„AI – or Bye-bye“
Die Frage nach dem „Ob“ stellt sich bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz längst nicht mehr, machte Carsten Maschmeyer in seiner Video-Grußbotschaft zu Beginn des Kongresses deutlich. Stattdessen gehe es darum, die geeignetsten Anwendungen zu identifizieren, mit denen sich Vorsprünge hinsichtlich Produktivität und Innovationstempo erreichen lassen: „AI – or Bye-bye“, so lautet Maschmeyers eingängiges Credo.
„KI anwenden und skalieren“
VDI-Direktor Adrian Willig betonte in seiner Eröffnungsrede ebenfalls die Notwendigkeit, in die Anwendung zu kommen: „Entscheidend ist, was Ingenieurinnen und Ingenieure in Unternehmen wirklich umsetzen. Wertschöpfung entsteht nicht in Präsentationen, sondern in der Praxis.“ Von zentraler Bedeutung seien Best-Practice-Beispiele, gegenseitiger Austausch und Enablement für Künstliche Intelligenz. Adrian Willig ging weiter auf die Bedeutung von Schlüsseltechnologien für den heimischen Standort und langfristig wirkende Entscheidungen ein. Vor diesem Hintergrund hat der VDI die Initiative Zukunft Deutschland 2050 ins Leben gerufen. Sein Fazit: „Deutschland kann KI. Wir müssen sie jetzt konsequent anwenden und skalieren.“
smartAI Council gegründet
Impulse auf diesem Weg will das smartAI Council geben. Das Experten-Gremium konstituierte sich im Rahmen des Kongresses und entwickelte zugleich eine Agenda für seine Arbeit. Zu den wesentlichen Handlungsfeldern gehören die Entmystifizierung von AI, die Vermittlung von neuem Wissen und zusätzlichen Qualifikationen sowie die Vernetzung führender Köpfe und Leuchtturmprojekte. Erfolgreiche KI benötigt neue Räume fürs Experimentieren, so das smartAI Council – verbunden mit dem Mut, auch Fehler zuzulassen.
Einen bereits bestehenden KI-Leuchtturm lernten die Teilnehmenden mit dem Tagungsort IPAI kennen. Heilbronn hat sich auf den Weg gemacht, einer der führenden KI-Standorte in Deutschland zu werden. Robin Hermann (Stackit, Schwarz Gruppe), stellte in seiner Keynote die damit verbundene Strategie vor und betonte insbesondere die Bedeutung von Souveränität, sowohl was Daten als auch Technologien angeht. Dies erstreckt sich bis hin zur Schaffung eigener Cloud-Kapazitäten, um Abhängigkeiten zu vermeiden.
Chancen für die heimische Industrie
Mit gängigen KI-Mythen, Ängsten und Erwartungen beschäftigte sich Prof. Dr. Hans Uszkoreit, Scientific Director am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), in seiner vielbeachteten Keynote. Er zeigte auf, wie Kl-Werkzeuge unterschiedlichste Tätigkeitsbereiche in den kommenden Jahren verändern werden. Repetitive Aufgaben lassen sich zunehmend automatisieren, dennoch bleibe der Faktor Mensch bei kreativen Aufgaben, bei der Kommunikation oder etwa beim Verhandeln unersetzbar: „Wir haben große Chancen in der Adaption und im Einsatz der Kl in der Industrie, insbesondere in der verarbeitenden Industrie. Trumpfkarten sind dabei unsere ingenieurwissenschaftliche Tradition und unser starker Mittelstand. Hier kann der VDI eine wichtige Rolle spielen.“
Wie wichtig die Technologie- und Prozesskompetenz der Ingenieurinnen und Ingenieure für zielführende KI-Projekte ist, machte ebenso Dr. Sven J. Körner (Aleph Alpha) deutlich: „Ohne die kompetenten Ingenieure, die dem KI-System zeigen, was richtig und notwendig ist, bleibt jede Lösung lediglich Stückwerk.“ Sein Fazit: Gut gemeint sei oft das Gegenteil von gut gemacht.

