Positive Aufbruchstimmung auf dem Internationalen VDI-Kongress ELIV

Elektronik im Fahrzeug: Wie das Software-defined Vehicle und das KI-basierte Engineering das Automobil von morgen prägen

Bild: VDI Wissensforum

Der Internationale VDI-Kongress ELIV fand am 14. und 15. Oktober 2026 in Baden-Baden statt.

(Düsseldorf, 21.10.2026)

Vom Software-defined Vehicle bis zu den Möglichkeiten des KI-basierten Engineering: Den fundamentalen Wandel der Fahrzeugelektronik und die daraus resultierenden Anforderungen diskutierte die Fachcommunity auf dem zweitägigen internationalen VDI-Kongress ELIV am 14. und 15. Oktober in Baden-Baden. Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung galt Indien –  als einem der weltweit am stärksten wachsenden Absatzmärkte für Fahrzeuge sowie als innovationsgetriebener Standort für die Elektronik- und Softwareentwicklung.

Mit 103 Präsentationen, über 50 Ausstellern und zwei Podiumsdiskussionen unterstrich die ELIV erneut ihre Bedeutung als führende Plattform für die Automobil-Elektronik- und Software-Community. Rund 600 Teilnehmende nutzten die zwei Tage in Baden-Baden, um sich über neueste Entwicklungen zu informieren.

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Von Software-defined Vehicle bis Künstliche Intelligenz

Zwei technologische Entwicklungen prägten sowohl die Vorträge als auch die begleitende Fachausstellung und zahlreiche Pausengespräche: Zum einen kommt das Software-defined Vehicle mit hohem Tempo in der Serienanwendung an. Damit verändert sich die Elektronikarchitektur im Fahrzeug hin zu einer zonalen E/E-Architektur mit leistungsstarken Zentralrechnern. Zum anderen ist die Zeit der KI-Pilotprojekte im Automotive-Engineering vorbei – stattdessen geht es um den Transfer in nutzenstiftende Anwendungen. 

Zu weiteren inhaltlichen Schwerpunkten der diesjährigen ELIV zählten Themen wie Automobil-Engineering, Automated Driving, Open Source oder Quantum Computing.
 

Brückenschlag zwischen Europa und Indien

Eine Automotive Trend Session der diesjährigen ELIV beschäftigte sich mit Indien, dem Land mit der weltweit größten Bevölkerung und wachsender geopolitischer Bedeutung: „Indien treibt technologische Innovationen im Automobil voran und bietet gleichzeitig einen Markt mit hohem Potenzial“, unterstrich Tagungsleiter Dr. Rolf Zöller zu Beginn und verwies auf das kommende Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien. In mehreren Vorträgen, einer Diskussionsrunde und in der Ausstellung wurden die Perspektiven beleuchtet. 

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Kishor Patil, CEO von KPIT sowie Vice Chair des indischen IT- und Softwareverbandes NASSCOM, plädierte in seiner Keynote dafür, technologische Stärken zwischen Europa und Indien zusammenzuführen und strategische Kooperationen zu bilden. „Zusammen kann so der zweitgrößte Mobilitätsblock der Welt entstehen.“ Europa könne mit der etablierten Führungsrolle in Automobilentwicklung und -fertigung sowie der engen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und Forschung punkten. Indien könne Stärken wie Embedded Software, KI und E/E-Engineering, das starke Wachstum des Heimatmarktes sowie hochqualifizierte Talente einbringen, so Kishor Patil: „Gemeinsam können Engineering-Kapazitäten entstehen, die eine schnellere Entwicklung, Skalierung und Validierung von Software ermöglichen.“ 

Binoy Paul von Mahindra pflichtete bei: „Automobilzulieferer und -hersteller aus Indien bringen starke Software-Expertise, umfangreiche Ressourcen und Prozess-Know-how ein. Gleichzeitig bieten sich auf dem indischen Markt attraktive Geschäftsmöglichkeiten für Tier-1- bis Tier-3-Zulieferer sowie Ingenieurdienstleister aus Europa.“
 

KI hat die Phase der Pilotprojekte verlassen

Die zweite Automotive Trend Session der diesjährigen ELIV rückte Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz in den Fokus. Wie skalierbare Architekturen und KI die Fahrzeugentwicklung neu definieren, beschrieb Dr. Christoph Grote, Senior Vice President AI & Innovation, BMW Group, in seiner viel beachteten Keynote: „Eine saubere, modulare Architektur ist ein Wegbereiter für einen schnellen und breiten Rollout.“ Er berichtete über messbare Produktivitätssteigerungen bereits wenige Monate nach der KI-Einführung in der Softwareentwicklung: Einem um 37 Prozent gesteigerten Output steht eine Zeitersparnis von 62 Prozent gegenüber. Dr. Grote unterstrich weiter: „Der nächste Schritt ist der Übergang von KI-gestützter zu KI-nativer Softwareentwicklung.“

„AI in the Automotive Development Process“ lautet der Titel einer neuen Studie, die Bora Ger und Steffen Krause (beide Capgemini) in ihrer Keynote vorstellten. Umfassende, branchenübergreifende Befragungen zeichnen ein aktuelles Bild: „Die Zeit der KI-Pilotprojekte ist vorbei“, unterstrich Steffen Krause. Die Herausforderung laute nun, vom Silo-Engineering zu KI-basierten Entwicklungsökosystemen zu gelangen. Das könne aber nur mit grundlegenden Veränderungen in der Organisation gelingen, so Bora Ger: „Das Motto sollte lauten: Buy the model, own the context.“ Entscheidend sei es, die Datenhoheit zu behalten und die Mitarbeitenden zu den Gestaltern des fachlichen Kontextes zu machen.

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Open-Source-Projekte und branchenweite Initiativen

Dazu können nicht zuletzt branchenweite Initiativen, das Setzen von Standards und beispielsweise das Nutzen von Open Source beitragen. Die ELIV bot Einblicke in zahlreiche aktuelle Projekte. Dazu zählen Fortschritte bei der Eclipse S-Core-Plattform, hier soll bis Jahresende der Startschuss für erste Serienanwendungen erfolgen. Einblicke bot der VDI-Kongress ebenso in die Arbeit der Europäischen Allianz für vernetzte und autonome Fahrzeuge (ECAVA) sowie in das neue, im Vorfeld der ELIV veröffentlichte Whitepaper „Neue E/E-Fahrzeugarchitektur“ des ZVEI e.V., das klare Spezifikationen sowie standardisierte Schnittstellen und Protokolle als Zielsetzung definiert.
 

Parallelkonferenz zu Elektronik in Land- und Baumaschinen

Wie ähnlich und doch unterschiedlich die Anforderungen auf der Straße sowie off-highway sind, schilderte Dr. Martin von Hoyningen-Huene, CTO der Claas Group, in seiner Keynote: Auch bei Landmaschinen stehen Themen wie autonomes Fahren, Konnektivität, KI-Nutzung und das Software-defined Vehicle im Mittelpunkt – gerade mit Blick auf Herausforderungen der Landwirtschaft und das Ziel einer weitergehenden Automatisierung. Vertiefende Einblicke ermöglichte mit rund 20 Fachvorträgen die parallel stattfindende Konferenz Mobile Machine Electronics, mit Themen von intelligenter Sensorik über Robotik bis zu KI-gestützten Systemen.
 

Eine Plattform für Start-ups und neue Ideen

Eine Besonderheit, die im dritten Jahr in Folge zu einem festen Bestandteil der ELIV geworden ist, sind die Lightning Talks. In jeweils nur dreiminütigen Pitches stellten hier zwölf Vortragende Innovationen und Konzepte dem Fachpublikum vor. Neue Geschäftsideen fanden zudem mit der Start-up-Area eine eigene Plattform. Zahlreiche Gelegenheiten zum Netzwerken boten sich in den Tagungspausen sowie mit der Night of Electronics im historischen Kurhaus Baden-Baden als Abschluss des ersten Kongresstages.
 

Auszeichnungen für Nachwuchstalente und herausragende Vorträge

Mit mehreren Awards würdigte die ELIV besondere Leistungen. Der Auto Electronic Excellence Award zeichnet Nachwuchsvortragende bis 33 Jahre für innovative, wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Beiträge aus. Der erste Platz (3.000 Euro) ging an Dr. Ankur Deo, KPIT Technologies, für „ADAS for Unstructured Traffic Ecosystems“. Platz zwei (2.000 Euro) belegte Max Pabinger, useblocks, mit „Docs-as-Code Meets ASPICE“. Den dritten Platz (1.000 Euro) erhielt Kirill Shiianov, Capgemini Engineering, für seinen Beitrag zu Quantum Computing im Automotive Engineering.

Als „Best Start-up“ wurde SMARQ Creative Technologies für seine KI-gestützte Engineering-Plattform ausgezeichnet. Den Award „Best Presentation ELIV“ erhielt Andrej Levitin, Porsche Consulting, für seinen Vortrag zur SDV-Transformation. Bei der Parallelkonferenz Mobile Machine Electronics überzeugte Dr.-Ing. Janko Petereit, Fraunhofer IOSB, mit seinem Vortrag über autonome Offroad-Robotik, der als „Best Presentation Mobile Machine Electronics“ ausgezeichnet wurde.

Die ELIV vermittelte im Jahr 2026 das Bild einer positiven Aufbruchstimmung. Angesichts zahlreicher Brancheninitiativen und des vielfältigen Vortragsprogramms mit Neuentwicklungen und Serienanwendungen fiel die (nicht repräsentative) Befragung der Teilnehmenden deutlich optimistisch aus: Auf die Frage „Schafft die Automobilindustrie den Turnaround im Softwarebereich?“ antwortete eine klare Mehrheit mit „Ja“.

Bild: VDI Wissensforum

ELIV 2027

Der nächste Internationale VDI-Kongress ELIV findet am 20. und 21. Oktober 2027 in Baden-Baden statt. Anmeldung zur Teilnahme unter https://www.vdi-wissensforum.de/eliv/ oder über das VDI Wissensforum Kundenzentrum, Postfach 10 11 39, 40002 Düsseldorf, E-Mail: wissensforum@vdi.de, Telefon: +49 211 6214-201, Telefax: -154.

Laufend aktuelle Informationen, Updates zur ELIV und neueste Trends aus der Automobilelektronik finden sich unter https://www.linkedin.com/showcase/elivcongress/.

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