Mit einem Mix der Technologien den Verkehrssektor defossilisieren

Internationaler Motorenkongress diskutiert Perspektiven für den Verbrenner und spricht sich für ein Miteinander der Antriebskonzepte aus

Der 11. Internationale Motorenkongress findet am 27. und 28. Februar 2024 in Baden-Baden statt. (Bildquelle: VDI Wissensforum)

(Düsseldorf, 05.03.2024)
Über das Ziel – eine möglichst schnelle und effiziente Defossilisierung des Verkehrssektors – sind sich alle einig. Der beste Weg dorthin ist noch zu diskutieren: Statt eines Entweder-oder spricht sich die internationale Motoren-Community dabei für ein intelligentes Miteinander verschiedener Technologien aus, vom batterieelektrischen Antrieb bis zum Verbrennungsmotor. Mit dieser Quintessenz ging der 11. Internationale Motorenkongress am 27. und 28. Februar 2024 in Baden-Baden zu Ende. Über 350 Teilnehmende, sowohl vor Ort als auch online, machten die hohe internationale Relevanz des Themas deutlich.

Allein die Elektrifizierung werde nicht in überschaubaren Zeiträumen zur Defossilisierung des Verkehrs führen, insbesondere die Bestandsflotten seien ebenfalls zu berücksichtigen, machte der Kongressleiter Prof. Dr.-Ing. Peter Gutzmer deutlich. Im internationalen Kontext werde die Relevanz des Verbrennungsmotors ganz anders bewertet als in Europa. Doch auch hierzulande zeige sich, dass der alleinige Weg zu batterieelektrischen Antrieben von den Kunden nicht akzeptiert werde: „Es hat sich noch nie eine Technologie aus Zwang durchgesetzt.“

Verbrennungsmotor hat weltweit große Relevanz

Prof. Uwe Dieter Grebe, Geschäftsführer von AVL List, bestätigte diese Einschätzung in seiner Keynote. Gerade im weltweiten Energiemix bleibe der Verbrennungsmotor von hoher Relevanz. Chancen für emissionssenkende Maßnahmen würden jedoch nicht konsequent genug genutzt, etwa im Bereich der synthetischen Kraftstoffe: „Schon mit dem Einsatz von E20 könnte der CO2-Ausstoß bis 2030 um 10 Prozent gesenkt werden“, so Prof. Grebe. Im weltweiten Vergleich befinde sich Europa mit seiner alleinigen Konzentration auf BEVs aktuell in einer sehr isolierten Position. So betrachte beispielsweise Japan alle möglichen Antriebstechnologien mit großer Technologieoffenheit.

Dr. Monika Griefahn, Vorstandsvorsitzende der eFuel Alliance, nahm die weltweite Gesamtflotte von 1,3 bis 1,4 Milliarden Fahrzeugen in den Blick, die klimafreundlicher betrieben werden müsse: „Jeder Liter eFuel ist hier ein direkter Beitrag. Wir hoffen, dass mit der neuen EU-Kommission die Diskussion um eine Cradle-to-Cradle-Betrachtung sofort wieder aufgenommen wird“, sagte Dr. Griefahn. E-Mobilität sei zwar ein wichtiger Faktor, aber nicht überall einsetzbar.
 

„Nicht allein auf Elektrifizierung setzen“

In einem Impulsvortrag befasste sich Benjamin Krieger, Secretary General, CLEPA – European Association of Automotive Suppliers, ebenfalls mit Strategien zur effizienten CO2-Reduktion. Auch er unterstrich, dass eine längerfristige Perspektive für den Verbrenner – insbesondere als Hybrid – wünschenswert sei. „Es ist legitim und sinnvoll zu überlegen, welche weiteren technischen Möglichkeiten die Elektrifizierung komplettieren können, etwa eFuels und Bio-Fuels“, betonte Krieger: „Daher wünschen wir uns mehr Technologieoffenheit von politischer Seite und deutlich mehr Flexibilität.“
 

Ein Miteinander der Technologien

Einigkeit bezüglich der Fragen, die aktuell die internationale Motoren-Community beschäftigen, prägte auch die Podiumsdiskussion mit dem Titel „Ohne Verbrennungsmotor kein Klimaschutz“. Das Fazit der Teilnehmenden aus Wissenschaft und Wirtschaft: Es gehe nicht um die Frage „entweder Elektroantriebe oder Verbrenner“, sondern um ein zielgerichtetes und nachhaltiges Miteinander aller Technologien.

Für aktuellen Diskussionsstoff war somit beim diesjährigen Internationalen Motorenkongress gesorgt. Zu weiteren Schwerpunktthemen zählten technologische Möglichkeiten des CO2-Recyclings als Schlüsselthema für reFuels sowie die Perspektiven für Wasserstoff und andere nachhaltige Energieträger. Abgerundet wurde das Vortrags- und Diskussionsprogramm durch eine begleitende Fachausstellung sowie zahlreiche Möglichkeiten des Netzwerkens, beispielsweise beim beliebten Abend der Motoren-Community.
 

Der 12. Internationale Motorenkongress findet am 25. und 26. Februar 2025 statt.

Anmeldung und Programm unter https://www.vdi-wissensforum.de/motorenkongress/ sowie über das VDI Wissensforum Kundenzentrum, Postfach 10 11 39, 40002 Düsseldorf, E-Mail: wissensforum@vdi.de, Telefon: +49 211 6214-201, Telefax: -154.

Über die VDI Wissensforum GmbH

Wir sind seit 1957 Partner in der Weiterbildung für Ingenieurinnen und Ingenieure sowie technische Fach- und Führungskräfte. In jährlich mehr als 2.150 Kongressen, Tagungen, Technikforen, Lehrgängen und Seminaren decken wir nahezu jede technische Disziplin ab. Der Bereich Soft Skills und Management rundet unser Portfolio ab. Mehr als 37.000 Teilnehmende bilden sich mit Hilfe unseres Angebots jedes Jahr aus und weiter.


Hinweis an die Redaktion

Ihre Ansprechpartnerin für die Pressearbeit: Justine Otto, Managerin PR & Communications
Telefon: +49 211 6214-394 × E-Mail: justine.otto@vdi.de