Wie können die umfangreichen Bauvorhaben der Bundeswehr schneller und effizienter geplant und umgesetzt werden? Thorsten Bohn war bei der VDI-Fachkonferenz „Bauen für die Bundeswehr“ dabei und erläutert im Interview aus Sicht einer Bauverwaltung, welche Rolle Priorisierung, Bündelung, personelle Ressourcen und die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr, Bauverwaltung, Planung und Bauwirtschaft spielen. Zudem ordnet er ein, wie die Fachkonferenz zu einem gemeinsamen Verständnis der anstehenden Aufgaben beitragen kann.
Die Bundeswehr steht vor erheblichen infrastrukturellen Aufgaben. Was bedeutet diese Größenordnung aus Sicht einer Bauverwaltung für die Planung und Umsetzung der kommenden Jahre?
Thorsten Bohn: Basierend auf der gestiegenen äußeren Gefährdungslage und dem bisherigen Abschmelzen der Bundeswehr wurde auch in den Bauverwaltungen Personal reduziert oder anderen Kundensegmenten zugeführt. Hiermit ging einher, dass das über Jahrzehnte angeeignete Wissen und die fachliche Expertise teilweise verloren ging. Somit ist aus meiner Sicht die größte Herausforderung für die Bauverwaltung, die Priorisierung der Aufgaben, deren Bündelung und die enge Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und externen Partnern (gewerblich und planerisch) zusammenzuführen, dass Bauvorhaben schneller, konsequenter und unterbrechungsfrei umgesetzt werden. Entscheidend sind die Priorisierung, personelle Bestückung mit entscheidungsstarken Personen und gemeinschaftliche Ausrichtung auf das Ziel. Nur so kann die Ertüchtigung der Standorte und die Infrastruktur der Bundeswehr den kommenden Anforderungen gewachsen sein.
Welche Anforderungen stellen die aktuellen und zukünftigen Baubedarfe der Bundeswehr insbesondere an die Bauverwaltungen als Auftraggeber?
Thorsten Bohn: Zusätzlich zu den baurechtlichen Anforderungen durch das BauGB oder die Landesbauordnungen hat die Bundeswehr einen sehr detaillierten und herausfordernden Katalog an Richtlinien und Erlassen sowie Handbüchern oder Musterplanungen. Hierdurch stellt sich für die Bauverwaltung die Herausforderung, diese Grundlagen reibungsarm und verständlich an die freiberuflich Tätigen und Bauschaffenden zu übermitteln. Darüber hinaus ist der Fachkräftemangel in Kombination mit dem Generationenwechsel eine Herausforderung, der entgegengetreten werden muss. Fachliche Qualität in den Bauverwaltungen ist erforderlich, um die Funktion der Bauherrenvertretung für die Bundeswehr bestmöglich zu realisieren und die Infrastruktur und Rüstung zu errichten.
Wo liegen aus Ihrer Sicht derzeit die größten Herausforderungen an den Schnittstellen zwischen Bauverwaltung, Bundeswehr sowie Planungs- und Bauwirtschaft?
Thorsten Bohn: Die größten Herausforderungen bestehen darin, ein Verständnis für die Bedarfe und Belange der Bundeswehr zu entwickeln. Viele an den Projekten und Maßnahmen beteiligte Personen sind mit den Planungs- und Genehmigungsschritten nicht vertraut oder bringen Ideen im Bereich von Qualität ein, die in der zivilen oder privaten Wirtschaft üblich sind, für die es bei der Bundeswehr jedoch gute Gründe gibt, diese nicht anzuwenden. Die Bundeswehr und wir aus den Bauverwaltungen als deren Vertreter verlangen und erwarten eine genaue Erbringung des Bedarfsin Verbindung mit den baufachlichen Vorgaben der Bundeswehr. Experimentelle Ideen oder planerische Neuüberlegungen führen hier zu Verzögerungen und können somit den Betrieb einer ganzen Liegenschaft blockieren. Herausforderung ist hier ganz klar die Sensibilisierung für das Thema und das ausgerufene Ziel.
Welche Ansätze sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig, um die große Zahl an Bauvorhaben künftig schneller und effizienter umzusetzen?
Thorsten Bohn: Hierzu lassen sich viele Ansätze verfolgen, die je nach Art, Umfang und Inhalt des Projekts oder der Maßnahme neu zu bewerten sind. Dazu zählen Fragestellungen wie: Bündelung von gleichartigen Vorhaben, TÜ-, TU-, GU-Ausschreibungen, Wiederholungsbauleistungen für gleichartige Bauwerke, Rahmenverträge, Bündelung von Gewerken oder Losen. Mit diesen Fragestellungen müssen sich die beteiligten Personen aus Bundeswehr und Bauverwaltung frühzeitig auseinandersetzen. Hiermit steht und fällt die Ausrichtung und somit das Erlangen von Geschwindigkeit und Effizienz auf allen Ebenen.
Sie bezeichnen die VDI-Fachkonferenz als einen „guten Grundstein“ zur Vermittlung der infrastrukturellen Anforderungen: Welchen Beitrag kann ein solches Format dazu leisten, ein gemeinsames Verständnis der anstehenden Aufgaben bei Auftraggebern, Planern und Bauunternehmen zu schaffen?
Thorsten Bohn: Ein solches Format ist gut dazu geeignet, die verschiedenen Player aus Bundeswehr, Bauverwaltung, Planung und Bauwirtschaft zu konzentrieren und eine gemeinsame Gesprächsbasis zu entwickeln. Die Fokussierung auf das Thema der infrastrukturellen Ertüchtigung und Errichtung von Liegenschaften kann somit von fachkundigen Personen vom Abstrakten ins Konkrete überführt werden.