Militärischer Bundesbau im Wandel: Was Bauunternehmen und Planungsbüros jetzt wissen sollten

Interview mit Referentin Elena Kraus

Der militärische Bundesbau steht vor erheblichen Veränderungen. Die Bundeswehr benötigt schneller verfügbare Infrastruktur, zugleich verändern Standardisierung, Prozessoptimierung und neue Vergabespielräume die Projektpraxis. Auf der VDI-Konferenz „Bauen für die Bundeswehr“ spricht Elena Kraus über neue Wege im militärischen Bundesbau, von optimierten Bedarfsbeschreibungen über clevere Vergabekonzepte bis hin zu unterbrechungsfreien Planungs- und Bauprozessen. Im Interview gibt sie vorab Einblicke in zentrale Aspekte ihres Vortrags und erklärt, welche Chancen sich daraus für Bauunternehmen, Planungsbüros und weitere Projektbeteiligte ergeben.
 

Welche Rolle spielt der Bundesbau bei Bauprojekten für die Bundeswehr?

Der Bundesbau ist für viele Bauschaffende ein „unbekanntes Wesen“. Es gibt keine Bundebaubehörde, die alle Bundesbauprojekte (also die Bauaufgaben des Bundes in den Bundesländern) begleitet. Dies ist Aufgabe der jeweils im Bundesland zuständigen Baubehörden (z.B. Landesbetriebe, Ämter oder Anstalten des öffentlichen Rechts). Insofern ist der Bundesbau geprägt vom föderalen Miteinander. In Rheinland-Pfalz vertritt das Amt für Bundesbau den Bund in Rheinland-Pfalz und der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung setzt die Projekte des Bundes (z.B. für die Bundeswehr) mit freiberuflich Tätigen und Bauschaffenden um. 
 

Welche Bedeutung haben standardisierte Bedarfsbeschreibungen und Rahmenvereinbarungen künftig bei der Umsetzung militärischer Infrastrukturprojekte?

Die Bundeswehr benötigt durch die geopolitische Gesamtsituation schnell und wirksam Infrastruktur. Von der Instandsetzungshalle über Unterkünfte für den neuen Wehrdienst bis hin zu hoch technisierten komplexen Projekten wie zum Beispiel der multiaxiale Prüfstand für Fahrzeuge ist alles dabei. Das Spektrum ist riesig. Grundsätzlich hat die Bundeswehr entschieden, Infrastruktur, die häufiger benötigt wird (Hallen, Unterkünfte, Truppenküchen, etc.), zu standardisieren. Hier ist beabsichtigt – insbesondere vor dem Hintergrund des erwarteten Aufwuchses im Rahmen des Neuen Wehrdienstes – mit allgemeingültigen Bedarfen zu arbeiten und so die Umsetzung der Projekte repetitiv zu gestalten. Einfach gesagt: einmal planen und 5-, 10- oder 20-mal realisieren. 
 

Wie verändern sich Vergabe- und Beschaffungsstrategien im militärischen Bundesbau – und welche Chancen ergeben sich daraus für die Bauwirtschaft? Welche cleveren Vergabekonzepte gibt es?

Der Bundeswehr wird durch das Bundeswehr-Beschaffungsbeschleunigungsgesetz und der geänderten Verordnungslage unterhalb der Schwellenwerte erhebliche vergaberechtliche Erleichterungen gewährt. Dort, wo in der Vergangenheit mühsam vergaberechtliche Argumente für ein passendes Vergabekonzept gefunden werden mussten, kann heute weitestgehend frei von Argumentationszwängen agiert werden. Dies bedeutet einerseits erhebliche Vereinfachungen im Vorgehen, bedingt jedoch andererseits, dass verantwortungsvoll im Sinne des Projektes das bestmögliche Vergabekonzept entwickelt werden will. Praktisch bedeutet dies, dass nicht jedes Projekt für eine Ausschreibung über ein Leistungsprogramm geeignet ist. Umgekehrt kann und darf die gewerkeweise Ausschreibung nicht reflexartig als Lösung in Betracht gezogen werden. Insoweit gilt es nun, den bestmöglich passenden vergaberechtlichen Ansatz für das jeweilige Projekt zu identifizieren und diesen dann konsequent zu verfolgen.
 

Was bedeutet „unterbrechungsfreies Planen und Bauen“ konkret in der Projektpraxis – und welche Vorteile entstehen dadurch für alle Beteiligten?

Der Bundesbau war in der Vergangenheit durch intensive Prüf- und Genehmigungsphasen geprägt, die häufig mit längeren Projektunterbrechungen verbunden waren. Die Richtlinien für die Durchführung von Bauaufgaben des Bundes geben nun die Freiheit gemeinsam darüber zu entscheiden, dass Projekte während der Prüfungs- und Genehmigungsphase weiterbearbeitet werden. Hierüber werden Prozesse parallelisiert. Die Projektlaufzeit wird verkürzt und Projektbeteiligte müssen sich nicht mühsam erneut in das Projekt einarbeiten. Durch die (unvermeidlichen) Baupreissteigerungen, die nun vermindert anfallen, ist nun auch eine kostentreuere Umsetzung möglich. Das Projekt, die Beteiligten und nicht zuletzt die künftigen Nutzenden profitieren von dem Vorgehen. 

In Rheinland-Pfalz wird dieses Instrument häufig und intensiv genutzt. Unsere Erfahrungen sind auf allen Ebenen sehr positiv.
 

Welche Entwicklungen und Anforderungen sollten Bauunternehmen und Planungsbüros im militärischen Bundesbau in den kommenden Jahren besonders im Blick behalten?

Der Bundesbau ist im Wandel. Nicht nur im Sinne von internen Prozessoptimierungen, zu denen sich alle auf Seiten des Auftraggebers gemeinsam verpflichtet haben, sondern auch in der Art, wie Projekte geplant und in die Umsetzung gebracht werden. Zunächst hat sich die Bundeswehr mit dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) konsequent der Standardisierung und der Bereitstellung von bundesweiten Rahmenvereinbarungen verschrieben. Hier wird eng mit unterschiedlichen Bundesländern zusammengearbeitet (z.B. Bayern und NRW). Dort, wo keine bundesweiten Cluster gebildet werden können, sind die Bundesländer eigeninitiativ tätig. So schreibt Rheinland-Pfalz derzeit eine Rahmenvereinbarung für Zäune aus. Bei Erfolg wird das Konzept bundesweit ausgerollt. Ebenso hat der Landesbetrieb LBB in Rheinland-Pfalz mit dem Amt für Bundesbau ein Konzept für den optimierten Rückbau entwickelt, welches derzeit ausgerollt wird. Insgesamt können Bau- und Planungsbüros davon ausgehen, dass der Bundesbau in allen Bundesländern derzeit an mittel- bis langfristigen Vereinbarungen interessiert ist, um so Effizienzpotenziale beidseitig zu generieren. Die Vielfältigkeit der Ausschreibungen (Rahmenvereinbarungen, Ausschreibungen mit Leistungsprogramm, etc.) wird größer werden. Bauschaffende aus allen Bereichen sollten über langfristige Partnerschaften (z. B. zwischen planenden und ausführenden Unternehmen) nachdenken. Gleiches gilt für Partnerschaften, die die jeweilige Leistungsfähigkeit steigern.

Über die Autorin:

Dipl.-Ing./Architektin Elena Kraus

Direktorin, Amt für Bundesbau, Rheinland-Pfalz, Mainz

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