Lerne von den Besten - Igor Osnizki vom Zertifikatslehrgang "Fachingenieur Elektrokonstruktion VDI"
1. Welche Entwicklungen in der Elektrokonstruktion haben aus deiner Sicht in den letzten Jahren den größten Einfluss auf den Berufsalltag von Konstrukteuren gehabt – und wie bildet der Lehrgang diese Veränderungen ab?
Den größten Einfluss hatten in den letzten Jahren die steigenden Anforderungen an Maschinensicherheit, Cybersecurity und Normenkonformität. Gleichzeitig nimmt die technische Komplexität durch Digitalisierung, Vernetzung und neue Technologien weiter zu. Für Elektrokonstrukteure bedeutet dies mehr Verantwortung, höheren Planungsaufwand und die Notwendigkeit neuer Fachkompetenzen.
Der Lehrgang bildet diese Entwicklungen ab, indem er aktuelle und zukünftige Anforderungen praxisorientiert vermittelt und den Fokus auf frühzeitige Sicherheitsplanung, strukturierte Risikobeurteilung und normkonforme Umsetzung legt.
2. Wenn du einem potenziellen Teilnehmenden in einem Satz erklären müsstest, warum sich dieser Lehrgang für seine/ihre Karriere in der Elektrokonstruktion lohnt – wie würde dieser Satz lauten?
Teilnehmende lernen, wie sie durch frühzeitige Sicherheitsplanung und strukturierte Risikobeurteilung aufwendige Nacharbeit vermeiden und ihre Projekte effizienter umsetzen.
3. In welcher Funktion bei M&P Sachverständige bist du überwiegend tätig und wie prägt diese Rolle die Inhalte von Modul 4 des VDI-Lehrgangs zu Sicherheitskonzepten und Dokumentation?
Mein Tätigkeitsbereich liegt im Schwerpunkt auf Sicherheitsbewertungen im Rahmen der CE-Kennzeichnung, insbesondere auf der Risikobeurteilung unterschiedlichster Maschinengattungen aus dem industriellen Umfeld. Durch diese Tätigkeit verfüge ich über einen umfangreichen Erfahrungsschatz in Bezug auf Sicherheitskonzepte verschiedenster Technologien und Maschinen.
Im Modul 4 teile ich dieses Wissen praxisorientiert, um für die Teilnehmer einen maximalen Nutzen zu erzielen.
4. Was verstehst du unter einem „guten“ Sicherheitskonzept in der Elektrokonstruktion, und welche typischen Schwächen begegnen dir in der Praxis immer wieder?
Nachhaltige und hochwertige Sicherheitskonzepte entstehen durch eine frühzeitige Planung sowie durch Vorbewertungen der Sicherheitsanforderungen. In der Praxis hingegen wird die CE-Kennzeichnung häufig erst im Nachgang überprüft, sodass lediglich Abweichungen festgestellt werden können. Viele dieser Abweichungen sind nur schwer oder mit erheblichem Aufwand nachträglich zu beheben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass weniger die technischen Herausforderungen das Hauptproblem darstellen, sondern vielmehr ein unstrukturiertes oder zu spätes Vorgehen bei den Sicherheitsbewertungen.
5. Welche neuen Anforderungen, etwa durch Digitalisierung, Vernetzung oder neue Normen, werden die Sicherheitskonzepte und Dokumentationspraxis in den kommenden Jahren besonders beeinflussen?
Durch die zunehmenden Anforderungen an die Cybersicherheit im Zuge von Digitalisierung und Vernetzung sowie durch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz werden in den kommenden Jahren zahlreiche neue Normen eingeführt, die sich derzeit in der Erarbeitung befinden.
Zudem tritt die neue Maschinenverordnung (MVO) ab Januar 2027 in Kraft, die ebenfalls deutlich erweiterte und strengere Anforderungen an die Maschinensicherheit mit sich bringt.
Für Hersteller bedeutet dies, dass für dieselben Maschinen, die bisher geliefert wurden, künftig mehr Zeit sowie zusätzliche Fachkompetenzen erforderlich sind. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen daher höhere Entwicklungs- und Umsetzungskosten in Kauf genommen werden.