Wie kann das BIM-Portal die Planung, Genehmigung und den Betrieb von Infrastrukturprojekten beschleunigen? Dr. Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr, erklärt, welchen Mehrwert einheitliche Standards, durchgängige digitale Prozesse und wiederverwendbare Daten für das Bauwesen bieten.
An wen richtet sich das BIM-Portal und welche Unterstützung bietet es Ingenieurinnen und Ingenieuren?
Frau Dr. Claudia Elif Stutz: Das BIM-Portal richtet sich an alle, die Infrastruktur planen, bauen oder betreiben - von öffentlichen Auftraggebern über Ingenieur- und Planungsbüros bis zu Bauunternehmen und Betreibern.
Für Ingenieurinnen und Ingenieure bedeutet das vor allem: Sie können auf einheitliche Standards, Datenstrukturen und Objektvorlagen zurückgreifen. Statt für jedes Projekt eigene Lösungen entwickeln zu müssen, können beispielsweise Informationen zu einer Brücke oder einer Straße von verschiedenen Beteiligten nach denselben Vorgaben erstellt, ausgetauscht und weiterverwendet werden. Das schafft eine gemeinsame digitale Sprache und genau die brauchen wir, wenn wir Infrastruktur schneller und effizienter planen und bauen wollen.
Welche Informationen und Werkzeuge stehen im BIM-Portal zur Verfügung und welchen konkreten Mehrwert bieten sie den Nutzerinnen und Nutzern?
Frau Dr. Claudia Elif Stutz: Das BIM-Portal bietet standardisierte Informationsanforderungen, Datenmodelle, Objektkataloge und Prüfregeln. Ein gutes Beispiel sind die Objektkataloge von BIM Deutschland: Sie legen fest, welche Informationen zu einem Bauwerk oder Bauteil digital hinterlegt werden sollen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wenn ein Ingenieurbüro und die öffentliche Verwaltung mit denselben Standards arbeiten, dann müssen die Informationen nicht mehr neu aufbereitet oder überarbeitet werden. Das spart Zeit, reduziert die Fehleranfälligkeit und erleichtert die Zusammenarbeit.
Für mich ist das ein zentraler Punkt der Digitalisierung. Wir wollen nicht einfach Papier durch Dateien ersetzen, wir wollen die Prozesse besser machen für die, die täglich damit arbeiten. Das sorgt gerade angesichts des Fachkräftemangels dafür, dass die Arbeitskraft für die Aufgaben eingesetzt werden kann, für die wir sie wirklich brauchen.
Wo sehen Sie derzeit die größten Fortschritte bei der Digitalisierung des Bauwesens und in welchen Bereichen besteht aus Ihrer Sicht noch der größte Handlungsbedarf?
Frau Dr. Claudia Elif Stutz: Wir haben in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht. BIM ist heute keine Zukunftsvision mehr, sondern wird in der Praxis eingesetzt – insbesondere bei Straße und Schiene. Bei der Straße ist BIM sogar die Regel.
Mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz haben wir jetzt die Voraussetzung für die modellbasierte Genehmigung geschaffen. Das ist ein wichtiger Schritt, denn mit den digitalen Verfahren können wir Infrastrukturprojekte schneller planen und damit bauen.
Der nächste große Schritt ist für mich die durchgängige Nutzung digitaler Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg. Wenn das digitale Modell einer Brücke zum Beispiel nicht nur für die Planung, sondern später auch für Genehmigung, Bau, Betrieb und Erhaltung genutzt wird, entsteht ein ganz anderer Mehrwert.
Welche politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen sind notwendig, um die Digitalisierung im Bauwesen nachhaltig voranzubringen?
Frau Dr. Claudia Elif Stutz: Wir brauchen vor allem Verlässlichkeit und gemeinsame Standards. Digitalisierung funktioniert nicht, wenn alle Beteiligten jeweils ihre eigene digitale Sprache sprechen. Deshalb müssen wir Informationsanforderungen weiter harmonisieren und offene, interoperable Lösungen fördern. Mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz haben wir einen wichtigen Schritt voran gemacht.
Und wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern, Kommunen und Wirtschaft. Infrastruktur endet nicht an Zuständigkeitsgrenzen; das sollten digitale Daten ebenfalls nicht.
Wie können öffentliche Auftraggeber, Verwaltung und private Unternehmen die Digitalisierung des Bauwesens gemeinsam erfolgreicher gestalten?
Frau Dr. Claudia Elif Stutz: Der Staat muss Orientierung geben, und das tun wir mit klaren Anforderungen und einheitlichen Standards. Das schafft Planungssicherheit für die Unternehmen. Gleichzeitig müssen wir viel stärker von den Erfahrungen aus der Praxis profitieren. Ingenieure, Planungsbüros und Bauunternehmen wissen sehr genau, wo digitale Lösungen funktionieren und wo noch Hürden bestehen. Wenn etwas funktioniert, dann sollten wir es schneller zum Standard machen. BIM Deutschland und das BIM-Portal sind dafür wichtige Plattformen.
Wenn Sie drei zentrale Hebel benennen müssten, mit denen sich die Digitalisierung im Bauwesen deutlich beschleunigen ließe – welche wären das und warum?
Frau Dr. Claudia Elif Stutz: Erstens: Gemeinsame Standards. Wenn Daten über verschiedene Systeme hinweg genutzt werden sollen, müssen wir dieselbe digitale Sprache sprechen.
Zweitens: Durchgängige Prozesse. Wir müssen weg vom Denken in einzelnen Projektphasen. Die Informationen, die heute bei der Planung entstehen, sollten morgen bei Genehmigung, Bau und Betrieb weiterhelfen. Genau hier liegen große Effizienzpotenziale.
Drittens: Die Menschen. Digitalisierung gelingt nicht allein mit Software. Wir brauchen gut qualifizierte und motivierte Fachkräfte, die vom Ergebnis her denken und Lust haben, dafür Prozesse ganz neu zu gestalten.
Am Ende geht es um einen sehr konkreten politischen Anspruch: Wir wollen Infrastruktur schneller planen, schneller genehmigen, besser bauen und effizienter betreiben. Digitalisierung ist dafür ein entscheidendes Werkzeug.