Wie lässt sich Abwärme aus Rechenzentren nutzen?
Die Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren gilt als wichtiger Hebel zur Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz. Technisch wird die Abwärme über Wärmetauscher in wassergeführte Systeme eingebunden und lässt sich in Fernwärmenetze, Nahwärmenetze oder industrielle Prozesse einspeisen. Voraussetzung sind ein ausreichendes Temperaturniveau – Vorteil der Liquid-Kühlung – sowie die räumliche Nähe zu geeigneten Abnehmern.
In der Praxis sind zahlreiche Herausforderungen zu berücksichtigen, darunter Investitionskosten, regulatorische Rahmenbedingungen, Haftungsfragen und die langfristige Sicherstellung der Wärmeabnahme, vor allem im Sommer. Dennoch steigt die Zahl der Projekte, insbesondere in urbanen Räumen. Die Politik fördert die Abwärmenutzung zunehmend. Sie ist teilweise bereits verpflichtend (siehe Bitkom-Leitfaden) vorgeschrieben. Damit entwickelt sich die Abwärme von einem optionalen Nachhaltigkeitsmerkmal zu einem integralen Bestandteil moderner Rechenzentrumsplanung.
Helmut Göhl, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens GAP solida und Mitverfasser des Bitkom-Leitfadens „Energieeffizienzgesetz für Rechenzentren“: sagte dazu: „Die Anforderungen des Gesetzes in der jetzigen Form lassen sich umsetzen, aber der Aufwand dafür ist nicht zu unterschätzen. Grundsätzlich bewertet die Branche den Technik-Push, den das Gesetz auslöst, aber meist positiv und erwartet auch dadurch weitere Wachstumsimpulse.“
Wie entwickelt sich der Markt für Rechenzentren?
Der Datacenter-Markt ist grundsätzlich durch eine starke Konzentration geprägt. Große Hyperscaler und Colocation-Anbieter dominieren, während mittelständische Betreiber*innen häufig Nischenmärkte bedienen. Allerdings sorgen die geopolitische Lage und Themen wie die Datensouveränität dafür, dass in Deutschland derzeit ein verstärktes Interesse auch an einem regionalen Angebot zu spüren ist.
In allen Bereichen wächst der Druck durch steigende Energiepreise, Netzengpässe und regulatorische Anforderungen. Energieeffizienz ist dadurch von einer optionalen Optimierungsgröße zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor geworden. Kennzahlen wie PUE (Power Usage Effectiveness) haben sich trotz technischer Unzulänglichkeiten als Branchenstandard etabliert. Sie reichen jedoch zunehmend nicht mehr aus, um eine Gesamtökobilanz zu bewerten. Ergänzend gewinnen Kennzahlen zur CO₂-Intensität, zum Wasserverbrauch sowie zur Abwärmenutzung an Bedeutung.
Welche Rolle spielen Energieversorger für Rechenzentren?
Das Borderstep-Institut, das die RZ-Branche seit rund 20 Jahren mit einem besonderen Fokus auf den Stromverbrauch untersucht, bezeichnet in einem aktuellen Papier die Rechenzentren einerseits als kritische Infrastruktur für Digitalisierung, KI und wirtschaftliche Souveränität in Deutschland und Europa. Andererseits führe ihr hoher Strom-, Flächen- und Ressourcenbedarf zu erheblich wachsenden Herausforderungen für Gesellschaft und Umwelt. Gefragt sei eine koordinierte Strategie, die systemische Lösungen hervorbringt und sowohl Wettbewerbsfähigkeit als auch ökologische Tragfähigkeit gewährleiste. Laut dem Borderstep-Institut können nachhaltige Rechenzentrumsstrukturen neue Chancen für Innovationen in Energie- und Wärmenetzen bieten und zu einer souveränen und regional verankerten digitalen Wertschöpfung beitragen.
Energieversorger betrachten Rechenzentren als besondere Kategorie industrieller Großverbraucher. Charakteristisch sind hohe Anschlussleistungen, ein nahezu kontinuierlicher Leistungsbedarf und kurze Reaktionszeiten bei Laständerungen – in diesem Umfeld erfordert besonders die KI-Infrastruktur erhöhte Aufmerksamkeit. Für Netzbetreiber stellen diese Eigenschaften sowohl eine Belastung als auch eine Chance dar. Einerseits erfordern Rechenzentren umfangreiche Investitionen in Netzausbau und Netzstabilisierung, andererseits bieten sie Potenziale für das Last-Management und eine netzdienliche Steuerung. Dabei stellen die bislang beim gewöhnlichen Betrieb meist ungenutzten Batterien ein beachtliches Speicherreservoir etwa zum Ausgleich von Stromschwankungen bei der Erzeugung und beim Verbrauch dar.
Aus Sicht der Energieversorgungsunternehmen gewinnt folglich die Planbarkeit des Lastprofils an Bedeutung. Betreibende von Rechenzentren können punkten, wenn sie flexible Betriebsmodelle, Lastverschiebung oder Notstrombetrieb als temporäre Netzstützung anbieten. Zunehmend eingefordert werden auch langfristige Abnahmeverträge für erneuerbare Energien sowie die Integration von Photovoltaik- und Speicherlösungen. Gleichzeitig wächst der Druck, CO₂-arme Stromquellen bereitzustellen, da Rechenzentren in vielen Regionen zu den größten Einzelverbrauchern gehören und damit eine erhebliche Wirkung auf regionale Klimaziele haben.