Komplexe öffentliche Großprojekte stehen heute mehr denn je unter hohem Erwartungsdruck. Kostensteigerungen, Terminverschiebungen und unklare Risikoverteilungen zeigen, dass klassische Projektabwicklungsansätze bei anspruchsvollen Vorhaben häufig an ihre Grenzen stoßen. Vor diesem Hintergrund rückt die partnerschaftliche Projektabwicklung zunehmend in den Fokus, insbesondere dort, wo viele Akteure, hohe Unsicherheiten und große wirtschaftliche Tragweiten zusammentreffen.
Im Rahmen der VDI-Konferenz „Bauen für die Bundeswehr“ zeigt Prof. Dr. Philip Sander, welche Erfolgsfaktoren für die partnerschaftliche Abwicklung komplexer öffentlicher Großprojekte entscheidend sind und wie sich diese systematisch in die Projektpraxis übertragen lassen.
Im Mittelpunkt stehen zunächst die Prinzipien und Kernelemente der Integrierten Projektabwicklung. Entscheidend ist dabei ein gemeinsames Projektverständnis aller Beteiligten, das auf Transparenz, früher Einbindung relevanter Akteure und einer konsequenten Ausrichtung auf die Projektziele basiert. Gerade bei öffentlichen Großprojekten kann eine partnerschaftliche Struktur helfen, Schnittstellenkonflikte zu reduzieren und die Zusammenarbeit über organisatorische Grenzen hinweg zu verbessern.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags liegt auf der Entwicklung projektspezifischer Projektabwicklungsmodelle. Denn erfolgreiche Projektabwicklung folgt keinem starren Schema. Vielmehr müssen Modelle an die jeweiligen Rahmenbedingungen, Projektziele und Risikoprofile angepasst werden. Entscheidend ist, für jedes Vorhaben eine tragfähige Struktur zu entwickeln, die sowohl den Anforderungen des Auftraggebers als auch den Realitäten komplexer Projektumgebungen gerecht wird.
Von besonderer Bedeutung ist zudem ein integrales Risikomanagement, das Transparenz über Unsicherheiten schafft und belastbare Entscheidungsgrundlagen liefert. Hierfür werden probabilistische Methoden eingesetzt, mit denen Risiken nicht nur qualitativ beschrieben, sondern auch quantitativ bewertet werden können. Dies ermöglicht eine realistischere Einschätzung möglicher Kosten- und Terminabweichungen und stärkt die Steuerungsfähigkeit in frühen Projektphasen.
Ergänzt wird dieser Ansatz durch anreizbasierte Vergütungsmodelle, die gezielt auf Kosten- und Terminsicherheit ausgerichtet sind. Richtig gestaltet, schaffen sie ein gemeinsames Interesse aller Projektbeteiligten an einer erfolgreichen Projektrealisierung und fördern kooperatives Verhalten anstelle kontraproduktiver Einzeloptimierung.
Der Vortrag bietet damit praxisnahe Einblicke in moderne Ansätze der Projektabwicklung und zeigt, wie partnerschaftliche Modelle dazu beitragen können, komplexe öffentliche Großprojekte robuster, transparenter und zielorientierter umzusetzen.
