EUDR in der Automobilindustrie

EUDR in der Automobilindustrie: Was zunächst nach Agrar- oder Holzbranche klingt, kann auch Reifen, Innenräume und Lieferketten betreffen. Im Interview erklärt Material-Compliance-Experte Patrick Fischer Riegert, welche Materialien relevant werden können, welche Daten Unternehmen benötigen und wie der Einstieg in die Umsetzung gelingt.
 

Die EU-Entwaldungsverordnung, kurz EUDR, sorgt aktuell für viel Aufmerksamkeit. Was bedeutet sie ganz konkret für Unternehmen in der Automobilindustrie?

Patrick Fischer Riegert: Die EUDR verpflichtet Unternehmen dazu, bei bestimmten Rohstoffen und daraus hergestellten Produkten nachzuweisen, dass sie entwaldungsfrei sind und die Vorschriften im Erzeugerland eingehalten wurden. Das klingt zunächst nach Holz-, Lebensmittel- oder Agrarbranche, kann aber auch die Automobilindustrie betreffen.

Relevant wird es zum Beispiel bei Naturkautschuk, Leder oder Holzbestandteilen. Unternehmen müssen hier genauer verstehen, woraus ihre Materialien bestehen, woher sie kommen und welche Nachweise dazu vorliegen.
 

Viele denken bei Entwaldung nicht sofort an Autos. Welche Materialien oder Lieferketten sind hier tatsächlich betroffen?

Patrick Fischer Riegert: Betroffen sein können zum Beispiel Naturkautschuk in Reifen oder Gummiteilen, Leder im Innenraum oder bestimmte Holz- und Holzfaserbestandteile. Wichtig ist aber: Nicht jedes Fahrzeug und nicht jedes Bauteil ist automatisch EUDR-relevant. Entscheidend ist, ob ein konkreter Rohstoff oder ein daraus hergestelltes Erzeugnis unter die Verordnung fällt.

In der Praxis muss man deshalb genau hinschauen. Bei Kautschuk stellt sich zum Beispiel die Frage: Ist es Naturkautschuk, synthetischer Kautschuk, eine Mischung oder Rezyklat? Solche Informationen liegen oft nicht direkt vor und müssen über die Lieferkette abgefragt werden.
 

Wo sehen Sie in der Praxis die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?

Patrick Fischer Riegert: Die größte Herausforderung ist, aus der regulatorischen Anforderung einen funktionierenden Prozess zu machen. Viele Unternehmen kennen ihre Bauteile sehr gut, aber nicht immer die Rohstoffanteile und deren Ursprung.

Deshalb geht es vor allem darum, die richtigen Informationen von Lieferanten zu bekommen: natürlicher oder synthetischer Ursprung, Rezyklatanteile, Materialmischungen und passende Nachweise. Gerade bei mehrstufigen Lieferketten ist das nicht trivial. Es braucht klare Abfragen, klare Verantwortlichkeiten und ein gemeinsames Verständnis, welche Daten wirklich benötigt werden.
 

Welche Rolle spielen Daten und Systeme in diesem Zusammenhang?

Patrick Fischer Riegert: Daten und Systeme sind zentral. Unternehmen müssen zunächst prüfen, ob ein Produkt überhaupt in den Anwendungsbereich der EUDR fällt. Ein erster Anhaltspunkt ist dabei die Zolltarifnummer beziehungsweise der KN- oder CN-Code.

Danach braucht es belastbare Material-, Lieferanten- und Herkunftsdaten sowie Nachweise und Risikobewertungen. Diese Informationen müssen strukturiert erfasst und weiterverarbeitet werden. Hinzu kommt das europäische EUDR-Informationssystem, häufig im Zusammenhang mit TRACES genannt. Dort werden Sorgfaltserklärungen elektronisch erstellt und verwaltet. Dafür müssen die internen Daten sauber vorbereitet sein.
 

Was sollten Unternehmen jetzt tun und worauf gehen Sie im Webinar noch genauer ein?

Patrick Fischer Riegert: Unternehmen sollten mit einer pragmatischen Betroffenheitsanalyse starten: Welche Produkte, Materialien und Warennummern könnten unter die EUDR fallen? Danach gilt es, relevante Lieferanten einzubinden und die benötigten Informationen gezielt abzufragen.

Im Webinar zeigen wir, wie Unternehmen diese Prüfung praktisch aufbauen können. Wir gehen auf die verschiedenen Rollen und Pflichten nach der EUDR ein und zeigen anhand von Praxisbeispielen, wie sich Materialdaten, Zolltarifnummern, Lieferanteninformationen und Nachweise sinnvoll zusammenführen lassen.

Ziel ist es, Orientierung zu geben und konkrete Ansatzpunkte für die Umsetzung im eigenen Unternehmen zu vermitteln.

Unternehmensinformation:

imds professional unterstützt Unternehmen, die Anforderungen zur Material- und Produktkonformität nachhaltig und sicher zu erfüllen und alle Vorgaben einzuhalten. Unser Kerngeschäft umfasst Consulting, Service und Training zu umweltrelevanten Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien und kundenspezifischen Anforderungen. Als führendes Dienstleistungsunternehmen im Bereich Product Environmental Compliance ist es unsere Überzeugung und unser Auftrag, Umwelt-Compliance-Programme gewinnbringend zu optimieren. Mit neutraler und fokussierter Beratung sowie maßgeschneiderten Services und Schulungen helfen wir Unternehmen, angesichts zunehmender regulatorischer Auflagen wettbewerbsfähig zu bleiben. Seit 1999 vertrauen kleine und mittelständische Betriebe wie auch Konzerne aus der herstellenden und verarbeitenden Industrie weltweit auf unsere Kompetenz. Weitere Informationen gibt es unter www.imds-professional.com  

 

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Über den Autor:

Patrick Fischer Riegert

Patrick Fischer Riegert ist Product Compliance Expert bei der imds professional GmbH & Co. KG in Weilrod. Als langjähriger Berater der Automobilindustrie unterstützt er Unternehmen bei der Planung und Umsetzung von Product-Compliance-Prozessen. Vor seinem Wechsel zu imds professional war er mehrere Jahre in den Bereichen Material und Product Compliance sowie in der Entwicklungsleitung industrieller Zulieferer tätig und kennt die Herausforderungen komplexer Lieferketten aus erster Hand. imds professional unterstützt seit 1999 Unternehmen, die Anforderungen zur Material- und Produktkonformität nachhaltig und sicher zu erfüllen und alle Vorgaben einzuhalten. Das Kerngeschäft umfasst Consulting, Service und Training zu umweltrelevanten Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien und kundenspezifischen Anforderungen.

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