Dr. Peter Ryzko über Rezyklatqualität, vernetzte Anlagen und datenbasierte Prozessoptimierung
Die Compoundiertechnik steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und künstliche Intelligenz prägen Prozesse, Werkstoffe und Geschäftsmodelle. Im Interview ordnet Dr. Peter Ryzko von SÜDPACK die wichtigsten Entwicklungen ein. Er erläutert, wie die Branche mit schwankenden Rezyklatqualitäten umgeht, welche Impulse die 50. Deutsche Compoundiertagung setzt und warum vernetzte Anlagen sowie datenbasierte Prozessoptimierung in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen.
Wie entwickelt sich die Compoundierindustrie aktuell in Deutschland?
Dr. Peter Ryzko: Die deutsche Compoundierindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Neben dem klassischen Fokus auf Produktqualität und Wirtschaftlichkeit stehen heute vor allem Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und der effiziente Einsatz von Ressourcen im Mittelpunkt. Unternehmen investieren verstärkt in Recyclingtechnologien, Automatisierung und datenbasierte Prozessoptimierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben und gleichzeitig regulatorische Anforderungen zu erfüllen.
Welche Entwicklungen und Trends prägen die Compoundiertechnik aktuell?
Dr. Peter Ryzko: Die wichtigsten Trends sehe ich in drei Bereichen:
Erstens in der Kreislaufwirtschaft mit hochwertigen Rezyklaten und geschlossenen Materialkreisläufen.
Zweitens in der zunehmenden Digitalisierung der Produktion, bei der Prozessdaten systematisch genutzt werden.
Drittens im Einsatz künstlicher Intelligenz, etwa zur Qualitätsvorhersage, Prozesssteuerung oder Entwicklung neuer Werkstoffformulierungen. Diese Themen spiegeln sich auch im Programm der Tagung wider.
Was ist aktuell die größte Herausforderung für Unternehmen in der Compoundiertechnik?
Dr. Peter Ryzko: Die größte Herausforderung besteht darin, steigende Anforderungen an Qualität, Nachhaltigkeit und Kosten gleichzeitig zu erfüllen. Besonders beim Einsatz von Rezyklaten müssen schwankende Rohstoffqualitäten beherrscht werden.
Gleichzeitig erfordern neue gesetzliche Vorgaben sowie der internationale Wettbewerbsdruck kontinuierliche Innovationen und Investitionen. Aus diesen Herausforderungen entstehen aber auch neue Chancen für die Branche.
Welche Schwerpunkte behandelt die 50. Deutsche Compoundiertagung 2026?
Dr. Peter Ryzko: Die Tagung beleuchtet die Zukunft der Compoundiertechnik aus verschiedenen Perspektiven. Besondere Schwerpunkte liegen auf Automatisierung und Messtechnik, Qualitätsüberwachung, Kreislaufwirtschaft, Recycling, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Darüber hinaus werfen wir im Jubiläumsjahr einen Blick auf die Entwicklung der letzten 50 Jahre und diskutieren die Fragestellungen der kommenden Jahrzehnte.´
Auf welche Vorträge freuen Sie sich besonders?
Dr. Peter Ryzko: Gerade die Mischung macht das Programm spannend. Besonders interessant finde ich die Beiträge zur Nutzung von KI in der Compoundierung, zur datengetriebenen Prozessoptimierung sowie zu Qualitätsstandards für Rezyklate. Ebenso spannend sind die Keynotes zur Entwicklung der Compoundiertechnik und die Diskussionen über zukünftige Technologien und Geschäftsmodelle.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz heute bereits in der Compoundiertechnik?
Dr. Peter Ryzko: KI hat den Sprung von der Forschung in die industrielle Praxis geschafft. Sie wird heute bereits eingesetzt, um Prozesse stabiler zu machen, Qualitätsmerkmale vorherzusagen oder Produktionsdaten in Echtzeit auszuwerten. Besonders interessant ist ihr Potenzial beim Umgang mit schwankenden Rohstoffqualitäten, beispielsweise bei Rezyklaten. In den kommenden Jahren wird KI zu einem wichtigen Werkzeug für die Optimierung komplexer Compoundierprozesse werden.
Was macht die Deutsche Compoundiertagung seit mittlerweile 50 Jahren zu einem wichtigen Treffpunkt der Branche?
Dr. Peter Ryzko: Die Tagung verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit industrieller Praxis und bietet eine einzigartige Plattform für den Austausch zwischen Fachleuten aus Rohstoffherstellung, Maschinenbau, Compoundierung, Forschung und Anwendung. Gerade dieser direkte Dialog über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg macht den besonderen Wert der Veranstaltung aus. Dass die Tagung bereits seit 50 Jahren besteht, zeigt ihre hohe Relevanz für die Branche.
Für wen lohnt sich der Besuch der Tagung ganz besonders?
Dr. Peter Ryzko: Die Tagung richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus der Kunststoffindustrie, die sich mit Materialien, Verfahren, Produktionsprozessen oder Nachhaltigkeit beschäftigen. Sie bietet sowohl erfahrenen Spezialist*innen als auch jungen Fachkräften wertvolle Einblicke in aktuelle Entwicklungen und zukünftige Technologien.
Welchen Mehrwert nehmen die Teilnehmenden konkret mit nach Hause?
Dr. Peter Ryzko: Die Teilnehmenden erhalten einen umfassenden Überblick über aktuelle technische Entwicklungen, regulatorische Anforderungen und innovative Lösungsansätze. Darüber hinaus entstehen wertvolle Kontakte zu Expert*innen aus Industrie und Forschung. Ziel ist es, konkrete Impulse mitzunehmen, die direkt in Projekten, Entwicklungsvorhaben oder Produktionsprozessen umgesetzt werden können.
Wie wird sich die Compoundierung in den nächsten fünf bis zehn Jahren verändern?
Dr. Peter Ryzko: Ich erwarte eine deutlich stärkere Vernetzung von Maschinen, Prozessen und Daten. Die Compoundierung wird digitaler, automatisierter und nachhaltiger werden. Rezyklate und biobasierte Rohstoffe werden an Bedeutung gewinnen, während KI zunehmend Entscheidungen in Entwicklung und Produktion unterstützt. Gleichzeitig werden flexible Anlagenkonzepte nötig sein, um schneller auf Marktanforderungen und Rohstoffverfügbarkeiten reagieren zu können. Die Zukunft der Compoundierung wird daher nicht nur durch neue Werkstoffe, sondern vor allem durch intelligente Prozesse geprägt sein.
Abschluss:
Die Compoundiertechnik war in den vergangenen 50 Jahren ein wesentlicher Innovationstreiber der Kunststoffindustrie. Die kommenden Jahre werden geprägt sein von Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz. Die Deutsche Compoundiertagung bietet die ideale Plattform, um diese Entwicklungen gemeinsam zu diskutieren und die Zukunft aktiv mitzugestalten.