Die TRIZ-Methode: der Weg zur erfinderischen Problemlösung

Es stockt – Mist!! Kennen Sie diese Situation?

Bei Ihrem letzten Kundenbesuch erzählte Ihnen Ihr Kunde oder Ihre Kundin von neuen Ideen für ein Produkt. Die Anforderungen klangen gut und nachvollziehbar. Gern wollen Sie diese Ideen umsetzen und Ihre Kund*innen weiterhin so zufriedenstellen wir bisher. Mit Ihren Kolleg*innen gehen Sie in die Ideenfindung. Das Ganze darf nicht so lange dauern, denn es gibt viel zu tun. Schnell haben Sie eine Idee gefunden, die Ihnen gefällt und schon ist die Umsetzung klar. Doch dann stellen sich im weiteren Verlauf Schwierigkeiten heraus. Die Idee, so gut die klang, bringt Tücken mit sich. Der von den Kund*innen gewünschte funktionale Effekt lässt sich doch nicht so ohne Weiteres realisieren. Andererseits ist man durch die Entwicklungszusage nun schon so weit fortgeschritten, dass man die Funktion jetzt irgendwie zurechttüfteln muss. 

In dieser Situation treffen Unternehmen dann häufig auf die TRIZ Methode. „TRIZ“ ist das russische Akronym, welches auf Deutsch für „Theorie des erfinderischen Problemlösens“ steht. Im Kern besteht die TRIZ aus einem Baukasten von Methoden und Werkzeugen, die Anwender*innen helfen, mit einem systematischen Weg zügig Zielkonflikte erfolgreich aufzulösen. 

Wollen Sie eine inkrementelle oder eher eine radikale Lösung?

Die Theorie des erfinderischen Problemlösens lässt sich universell einsetzen. Wollen Sie Kosten reduzieren, die Anzahl der verwendeten Komponenten reduzieren oder wegen veränderter Materialeigenschaften neue Konstruktionen designen? Dann bilden die Problemlösewerkzeuge der TRIZ für Sie genau den richtigen Methodenkoffer, mit dem sie die genannten Aufgaben bearbeiten und lösen können.

Wie kann die TRIZ Methode hier Abhilfe schaffen?

Ihr Erfinder Genrich Altshuller entwickelte sie auf Basis von weitreichenden Patentanalysen, die bis heute fortgesetzt werden. Dabei hat er die Abfolgen der technischen Lösungen analysiert und herausgefiltert, auf welche Weise Erfinder z.B. technische Probleme sowie technische und physikalische Widersprüche lösten. Diese Lösungsweisen hat er in Beschreibungen 40 Innovativer Grundprinzipien und 76 Standardlösungen überführt, mit denen Tausende von technischen Lösungen in ganz verschiedenen Branchen realisiert wurden. Damit die Anwender*innen die Innovativen Grundprinzipien und Standardlösungen leichter zur Anwendung bringen konnten, formulierte Altshuller auch systematische Vorgehensweisen, in denen er die Abfolge der zu nutzenden Methoden und Werkzeuge beschrieb, mit denen die Erfinder*innen am schnellten und effektivsten ans Ziel kommen konnten.  
 

Gewinnen Sie Zeit durch systematisches Management Ihrer kreativen Arbeitsphasen

Der von Altshuller empfohlene strukturierte Prozess wechselt Phasen der systematischen Analyse wie der Problembeschreibung mit Phasen zur kreativen Ideenfindung ab. Die folgende Darstellung zeigt, wie sich diese Schritte sinnvoll ergänzen:

  • Beschreibung der Ausgangssituation 
    Problemanalyse mit TRIZ 
    Problemmodellierung mit TRIZ  
     Ideenfindung mit TRIZ und Kreativitätstechniken in Kombination
    Ideenbewertung  
    Zusammenführen der Ideenansätze 
    Analyse der Sekundärprobleme mit TRIZ  
     Ideenfindung mit TRIZ und Kreativitätstechniken in Kombination
    Ideenbewertung  
    Zusammenführen der Ideenansätze 
    Realisieren des/der Lösungskonzepte/s 

Dieser systematische Ablauf dient als Wegweiser: In der Problembeschreibung wird das technische System mitsamt seinem Umfeld und Komponenten erfasst. Dies hilft, gemeinsam die Aufgabenstellung zu durchleuchten. Im nächsten Schritt werden Ursachen und Wirkungen untersucht, um die im besten Falle zu lösenden Schlüsselprobleme zu identifizieren. Auf diese Weise können Sie viel Zeit sparen, denn die nachfolgenden Schritte konzentrieren sich nun nur noch auf die Eliminierung dieser Ursachen. Die eingekreiste Ursache wird nun mittels TRIZ in eines der s. g. Problemmodelle, wie z.B. Technischer Widerspruch, überführt.

Statt auf alt-bekannten Wegen zu wandeln…

Daraufhin beginnt die kreative Phase der Ideenfindung. Sofort fallen den Beteiligten direkt Ideen ein. Sie sammeln diese Ideen nun zuerst einmal ein, ohne TRIZ dabei zu verwenden. Diese Ideen sind oft größtenteils umsetzbar. Allerdings sind diese Ideen meist auch sehr nah mit den bisher bereits angedachten Lösungsansätzen angelehnt. Dies liegt daran, dass unser Gehirn physiologisch gerne Energie spart und am liebsten erst einmal jenes Erfahrungswissen ausgibt, welches es ohne viel Mühe reproduzieren kann. 
In der folgenden Phase macht sich vielfach schon etwas Verzweiflung breit – wird man denn auch noch wirklich neue Ideen finden? 
 

… jetzt die bekannten Denk-Autobahnen verlassen!

Jetzt ist der günstige Moment, um sich mit den Lösungsmodellen (z.B. Innovativen Grundprinzipien) von TRIZ auf eine nächste Suche zu machen. Die abstrakt formulierten Lösungsmodelle lassen sich auf alle Fragestellungen technischer und nicht-technischer Natur übertragen und anwenden. Sie haben in der Vergangenheit bereits vieltausendfach zu innovativen Lösungsansätzen geführt. So läuft die Ideensuche in Form einer „geführten Kreativphase“ ab, die mit Kreativtechniken wie Brainwriting/635, Kartenabfragen, Prototypenbau kombiniert und auch im agilen Projektablauf immer wieder eingebaut werden kann. 
 

Zur Person

Barbara Gronauer ist TRIZ Specalist Nr. 119 (MATRIZ Level 4). Die Mit-Geschäftsführerin der TRIZ Akademie und Anbieterin von Mindful Innovation ist seit 1997 branchenübergreifend in der Ideen- und Produktentwicklung tätig. Ihre Beratungsschwerpunkte umfassen Produkt- und Dienstleistungsentwicklung sowie Steigerung der Innovationsfähigkeit der Mitarbeiter durch einen innovationsförderlichen Kulturwandel.

Als Expertin für innovative Produktentwicklungen verbindet sie Methoden­wissen aus TRIZ, Design Thinking und QFD mit der Fähigkeit, kreative Potenziale zu erschließen und Brücken zwischen Ideen, Themen und Menschen zu bauen. Sie berät Geschäfts­führer, Führungs­kräfte, Teams, Netzwerke und Institutionen. Dabei ist es ihre Stärke, Menschen für Neues zu begeistern, Engpässe und Bedürfnisse zu erkennen, Dinge auf den Punkt zu bringen und ­einen Wandel zu einer innovationsförderlichen Kultur nachhaltig zu initiieren. Im MBA Fernstudiengang Innovation Manage­ment an der Hochschule Kaiserslautern ist Barbara Gronauer Autorin und Dozentin des Studien­moduls „Personalführung für eine innovationsförderliche Unternehmenskultur“. Auf internationalen Konferenzen trägt sie regelmäßig zur TRIZ Innovations­methodik vor.