Wie können Bauunternehmen und Planungsbüros in Bundeswehrbauprojekte einsteigen?

Beim Bauen für die Bundeswehr arbeiten Bedarfsträger, Bundesbehörden, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sowie die Bau- und Liegenschaftsverwaltungen der Länder zusammen. Im Interview erläutert Holger Basten, wie die Aufgaben verteilt und Bau- und Planungsleistungen vergeben werden. Zudem zeigt er, über welche Vergabeplattformen, Interessenbekundungen, Informationsveranstaltungen und Branchenkontakte Unternehmen Zugang zu Bundeswehrbauprojekten finden können.
 

Wie ist das Bauen für die Bundeswehr in Deutschland organisiert und welche Behörden und Institutionen sind daran beteiligt?

Holger Basten: Das sehr große Investitionsvolumen für die zukünftige Infrastruktur der Bundeswehr bedarf der engen Abstimmung zwischen verschiedenen Beteiligten. Diese sind zum einen die Bedarfsträger, also letztlich die Soldatinnen und Soldaten in den verschiedensten Einheiten, Standorten und Teilstreitkräften, organisiert in den jeweiligen Kommandostrukturen bis hin zum Verteidigungsministerium. 

Weiterhin wirkt die sogenannte bedarfsdeckende Seite der Bundeswehr, insbesondere das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) mit seinen bundesweiten Außenstellen und den Bundeswehrdienstleistungszentren vor Ort mit. Diese sind letztlich dem Verteidigungsministerium unterstellt. Weiterhin wirkt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) mit, die insbesondere immobilienwirtschaftlich für die Beschaffung neuer Bundeswehrliegenschaften oder deren Ergänzung zuständig ist.

Im Regelfall erfolgt die bauliche Beschaffung über die Bau- und Liegenschaftsverwaltungen oder -betriebe in den Bundesländern sowie den dort jeweils eingerichteten Aufsichtsbehörden, die das Gros der Planungen und baulichen Realisierung vor Ort durchführen. Dabei werden fast alle Baudienstleistungen durch die Planungswirtschaft, Bauindustrie, -gewerbe und Handwerk realisiert. 

Unabhängig von den unterschiedlichen Aufgaben, Projektarten und -größen hat sich diese Kooperation bewährt und kann mit zunehmender Flexibilität auch die aktuellen Herausforderungen breit aufgestellt bewältigen.
 

Wer vergibt Bauaufträge für die Bundeswehr und welche Rolle spielen Bundeswehr, Bundesbauverwaltung und weitere öffentliche Auftraggeber?

Holger Basten: Grundsätzlich werden alle Investitionen über den Bundeshaushalt, also über jährliche Einzelpläne oder mehrjährige Sondervermögen finanziert. Sie unterliegen damit grundsätzlich der parlamentarischen Kontrolle. Das heißt: Auch bei großem Bedarf und Handlungsdruck sind die Wirtschaftlichkeit und die erforderliche und mögliche Transparenz bei der Vergabe der Planungs- und Bauleistungen unverzichtbar. Dieses gilt auch für die gesetzlich inzwischen möglichen Verfahrensbeschleunigungen bei Beschaffungen für die Bundeswehr. 

Bau- und Planungsleistungen werden vorrangig durch die Bauverwaltungen und -betriebe in den Ländern im Namen des Bundes vergeben. Dazu zählen unverändert auch kleinere Maßnahmen, Projekte im Bestand, spezielle Bauprojekte oder auch die Instandhaltung. Dazu kommen inzwischen auch bundesweit ausgeschriebene und von der Bundeswehr zentral vergebene Rahmenverträge, beipielsweise aktuell von 74 neuen Unterkunftsgebäuden in 31 Liegenschaften (Projekt G-Cap). Es folgen Ausschreibungen für Sicherungsanlagen, Waffenkammern. In Planung sind Instandhaltungsgebäude, Wirtschaftsgebäude und weitere seriell und modular realisierbare Bautypen. 

Die Bundeswehrdienstleistungszentren vergeben nicht nur Aufträge für den Liegenschaftsbetrieb, sondern im zunehmendem Umfang auch für Instandhaltungsleistungen bis hin zu einzelnen Baumaßnahmen. Ebenso ist die BImA, wenn es um alternative Beschaffungsverfahren, am Markt tätig.

Neben dem laufenden Geschäft an den bestehenden Liegenschaften und deren Ertüchtigung sind inzwischen somit die genannten Auftraggeber abgestimmt in den unterschiedlichsten Beschaffungsvarianten tätig, um die zusätzlichen Infrastrukturbedarfe vorrangig auf dem inländischen Markt abzudecken.
 

Wie können Bauunternehmen und Planungsbüros in den Markt für Bundeswehrbauprojekte einsteigen? 

Holger Basten: Da es sich um die Verwendung öffentlicher Mittel handelt und die jeweiligen vorgeschriebenen Auftraggebende wirtschaftliche Angebote und leistungsfähige Partnerunternehmen für die Projekte finden wollen, ist der einfachste Schritt das Verfolgen der einschlägigen Vergabeplattformen des Bundes und der jeweiligen für den Bund tätigen Landesverwaltungen und -betriebe. Des Weiteren sind auch Interessenbekundungen an diese möglich, um bei Ausschreibungen im geeigneten Bewerberkreis Berücksichtigung finden zu können. Hilfreich sind ebenfalls die Teilnahme an Informationsveranstaltungen, regionalen Industrial Days und natürlich Fachveranstaltungen wie die des VDI Wissensforums. Bewährt haben sich auch Kontakte nicht nur über die Bundesverbände der Planungs- und Bauwirtschaft und deren Verbände auch im regionalen Informationsaustausch. Für leistungsfähige Anbieter sind in der ganzen Bandbreite von der einzelnen Planungs- und Bauleistung für ein Fach oder Gewerk über Generalunternehmerleistungen bis hin zur integrierten Projektabwicklung – um nur ein paar Modelle zu nennen – interessante Aufträge generierbar.

Zur Person:

Dipl.-Ing./Architekt Holger Basten

Bauassessor Dipl.-Ing./Architekt Holger Basten ist seit 1. Juli 2026 Interims-Geschäftsführer der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR. Er war bis Mai 2026 Geschäftsführer des Landesbetrieb Liegenschaft- und Baubetreuung Rheinland-Pfalz. Seine langjährige Erfahrung umfasst die verschiedenen Beschaffungsprozesse hochbaulicher Infrastruktur im Bereich der Bundesländer und des Bundes, so für die Bundeswehr und die Gaststreitkräfte, die Entwicklung von Großprojekten sowie das Management der Immobilienportfolios von Verwaltungen oder öffentlichen Unternehmen.

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