoben werden, wo sie gespeichert werden, wie sie genutzt und wann sie wieder gelöscht werden.


Genauso wichtig erscheint ein durchgängiger Sicherheitsansatz, der Hackern den Zugriff auf Daten so schwer und die Systeme gegen Störungen so robust wie möglich macht, erläuterte Volker Fricke, Technical Relations Executive Europe der IBM Deutschland R&D GmbH. Eine solche Sicherheitsarchitektur für die Vernetzung werde die Fahrzeugarchitekturen und cloudbasierten IT-Strukturen tiefgreifend beeinflussen, weshalb es nötig sei, dass alle Beteiligten die Herausforderungen gemeinsam angehen.


Am zweiten Tag lag der Schwerpunkt auf neuen Geschäftsmodellen und Strategien, mit denen etablierte Unternehmen und Start-Ups auf die neuen Herausforderungen reagieren. So präsentierte Max Kury, Geschäftsführer Deutschland des internationalen Start-Ups Ubeeqo, den Zuhörern, wie sein Unternehmen ein maßgeschneidertes Produkt vor dem Hintergrund der künftigen digitalen Verkehrsstrukturen entwickelt. Ubeeqo hat das Ziel, alle Mobilitätsangebote (wie etwa Carsharing, Mietwagen und Taxidienst) in einer App zu bündeln und dem Nutzer eine Oberfläche zur Verfügung zu stellen, über die sich von der Buchung bis zur Bezahlung alles handhaben lässt.


Darüber hinaus zeigten die Referenten auf, wie etwa ein Automobilhersteller dem Bedarf an leichten urbanen Transportfahrzeugen mit einer konsequenten Modularisierung und Plattformstrategie nachkommen kann und wie die großen Datenmengen in marktgerechte Mobilitätsservices umgewandelt werden. Zwei Paneldiskussionen zu neuen Geschäftsmodellen und zu den Visionen und Herausforderungen der Elektromobilität rundeten das Themenspektrum ab.


Die Konferenz „Smart Cars & Urban Mobility“ bietet eine Plattform zum fachlichen Austausch über urbane Mobilität und vernetzte Fahrzeuge. Damit ergänzt die Konferenz zwei andere Veranstaltungen des VDI-Wissensforums. Zum einen die ConCar Expo (05.-06. Juli 2017 in Berlin), den internationalen Branchentreff rund um technische Lösungen für das vernetzte Fahrzeug. Zum anderen die ELIV (Electronics In Vehicles, 18.-19. Oktober 2017 in Bonn), die internationale Veranstaltung für alle Themen rund um Elektrik, Elektronik und die Systemintegration von Mechanik und Elektronik im Automobil.

Über die VDI Wissensforum GmbH

Die VDI Wissensforum GmbH mit Sitz in Düsseldorf ist seit mehr als 50 Jahren einer der führenden Weiterbildungsspezialisten für Ingenieure sowie für Fach- und Führungskräfte im technischen Umfeld. Die mehr als 1.300 Veranstaltungen im Jahr decken alle relevanten Branchen ab. Das Angebot reicht von Seminaren und Technikforen über modulare Lehrgänge mit abschließender Zertifizierung bis zu Fachtagungen und Kongressen. Dabei gewähren permanente Marktrecherche, ein großes Expertennetzwerk und das ausgeprägte Know-how des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) die hohe Qualität der Veranstaltungen.