Maßhaltigkeit und Toleranzmanagement bei Kunststoff-Formteilen nach DIN ISO 20457
Veranstaltungsnummer: 03SE012
- Voraussetzungen zur Konstruktion, Tolerierung sowie Fertigung maßhaltiger Kunststoff-Formteile
- Zukünftige Anforderungen durch neue Normen des GPS-Systems
- Maßrelevante Eigenschaften von Kunststoffen im Vergleich zu Metallen
Die Anzahl von Kunststoff-Formteilen nimmt in der technischen Produktentwicklung stetig zu. Viele Konstrukteure sind jedoch mit einer toleranzbewussten Produktgestaltung überfordert, da sie häufig noch „in Metall“ denken und somit gegen grundlegende Konstruktionsregeln für Kunststoff-Formteile verstoßen. Die Folge sind z.B. übertriebene Genauigkeiten, sogenannte „Angst-Toleranzen“. Solche implizieren zusätzliche Kosten, ohne die Qualität nennenswert zu steigern.
Das Seminar führt dich ein in die wichtigsten Entscheidungsfelder des Formteilengineering mit Kunststoffen: dem Werkstoff, dem Werkzeug, der Fertigung und der Teilegeometrie. Du lernst in der Weiterbildung, wie diese Felder und ihre Verflechtungen die Maßhaltigkeit von Bauteilen und das Toleranzmanagement beeinflussen. Anhand von konkreten Beispielen aus der Praxis wirst du vertraut gemacht mit der DIN ISO 20457, dem Nachfolger der DIN 16742. Du erfährst, wie die inhaltliche Trennung von Funktionstoleranzen und Fertigungstoleranzen dich bei deiner Bauteilentwicklung unterstützt.
Nach Besuch des Seminars bist du in der Lage, die neue DIN ISO inhaltlich und methodisch anzuwenden sowie die im Vergleich zu den Vorgängern erweiterte Nutzung zu meistern. Darüber hinaus lernst du, periphere Einflüsse auf die Maßhaltigkeit von Kunststoff-Bauteilen zu verstehen, zu bewerten und zu berücksichtigen.
Top-Themen
- Voraussetzungen zur Konstruktion, Tolerierung sowie Fertigung maßhaltiger Kunststoff-Formteile
- Zukünftige Anforderungen durch neue Normen des GPS-Systems
- Maßrelevante Eigenschaften von Kunststoffen im Vergleich zu Metallen
- Toleranzmanagement: Gründe für die Trennung von Fertigungs- und Funktionstoleranzen
- Einsatz neuer Werkzeugkonzeptionen und computerunterstützter Simulation
- Erfolgreiche Anwendung der DIN ISO 20457 mit Hilfe von Praxisbeispielen, Orientierungshilfen und Checklisten
Ablauf des Seminars "Maßhaltigkeit und Toleranzmanagement bei Kunststoff-Formteilen nach DIN 16742/DIN ISO 20457"
Erfahre im Seminar "Maßhaltigkeit und Toleranzmanagement bei Kunststoff-Formteilen nach DIN ISO 20457" mehr zu folgenden Themen:
Präsenz-Seminare:
1. Tag 10:00 bis 17:30 Uhr | 2. Tag 09:00 bis 15:00 Uhr
Online-Seminare:
1. Tag 09:00 bis 16:30 Uhr | 2. Tag 09:00 bis 15:00 Uhr
Einführung in das Thema – Warum eine neue Norm?
- Entscheidungsfelder zur Entwicklung und Fertigung maßhaltiger Kunststoff-Formteile
- Kritische Anmerkungen zur alten DIN 16901 und Entwicklung der DIN ISO 20457
- Seminarschwerpunkte, Handlungsempfehlungen
Maßhaltigkeit und geometrische Produktspezifikation (GPS)
- Toleranzarten und GPS-System, Toleranzfeldlage und Tolerierungsarten
- Konstruktionsgrundsätze nach DIN EN ISO 8015
- Einfluss von Entformungsschrägen
- Wer legt welche Toleranzen fest?
- Toleranzanalyse für unabhängige Maße, Passmaße und Maßketten
- Hinweise zu Rauheitstoleranzen
Maßbezugsebenen für Anwendung und Fertigung der Kunststoff-Formteile
- Definition der Maßbezugsebenen für Teileanwendung, Teilefertigung und Werkzeugfertigung
- Verursachungsfaktoren der anwendungs- und fertigungsbedingten Maßänderungen
- Abnahmebedingungen der Formteil- und Werkzeugfertigung
- Bestimmungsrichtlinien für anwendungsbedingte Maßverschiebungen und Maßstreuungen
- Wärmedehnung, Nachschwindung und Quellung von Kunststoffen bei der Formteilanwendung
Maßrelevante Eigenschaften der Kunststoffe für Konstruktion, Fertigung und Anwendung der Formteile nach DIN ISO 20457
- Übersichten und Stoffstrukturbeschreibung
- Maßrelevante thermische und mechanische Eigenschaften
- Fließverhalten thermoplastischer Schmelzen
- Bestimmung und Beeinflussung der Verarbeitungsschwindung
- Ursachen des Formteilverzugs, Minimierung des Verzugs durch geeignete Kunststoffe und Formteilgestaltung
- Einfluss von Recyclatzusätzen auf die Fertigungsgenauigkeit von Thermoplastformteilen
- Spannungsrissbildung: Ursachen und Vermeidung
Einfluss der Werkzeugkonzeption auf die Maßhaltigkeit
- Einfluss der Fertigungsverfahren auf die Fertigungsgenauigkeit
- Werkzeugklassifizierung nach der Serienstückzahl (Spritzgießen)
- Schwerpunkte für ein Spritzgießwerkzeugkonzept (auch: DIN ISO 16916)
- Anwendungsmöglichkeiten von Simulationstechniken
- Einfluss von Werkzeugsteifigkeit und Werkzeugtemperierung auf die Fertigungsgenauigkeit
- Rheologische Ausbilanzierung von Mehrfachwerkzeugen und Mehrfachanschnitten
Bestimmung zulässiger Fertigungstoleranzen nach DIN ISO 20457
- Maßrelevante Haupteinflüsse für die Formteilfertigung
- Anwendungsbereich von DIN ISO 20457
- Konzeptionelle Grundlagen und Tolerierungsgrundsätze
- Werkzeugbindung der Formteilmaße
- Definition und Bestimmung der Toleranzgruppen
- Toleranzreihenzuordnung
- Nennmaßdefinition für Form- und Lagetoleranzen
- Übersicht zu den Toleranztabellen
Orientierungshilfen, Hinweise und Beispiele zur praktischen Anwendung der DIN ISO 20457
- Orientierungshilfen zur Werkstoffzuordnung
- Vorstellung der Software PolTolerances der Makrolar GbR Berlin
- Demonstrationsbeispiele für die dimensionelle und geometrische Tolerierung (Praxisbeispiele der Seminarteilnehmer werden bevorzugt bearbeitet)
- Hinweise zur Reduzierung des Maßkontrollaufwandes und zur Wanddickentolerierung
- Diskussion zu Problemen des Mikrospritzguss
- Checkliste
Abschlussdiskussion
Teilnehmer diskutieren über eigene Erfahrungen aus dem Bereich der Maßhaltigkeit und des Toleranzmanagements. Bringen Sie eigene Bauteile mit und nutzen Sie die Gelegenheit, um Fehlerbilder zu schildern und unbefriedigende Ergebnisse aus der eigenen Betrieb vorzustellen. Gemeinsam wird versucht, auftretende Probleme zu lösen und das Ergebnis zu optimieren. Toleranzanalysen von komplexen und umfangreichen Konstruktionszeichnungen sind allerdings nicht möglich
Zielgruppe
Das Seminar "Maßhaltigkeit und Toleranzmanagement bei Kunststoff-Formteilen nach DIN 16742" richtet sich an:
- Konstrukteur*innen
- Produktentwicker*innen
- Technische Leiter*innen
- Qualitätsverantwortliche
Du hast auch die Möglichkeit, die Weiterbildung als Inhouse-Seminar zu buchen und mehrere Mitarbeitende gleichzeitig weiterbilden zu lassen. Der Referent stimmt dann in Absprache mit dir die Inhalte der Weiterbildung auf die Bedürfnisse deines Unternehmens ab.
Dein Referent für das Seminar "Maßhaltigkeit und Toleranzmanagement bei Kunststoff-Formteilen nach DIN 16742/DIN ISO 20457":
Dipl.-Ing. Franz Stadler, Graz
Nach seiner Ausbildung zum Dipl.-Ing. für Elektrotechnik/Regelungstechnik an der TU Graz war Herr Stadler mit dem Aufbau und Leitung einer Gruppe für Toleranzsimulation in der Entwicklung eines internationalen Konzerns beschäftigt. Von 2008 bis 2019 war er für ein deutsches Unternehmen als Standortleiter für Österreich tätig. Herr Stadler verfügt über eine 20 jährige Industrieerfahrung und war Leiter für Toleranzmanagement (TM) in unterschiedlichen Fahrzeugprojekten: Leitung TM Interior und Exterior für Ferrari, Daimler und mehrere chinesische Fahrzeuge. Er konnte sich ein umfangreiches Fachwissen in Zusammenhang mit Metall- und Kunststoffbauteilen aneignen. Herr Stadler ist u.a. Spezialist für 3D-Toleranzsimulation [3DCS, eMTolmate] und Toleranzberechnung [Simtol]. Weitere seiner Schwerpunkte liegen in der Vermittlung von Wissen zu Form- und Lage Tolerierung und Toleranzmanagement von Kunststoffbauteilen. Derzeit ist er selbständig mit seinem Unternehmen GDT-Consulting und ist Mitglied im Fachnormenausschuss „GPS-Geometrische Produktspezifikation“ am ON.