Dr. Oliver Geibig zu Chancen und Herausforderungen der Robotik
Was ist aus Ihrer Sicht aktuell die größte Herausforderung beim Einsatz von Robotik im Bauwesen?
Dr. Oliver Geibig: Die größte Herausforderung liegt weniger in der Technologie selbst als vielmehr in der Integration in bestehende Bauprozesse. Baustellen sind hochkomplex, individuell und dynamisch – und oft noch nicht ausreichend digitalisiert, was den Einsatz von Robotik erschwert. Zudem fehlen häufig durchgängige Datenketten, vom BIM-Modell bis zur Ausführung. Hinzu kommt, dass nicht alle Projektbeteiligten beim Thema Digitalisierung auf dem gleichen Stand sind. Genau hier setzt die Branche aktuell an, indem sie digitale Ökosysteme und standardisierte Schnittstellen entwickelt.
Was müssen Unternehmen heute konkret tun, um beim Einsatz von Baurobotik wettbewerbsfähig zu bleiben?
Dr. Oliver Geibig: Unternehmen sollten vor allem beginnen, ihre Prozesse konsequent zu digitalisieren und auf Datenverfügbarkeit auszurichten. Der Einstieg gelingt häufig über konkrete Anwendungsfälle und kleinere Pilotprojekte, etwa in der Vorfertigung oder bei standardisierten Baustellenprozessen. Gerade in diesem sich rasant entwickelnden Feld ist es entscheidend, ins Handeln zu kommen und nicht auf die vermeintlich perfekte Lösung zu warten – was heute als Ziel definiert wird, kann morgen bereits überholt sein. Ein besonders effektiver Ansatz ist dabei die Kooperation mit Start-ups, da ein kompletter Eigenaufbau oft zu zeit- und kostenintensiv ist. Wichtig ist außerdem, Kompetenzen im Bereich Robotik und KI aufzubauen sowie die Mitarbeitenden abzuholen und aktiv einzubinden. Wer früh praktische Erfahrungen sammelt, verschafft sich einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Welche Themen sind derzeit entscheidend für die Weiterentwicklung der Baurobotik?
Dr. Oliver Geibig: Besonders entscheidend sind aktuell die Themen Interoperabilität – also die nahtlose Verbindung von Planung, Daten und Ausführung – sowie die Mensch-Roboter-Kollaboration. Auch KI spielt eine immer größere Rolle, etwa bei der autonomen Entscheidungsfindung und Prozessoptimierung. Gleichzeitig sehen wir große Fortschritte in der additiven Fertigung und bei mobiler Robotik direkt auf der Baustelle. Diese Entwicklungen treiben den Wandel hin zu effizienteren und nachhaltigeren Bauprozessen. Darüber hinaus entwickelt sich das Feld humanoider Robotik derzeit sehr dynamisch: Expertenschätzungen gehen je nach Studie davon aus, dass ihre Zahl bis 2030 auf rund eine Million und bis 2050 sogar auf bis zu eine Milliarde ansteigen könnte.
Auf welchen Programmpunkt oder Austausch freuen Sie sich persönlich besonders?
Dr. Oliver Geibig: Ich freue mich auf den Austausch zwischen Praxis, Forschung und Industrie, weil hier die spannendsten Impulse entstehen. Formate wie Diskussionsrunden oder das World Café bieten zudem die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven direkt zusammenzubringen und die Teilnehmenden aktiv einzubeziehen. Sehr bereichernd finde ich auch die Einbindung von Start-ups, da sie oft frische, unkonventionelle Lösungsansätze in die Branche einbringen. Als jemand aus der Praxis ist es mir zudem wichtig, stets den konkreten Bezug zu Anwendungen herzustellen. Die Beispiele aus realen Bauprojekten sind daher für mich ein besonderes Highlight, weil sie zeigen, was heute bereits möglich ist – genau dieser Transfer von der Idee in die Anwendung macht die Konferenz so wertvoll.