Brückenmodernisierung unter Verkehr ist die Erneuerung, Verstärkung oder Instandsetzung bestehender Autobahnbrücken, während die Verkehrsverbindung möglichst verfügbar bleibt. Für Ingenieurinnen und Ingenieure entscheidet die frühe Abstimmung von Tragwerk, Bauphasen und Verkehrsführung darüber, ob Fahrstreifen lange nutzbar bleiben und unvermeidbare Sperrungen planbar werden.
Warum ist Brückenmodernisierung unter Verkehr eine Kernaufgabe?
Brückenmodernisierung unter Verkehr wird zur Kernaufgabe, weil langfristig etwa 8.000 Autobahnbrücken oder Brückenteilbauwerke saniert beziehungsweise ersetzt werden müssen. Im Kernnetz sollen rund 4.000 davon bis 2032 modernisiert werden.
Dabei sind insbesondere die Großbrücken die neuralgischen Punkte im Verkehrsnetz. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres umfahren, sind häufig hohen Schwerverkehrsanteilen ausgesetzt und liegen vielfach in räumlich oder ökologisch sensiblen Bereichen.
Die bauzeitliche Verkehrsführung ist deshalb kein nachgelagerter Organisationspunkt. Sie bestimmt die Wahl des Bauverfahrens, die Lage neuer Teilbauwerke und die Reihenfolge der Bauphasen. Drei A1-Projekte zeigen diese Lösungen: Ersatzneubau mit Querverschub, Ertüchtigung auf Zeit und optimierte Verkehrsführung auf einem neuen Teilbauwerk.
Wie lassen sich Brücken unter Verkehr modernisieren?
Brücken unter Verkehr lassen sich modernisieren, indem neue Teilbauwerke neben dem Bestand entstehen, der Verkehr schrittweise verlegt und alte Konstruktionen anschließend abgebrochen werden. Wenn der verfügbare Raum nicht reicht, helfen Behelfslagen, Querverschübe oder zeitlich begrenzte Verstärkungen, die Streckenverfügbarkeit zu sichern.
Bei Bauwerken, deren Ersatzneubau noch mehrere Jahre benötigt, können Verstärkungen und engmaschige Prüfungen die sichere Restnutzungsdauer verlängern. Das Ziel bleibt eine möglichst hohe Verfügbarkeit der Strecke.
Einzelne Nacht-, Wochenend- oder Richtungsfahrbahnsperrungen lassen sich bei komplexen Bauabläufen jedoch nicht immer vermeiden. Entscheidend ist, diese Eingriffe früh zu planen, transparent zu kommunizieren und technisch auf das notwendige Maß zu begrenzen.
Warum muss die Süderelbbrücke ersetzt werden?
Die Süderelbbrücke der A1 muss ersetzt werden, weil die Restnutzungsdauer beider Überbauten begrenzt ist und der geplante achtstreifige Ausbau neue Tragwerks- und Breitenanforderungen stellt.
Die rund 326 Meter lange Strombrücke über die Süderelbe dokumentiert unterschiedliche Entwicklungsstufen des Stahlbrückenbaus. Das ältere Teilbauwerk entstand in den 1930er-Jahren als vierfeldrige Balkenbrücke mit zwei Hauptstützweiten von jeweils 104 Metern. Seine Konstruktion besteht aus genieteten Stahlhauptträgern und einer Fahrbahn aus Buckelblechen mit Betonauffüllung. Im Zuge der Autobahnverbreiterung wurde 1965 ein zweites Teilbauwerk errichtet; dessen Hauptträger wurden geschweißt, die Fahrbahn als orthotrope Platte ausgeführt.
2014 wurde eines der Teilbauwerke durch einen Schiffsanprall beschädigt und anschließend aufwendig repariert.
Nach aktuellem Stand wird der Planfeststellungsbeschluss Ende 2026 erwartet, so dass der Baubeginn 2027 erfolgen kann.







