Aktuell wird viel über Möglichkeiten zur Kostensenkung im Bauwesen diskutiert. Dennoch werden naheliegende Potenziale noch immer viel zu selten genutzt. Ein Beispiel sind Trinkwasserinstallationen. Hier können ohne die Absenkung von Standards die Investitionskosten unmittelbar um ca. 20 % und die Betriebskosten um bis zu 40 % über die nächsten 50 Jahre gesenkt werden – also bis ins Jahr 2076. Möglich wird dies durch eine einfach umzusetzende Methode, die vollständig im Einklang mit dem bestehenden Regelwerk von DIN und VDI steht.
Neubau: klein dimensionieren
Möchte ein Auftraggeber die Einsparpotenziale bei Trinkwasserinstallationen heben, sollte er die Fachplanung gemäß DIN 1988-300, Tabelle 2 („Wichtige Hinweise“) mit einer wassersparenden Installation beauftragen, damit die Trinkwasserinstallation mit abgesenkten Berechnungsdurchflüssen für alle Entnahmestellen dimensioniert wird. Und da Rohre mit geringen Abmessungen kostengünstiger sind als solche mit großen Durchmessern, sinken sowohl die Investitionskosten als auch der ökologische Fußabdruck unmittelbar.
Wichtig ist dabei, sich mit allen Entnahmestellen zu beschäftigen, insbesondere mit häufig verbauten wie Waschtischen und solchen mit höheren Berechnungsdurchflüssen, beispielsweise Spülkästen und Waschmaschinen. Für diese sind in der Tabelle 2 der DIN 1988-300 Berechnungsdurchflüsse mit 0,13 l/s. bzw. 0,15 l/s angegeben. Bei wassersparenden Produkten sind jedoch bereits 0,07l/s ausreichend, um den Spülkasten und die ohnehin wassersparende Waschmaschine zu füllen. Durch diese wassersparenden Entnahmestellen sinken auch die Betriebskosten über die nächsten 50 Jahre für Wasser, Abwasser und Warmwasser, also für die Wärmebereitstellung. Gleichzeitig enthalten diese Installationen weniger Trinkwasser, das in Phasen von Nutzungsunterbrechungen – etwa während der Schulferien – ausgespült werden muss.
Bestand: Nutzung prüfen
Im Bestand gibt es diese Einsparmöglichkeiten oftmals nicht, ohne die Trinkwasserhygiene zu gefährden. Denn wassersparende Armaturen würden häufig den aus hygienischen Gründen notwendigen Wasseraustausch in der Installation verhindern. Dennoch besteht auch hier ein erhebliches Einsparpotenzial. Dazu müssen Bereiche mit Wasserverbräuchen identifiziert werden, die weit über einer normalen Nutzung liegen.
Ein Beispiel: Die öffentlichen Toiletten im Rathaus oder an den Gepäckbändern von Flughäfen verursachen überproportional hohe Wasser- und Abwasserkosten. Hier wird der hygienisch notwendige Wasserwechsel allein schon durch die hohe Nutzungsfrequenz übertroffen. Daher können die bestehenden Armaturen in diesen Bereichen ohne hygienische Risiken mit wassersparenden Strahlreglern ausgestattet werden. Strahlregler mit 3 l/min statt 5l/min senken bereits den Wasserverbrauch um 40 %. Noch höhere Einsparraten von bis zu 70 % können mit berührungslosen Armaturen mit Abschaltautomatik erzielt werden.
Stagnationsspülungen: Hygiene sichern
In hochfrequentierten Nasszellen von Altbauten besteht demnach ein erhebliches Einsparpotenzial, ohne die Trinkwasserhygiene zu gefährden. Umgekehrt ist es in Bereichen mit geringer Nutzung, etwa in Senioren- und Gesundheitseinrichtungen. Diese Entnahmestellen machen lediglich 9 % des Wassergebrauchs dieser Gebäude aus und bergen damit hygienische Risiken. Hier muss der bestimmungsgemäße Betrieb durch manuelle oder automatisierte Stagnationsspülungen sichergestellt werden. Dabei sind automatisierte Spülungen im Vergleich zu händisch durchgeführten deutlich effizienter und wassersparender. Automatisiert spülende Armaturen führen – im besten Fall vernetzt mit intelligenten Systemen wie dem Wassermanagement-System SWS von SCHELL – Stagnationsspülungen automatisiert und mit dem geringstmöglichen Wasserverbrauch durch.
Fazit: Kostensenkung und Hygiene miteinander verbinden
Die Kosten bei Neu- und Bestandsbauten können ohne Qualitätseinbußen, jedoch mit unterschiedlichen Methoden und Herangehensweise unmittelbar gesenkt werden. In beiden Fällen sind wassersparende Armaturen beteiligt. Im Neubau sinken dadurch die Investitionskosten um bis zu 20 % und die Betriebskosten um bis zu 40 %. Für Bestandsgebäude sind solche Zahlen nicht verfügbar, wohl aber für elektronische Armaturen mit Abschaltautomatik. Sie senken in hochfrequentierten Bereichen die Kosten um bis zu 70 %, ohne die Trinkwasserhygiene zu gefährden. Dies alles senkt nicht die Standards im Bauwesen, sondern steht in vollem Einklang mit dem DIN- und VDI-Regelwerk.