Gebäudeautomation als Orchester: Vernetzte Systeme im Fokus

Kurzinterview mit den Konferenzleitern der 7. VDI-Fachkonferenz „Gebäudeautomation – intelligent und nachhaltig“

Die Gebäudeautomation steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und neue Anforderungen durch die Energiewende verändern die Branche nachhaltig. Gleichzeitig stellen Fachkräftemangel, strengere regulatorische Vorgaben und die Sanierung von Bestandsgebäuden zentrale Herausforderungen dar.

Die 7. VDI-Fachkonferenz „Gebäudeautomation – intelligent und nachhaltig“ zeigt, wie sich die Gebäudeautomation vom einzelnen System hin zum vernetzten Zusammenspiel von Gebäuden, Quartieren und Infrastruktur entwickelt. Im Fokus stehen aktuelle Themen wie GEG und VDI 6041, intelligente Ladeinfrastruktur, Energiemanagement, Batteriespeicher sowie IT- und OT-Sicherheit.

Im Interview geben die Konferenzleiter Martin Becker und Martin Höttecke Einblicke in die wichtigsten Branchentrends und verraten, worauf sich Teilnehmende in diesem Jahr besonders freuen können.

3 Fragen an..

Prof. Martin Becker VDI, Professor für MSR-Technik, Gebäudeautomation und Energiemanagement, Hochschule Biberach 

Prof. Dr.-Ing. Martin Höttecke VDI, Professor für MSR-Technik und Gebäude automation, FH Münster

Ihr kennt die Gebäudeautomations-Branche sehr gut: Welche Themen und Entwicklungen bewegen die Branche derzeit besonders? Wo seht ihr aktuell die größten Veränderungen oder Herausforderungen?

Martin Becker: Digitalisierung sowie der sinnvolle Einsatz von KI im gesamten Planungs-, Bau- und Betreiberprozess sind aus meiner Sicht aktuell die großen Themen in der Gebäude- und Energietechnik, die auch die Gebäudeautomations-Branche sehr beschäftigen. Dies ist gleichzeitig eng mit der Frage verbunden, wie wir mit dem weiter zunehmenden Fachkräftemangel im Bereich der Gebäude- und Energietechnik und speziell der Gebäudeautomation umgehen.

Martin Höttecke: Einen weiteren wichtigen Aspekt sehe ich – neben dem Thema klimaneutrale Gebäude im Neubau – im Bereich des Bestands hinsichtlich des wirtschaftlichen Sanierens von Gebäuden unter den zunehmend verschärften gesetzlichen und normativen Rahmenbedingungen. 
 

Die Konferenz „Gebäudeautomation“ ist inzwischen fest in der Branche etabliert: Worauf dürfen sich die Teilnehmenden in diesem Jahr besonders freuen? Gibt es inhaltliche Schwerpunkte oder neue Formate im Programm?

Martin Höttecke: Es werden erneut spannende und hochaktuelle Beiträge zu den derzeitigen und zukünftigen Entwicklungen im Bereich der Gebäudetechnik mit speziellem Bezug zur Gebäudeautomation präsentiert. Neben Vorträgen über aktuelle gesetzliche Entwicklungen (z. B. das neue Gebäudemodernisierungsgesetz) sowie Richtlinien (z. B. VDI 6041, AMEV-Empfehlung TMon) richtet sich der Blick auch auf die vielfältigen und komplexen Herausforderungen der Energiewende. Dazu zählen unter anderem die Integration von Elektromobilität und Energiespeichern in die Gebäudetechnik sowie die sich daraus ergebende neue Rolle der Gebäudeautomation. 

Martin Becker: Neben den Fachvorträgen bietet das Programm auch ausreichend Raum für Diskussionen. Am ersten Konferenztag findet z. B. eine Podiumsdiskussion zum Thema „Intelligente Ladeinfrastrukur und die Rolle der Gebäudeautomation“ statt. Eine weitere Besonderheit der Konferenz „Gebäudeautomation – intelligent und nachhaltig“ ist, dass die Teilnehmenden mit ihrem Ticket kostenfrei am parallel stattfindenden Kongress „AUTOMATION 2026“ inkl. Firmen- und Posterausstellung teilnehmen können. Auch die gemeinsame Abendveranstaltung im Kurhaus Baden-Baden bietet eine hervorragende Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken.
 

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: In unserem letzten Austausch habt ihr gesagt, dass sich die Gebäudeautomation „vom Quintett zum Orchester“ entwickelt. Was genau meint ihr damit? Und wie greift ihr diese Entwicklung im Programm der Veranstaltung konkret auf?

Martin Becker & Martin Höttecke: Wir stellen fest, dass sich die Gebäudeautomation nicht mehr nur mit der Konzeption und Umsetzung einer gewerkeübergreifenden Gebäudetechnik im Gebäude (Gebäude als System) beschäftigen muss, sondern zunehmend auch das Zusammenspiel von Gebäuden als Teil eines Quartiers oder einer Infrastruktur (Gebäude im System) in den Fokus rückt. Zu denken ist hier beispielsweise an die verstärkte Integration von elektrischen und thermischen Speichern zur Lastverschiebung und zur Unterstützung eines netzdienlichen Betriebs oder an den Betrieb eines Wärmenetzes als sogenanntes kaltes Nahwärmenetz mit dezentralen Wärmepumpen und thermischem Speicher in den angeschlossenen Gebäuden mit einer PV-Anlage und elektrischem Speicher auf dem Dach. Wir reden hier immer mehr von einer Gebäudeenergietechnik als Verbindung von klassischer Gebäudetechnik und klassischer Energietechnik im Sinne einer Sektorenkopplung. Dies eröffnet neue Möglichkeiten und Chancen für die Gebäudeautomation, so dass wir diese Themen bei der diesjährigen Veranstaltung auch mit adressieren.

Über die Autor*innen:

Prof. Dr.-Ing. Martin Becker

lehrt an der Hochschule Biberach in den Studiengängen Energie-Ingenieurwesen sowie Energie- und Gebäudesysteme. Er engagiert sich ehrenamtlich in der Normen- und Richtlinienarbeit wie z.B. VDI 3814, DIN V 18599-11 und EN 15232 und ist zurzeit Vorsitzender des Fachausschusses Elektrotechnik/Gebäudeautomation im VDI-GBG.

Prof. Dr.-Ing. Martin Höttecke

ist Professor für MSR-Technik und Gebäudeautomation an der FH Münster. Er ist Leiter des Arbeitskreises der Professuren für Gebäudeautomation und Energiesysteme mit insgesamt 14 Hochschulen und wirkt bei der Richtlinienarbeit im VDI 3814 mit.

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