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Wie gelingt der Weg von der Fachkraft zur Führungspersönlichkeit in der Produktion?

Wie gelingt der Weg von der Fachkraft zur Führungspersönlichkeit in der Produktion?

Die zentrale Herausforderung produzierender Unternehmen lässt sich einfach zusammenfassen: Unternehmen müssen ihre Produktion ständig verändern und anpassen, um diese resilient zu gestalten und wettbewerbsfähig zu bleiben. Hohe Energie- und Arbeitskosten, globale Konkurrenz, volatile Lieferketten, Fachkräftemangel, steigende regulatorische Anforderungen und die Transformation hin zu digitalen und nachhaltigen Produktionsprozessen begegnen uns täglich in den Medien. In einer Zeit Verantwortung zu übernehmen, in der Stabilität keineswegs selbstverständlich ist, stellt eine besondere Herausforderung dar.

 

Warum verändert sich die Führungsrolle in der Produktion?

Gerade in der Produktion übernehmen Führungskräfte für ihre Mitarbeitenden zunehmend eine begleitende Rolle in Veränderungsprozessen. Effizienz, Agilität, Flexibilität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit bei gleichzeitiger Stabilität der Prozesse sind Wandlungsprozesse, die von den Mitarbeitenden mitgetragen werden müssen. Die Führungskraft steht somit direkt im Spannungsfeld zwischen strategischem Veränderungsdruck und operativer Realität. Sie muss in der Lage sein, die Erwartungen des Managements und der Mitarbeitenden gleichermaßen zu berücksichtigen. Auf der methodisch-fachlichen Seite bedeutet das, die Gesamtkomplexität zu verstehen, um kostenbewusstes Handeln mit innovativen Ansätzen verbinden zu können. Fachliches Verständnis ist die Basis, um den Entscheidungsrahmen und damit die Befugnis zu erhalten, den Produktionsbereich verantwortlich zu führen.


Welche Anforderungen müssen neue Führungskräfte bewältigen?

Gute Expert*innen haben allerdings jedoch das Potenzial, gute Führungskräfte zu sein. Die Anforderungen an Führungskräfte werden zunehmend vielfältiger. Orientierung, Kommunikation, Entscheidungsfähigkeit, Konfliktkompetenz und die Fähigkeit, Veränderungen gemeinsam mit dem Team umzusetzen, sind Herausforderungen, die gerade in der ersten Führungsrolle neu sind und gemeistert werden müssen.

In diesem Lernprozess kann die Vielzahl der Leitplanken erdrückend wirken. Krisen von außen müssen bewältigt werden, Strategien müssen angepasst und das Produktportfolio und damit die Reaktionsfähigkeit der Produktion erweitert werden. Auch unter Produktions- und Kostendruck sind dabei Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Fairness und Qualität nicht verhandelbar. Ein „Geht nicht“ ist in der aktuellen Situation inakzeptabel; die Produktion muss eine Lösung liefern, um den Erfolg des Unternehmens zu sichern. In diesem Produktionsumfeld ist gute Führung die Voraussetzung dafür, dass Teams auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig bleiben, Probleme erkennen, Lösungen erarbeiten und Veränderungen aktiv mitgestalten. Selbst für erfahrene Führungskräfte ist diese Situation eine Herausforderung.

 

Wie gelingt der Einstieg in die erste Führungsrolle?

Die erste Führungsrolle in der Karriere ist für viele Fach- und Nachwuchskräfte daher ein sehr entscheidender Karriereschritt. Angesichts dieser Aufgaben kann die erste Führungsrolle nur der Beginn der schrittweisen Entwicklung zu einer Führungspersönlichkeit sein. An deren Anfang steht die Bewältigung veränderter Bedingungen auf der Beziehungsebene. Vorgaben des Managements müssen erfüllt, Entscheidungen getroffen und teilweise auch unangenehme Gespräche geführt werden. Weil Produktion nur in den seltensten Fällen unter idealen Bedingungen stattfindet, ist der Wechsel zwischen den Perspektiven besonders anspruchsvoll. Die Führungskraft arbeitet nahe am operativen Geschehen und erlebt Störungen, Probleme und die Auswirkung von Krisen unmittelbar mit den Mitarbeitenden. Die Herausforderung besteht dabei darin, eine glaubwürdige Führungsrolle einzunehmen. Vertrauen entsteht weniger durch persönliche Beliebtheit als durch Verlässlichkeit, Transparenz, Klarheit und einen wertschätzenden Umgang mit Menschen.

 

Wie können Unternehmen Nachwuchsführungskräfte gezielt unterstützen?

Unternehmen können ihre Nachwuchsführungskräfte dabei gezielt durch praxisnahe Führungsprogramme unterstützen, in denen die erforderlichen Grundlagen vermittelt werden: von den Zusammenhängen zwischen Qualität, Kosten und Liefererfüllung über unternehmerisches Handeln bis hin zur Erweiterung des Methodenbaukastens. Fachliche Lücken müssen geschlossen und Führungsfähigkeiten in Theorie und Praxis vermittelt werden. Im täglichen Geschäft sind Coaching, Mentoring und regelmäßige Reflexionsgespräche die sinnvolle Ergänzung. Nicht zuletzt ist ein lernendes Umfeld wichtig, in dem neue Führungskräfte Fehler ansprechen und reflektieren können, ohne sofort als ungeeignet zu gelten.

FAQs zur Nachwuchsführung in der Produktion

Warum reicht fachliche Kompetenz für eine Führungsrolle in der Produktion nicht aus?

Fachliche Kompetenz allein reicht für eine Führungsrolle in der Produktion nicht aus. Nachwuchsführungskräfte benötigen zusätzlich Orientierung, Kommunikations- und Entscheidungsfähigkeit sowie Konfliktkompetenz. Erst das Zusammenspiel dieser Fähigkeiten ermöglicht es ihnen, die Erwartungen des Managements und der Mitarbeitenden zu berücksichtigen und Veränderungen gemeinsam mit dem Team umzusetzen.

Welche Herausforderungen bringt die erste Führungsrolle in der Produktion mit sich?

Die erste Führungsrolle in der Produktion verlangt einen sicheren Wechsel zwischen strategischen Vorgaben und operativer Realität. Neue Führungskräfte müssen Entscheidungen treffen, unangenehme Gespräche führen und auch unter Produktions- und Kostendruck handlungsfähig bleiben. Gleichzeitig dürfen Arbeits- und Gesundheitsschutz, Fairness und Qualität nicht vernachlässigt werden.

Wie gewinnen neue Führungskräfte das Vertrauen ihrer Mitarbeitenden?

Neue Führungskräfte gewinnen Vertrauen nicht vorrangig durch persönliche Beliebtheit, sondern durch Verlässlichkeit, Transparenz und Klarheit. Ein wertschätzender Umgang mit den Mitarbeitenden stärkt zusätzlich ihre Glaubwürdigkeit. Gerade im Produktionsumfeld ist diese Haltung wichtig, weil Führungskräfte Störungen, Probleme und die Auswirkungen von Krisen unmittelbar gemeinsam mit ihrem Team erleben.

Wie können Unternehmen Nachwuchsführungskräfte gezielt unterstützen?

Unternehmen können Nachwuchsführungskräfte durch praxisnahe Führungsprogramme gezielt auf ihre Aufgaben vorbereiten. Diese Programme sollten fachliche Zusammenhänge, unternehmerisches Handeln und Führungsfähigkeiten in Theorie und Praxis verbinden. Coaching, Mentoring und regelmäßige Reflexionsgespräche unterstützen anschließend den Transfer in den täglichen Produktions- und Führungsalltag.

Warum ist ein lernendes Umfeld für Nachwuchsführungskräfte wichtig?

Ein lernendes Umfeld ermöglicht Nachwuchsführungskräften, Fehler offen anzusprechen und systematisch zu reflektieren. Das ist wichtig, weil die erste Führungsrolle nur den Beginn einer schrittweisen Entwicklung zur Führungspersönlichkeit bildet. Neue Führungskräfte können so aus Erfahrungen lernen, ohne nach einzelnen Fehlern sofort als ungeeignet zu gelten

Über den Autor:

Prof. Dr.-Ing. Lars Ruhbach

Prof. Dr.-Ing. Lars Ruhbach

studierte an der Universität Hannover Maschinenbau und promovierte dort am Institut für Mikrotechnologie. Er arbeitete 12 Jahre bei der Robert Bosch GmbH in unterschiedlichen Führungspositionen, in letzter Tätigkeit als Leiter eines großen hochautomatisierten Produktionsbereiches mit verschiedenen Fertigungstechnologien. Seit 2018 ist er Studiengangleiter der Fachrichtung Produktionstechnik an der Dualen Hochschule Ravensburg am Campus Friedrichshafen. Zusätzlich zu dieser Tätigkeit ist er Geschäftsführer der IWT Wirtschaft und Technik GmbH, berät Firmen bei der Strukturierung und der Transformation ihrer Produktionsbereiche und unterstützt Führungskräfte in der Produktion im Rahmen von Coachings. Er ist Mitglied im Beirat einer Unternehmensgruppe sowie im Aufsichtsrat einer zugehörigen Gesellschaft.

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